Bitcoin: Korrektur einfach weggewischt, doch droht nun das nächste Unheil? EZB-Chefin Christine Lagarde redet über die Regulierung von Bitcoin

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Bitcoin hat Anfang der Woche eine bemerkenswerte Korrektur von etwa 20 Prozent hinlegen müssen, die historisch gesehen in absoluten Zahlen die verlustreichste Korrektur jemals für die Kryptowährung war. Von 41.000 Dollar ging es im Tief bis auf knapp unter 30.000 Dollar.

Bitcoin: Korrektur einfach weggewischt, doch droht nun das nächste Unheil? EZB-Chefin Christine Lagarde redet über die Regulierung von Bitcoin

Langfristig passt diese Korrektur in die zyklische Verhaltensweise der Kryptowährung und ist zum einen angesichts der wirklich enormen Preisschübe und daraus folgenden Gewinnmitnahmen, zum anderen jedoch auch durch vergangene Korrekturen von 20 bis 40 Prozent während eines Bullenzyklus keine besondere Überraschung gewesen.

Nun hat Bitcoin jedoch bereits wieder das meiste an Verlusten aufgeholt und notiert derzeit mit einem Tagesplus von über 6 Prozent wieder bei fast 40.000 Dollar. Das bestätigt die weiterhin enorm bleibende Nachfrage, deren Ursprung derzeit größtenteils dem institutionellen Sektor zugesprochen wird.

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Die Funktion als Wertspeicher rückt zudem angesichts wachsender Sorgen vor einem Rücksetzer an den Aktienmärkten wieder vermehrt ins Rampenlicht. Mehr und mehr Analystenstimmen sehen angesichts der Rekorde vor allem an der Wall Street die Gefahr einer Überbewertung. Gleichzeitig hat die US-Notenbank erste Gedankenspiele verlauten lassen, ihre Anleihekaufprogramme in Zukunft wieder einschränken zu wollen, was den Druck auf die Märkte ebenfalls erhöhen könnte.

Christine Lagarde äußert sich negativ über Bitcoin

Auf fundamentaler Ebene hat sich damit nichts bezüglich des Potenzials der Kryptowährung geändert. Der einzige wirklich bärische Ausblick bleiben regulatorische Maßnahmen.

In dieser Sache hat sich jüngst die EZB-Leiterin Christine Lagarde geäußert. Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank forderte am Mittwoch in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters die weltweite Regulierung von Bitcoin und sagte, dass die digitale Währung in einigen Fällen für Geldwäscheaktivitäten verwendet worden sei und dass alle Lücken geschlossen werden müssten.

„Bitcoin ist ein hochspekulativer Vermögenswert, der einige komische Geschäfte und einige interessante und völlig verwerfliche Geldwäscheaktivitäten hervorgebracht hat“, sagte Lagarde. Konkrete Beispiele hat sie nicht geliefert, sagte jedoch, dass es bereits entsprechende Ermittlungen in solchen Fällen gegeben hat.

„Es muss Regulierung geben. Dies muss angewendet und vereinbart werden … auf globaler Ebene, denn wenn es eine Lücke im System gibt, wird diese Lücke auch genutzt “, sagte Lagarde.

Was ist dran an der Kritik?

Es stimmt, dass der Krypto-Sektor bisher nur wenig reguliert ist und damit in vielen Fällen die Anwendbarkeit oder ein Investment vor zusätzliche Hürden stellt, vor allem für Firmen, die Produkte und Dienstleistungen in diesem Bereich umsetzen wollen. Daher wäre eine generelle Regulierung, sollte sie fair und den allgemeinen Regeln eines größtenteils freien Marktes entsprechen, äußerst vorteilhaft für Bitcoin und den ganzen Kryptosektor, da es die Adaption und die weitere Entwicklung durch das Entfernen vieler Unsicherheiten massiv voranbringen würde.

Es stimmt auch, dass Bitcoin in der Vergangenheit und immer noch für kriminelle Aktivitäten genutzt wird, da Bitcoin von jedem Land aus und ohne viele technische oder sonstige Hürden versendet und empfangen werden kann.Vor allem bei Online-Erpressungen wird Bitcoin gerne als Mittel der Wahl genommen, um Geld zu kassieren.

Jedoch verschiebt sich die Nutzung von Bitcoin immer mehr hin in den seriösen Finanzsektor, um als Wertspeicher und alternative Anlage genutzt zu werden. Zudem ist die Kritik, dass Bitcoin anonym ist, falsch. Das Bitcoin-System ist pseudonym, heißt, es werden zwar keine Personendaten in irgendeiner Weise hinterlegt, doch es sind sämtliche Transaktionen auf der Blockchain einsehbar. Das heißt, sobald man einmal die Verbindung zwischen dem Besitzer und dem „Public Key“ (man könnte es verständnishalber Kontonummer nennen) einer virtuellen Geldbörse zugeordnet hat, kann man sämtliche seiner Transaktionen einsehen. Damit ist Bitcoin weniger anonym als Bargeld, über welches im Vergleich zudem ein X-faches an illegalen Aktivitäten abgewickelt wird. Eine Bargeld-Abschaffung lehnt die EZB bisher jedoch kategorisch ab.

Dass Institutionen wie die europäische Zentralbank Bitcoin kritisch betrachten, ist naheliegend, denn der Ansatz von Bitcoin ist eine direkte Herausforderung gegen das System staatlicher Währungen. Vereinfacht könnte man sagen, es geht um Dezentralität und Autonomie in einem digitalisierten Finanzsystem versus Zentralität und Kontrolle durch Institutionen im jetzigen Finanzsystem.

Dennoch ist ein direktes Verbot von Bitcoin unwahrscheinlich und technisch sogar unmöglich durchzusetzen. Ein Angriffspunkt wären die Dienstleister, die den Handel und Umtausch von Kryptowährungen gegen staatliches Geld anbieten. Es ist jedoch wahrscheinlicher und für beide Seiten sinnvoller, einen Mittelweg zu finden, durch den staatliche Institutionen von der Innovation und disruptiven Technologie, die hinter der Blockchain steckt, profitieren. Denn vor den massiven Problemen, die das derzeitige Finanzsystem hat, dürfen die Zentralbanken und Regierungen die Augen nicht verschließen. Und das tun sie auch nicht, wie die ersten Ansätze digitaler Versionen von Euro, Yuan und Co. zeigen. Jedoch sollte die Funktionalität von Bitcoin, die sich in den letzten 10 Jahren unter Beweis gestellt hat, nicht unterschätzt werden – auch nicht von Zentralbanken.

Als Anleger sollte man daher die weiteren Entwicklungen in diesem Bereich aufmerksam beobachten, sich jedoch nicht verrückt machen lassen, da ein simples Verbot weder zielführend wäre, noch in nächster Zeit wahrscheinlich ist.

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Von Alexander Mayer

Titelfoto: ImageFlow / Shutterstock.com

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