EZB-Chefvolkswirt: Konjunkturabkühlung „breiter und hartnäckiger als gedacht“ – Zinserhöhung in diesem Jahr wohl vom Tisch

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EZB-Chefvolkswirt: Konjunkturabkühlung „breiter und hartnäckiger als gedacht“ – Zinserhöhung in diesem Jahr wohl vom Tisch

Es ist gut möglich das die deutschen Sparer noch länger in die Röhre schauen als bislang gedacht. Eigentlich hatten die Experten angenommen, dass die EZB in der zweiten Hälfte des laufenden Jahres langsam anfängt die Zinsen zu erhöhen. September oder Oktober wurde als möglicher Zeitpunkt für eine Zinswende in der Eurozone angenommen. Einen solchen Terminplan stellt jetzt EZB-Chefökonom Peter Praet in der „Börsen-Zeitung“ (Dienstagausgabe) deutlich in Frage.

Risiken haben „zuletzt deutlich zugenommen“

Praet bezeichnete die Konjunkturabkühlung im Euroraum als „breiter und hartnäckiger als gedacht“. Die Risiken hätten „zuletzt deutlich zugenommen“. Auf seiner nächsten Sitzung Anfang März werde der EZB-Rat seine Einschätzung erneut auf den Prüfstand stellen.

Was kann die EZB noch machen?

Seit März 2016 liegt der Leitzins in der Eurozone bei 0 Prozent. Trotzdem hat die Europäische Zentralbank laut ihrem Chefvolkswirt mit ihrem bereits lockeren Geld-Kurs noch Möglichkeiten, um auf eine konjunkturelle Schwächephase reagieren können. „Der EZB-Rat wird wenn nötig immer Wege und Mittel finden zu handeln“, sagte Chefökonom Peter Praet der „Börsen-Zeitung“. So könnte die EZB ihren Zinsausblick anpassen und dies durch andere Maßnahmen ergänzen, falls sich die Euro-Wirtschaft stärker abschwächen sollte.

Auch Wertpapierkäufe gehören laut Praet zum Instrumentenkasten. „Das heißt aber nicht, dass sie unter den derzeitigen Umständen die bevorzugte Option sind.“

Draghi wird die Zinsen nicht mehr ehöhen

Aufgrund der schwächeren Konjunktur in der Welt und im Euroraum gehen Fachleute zunehmend davon aus, dass die EZB ihre lockere Geldpolitik länger als bisher geplant durchführen dürfte. Aktuell will sie ihren lockeren Kurs bis mindestens über den Sommer hinaus fortführen. Eine erste Zinsanhebung in diesem Jahr gilt unter Experten aber als immer unwahrscheinlicher, so dass die EZB ihr Zinssignal bald entsprechend anpassen könnte. Auch neue Langfristkredite für die Banken gelten als möglich. Damit dürfte Mario Draghi aus dem Schneider sein. Seine Amtszeit geht im Oktober zu Ende. Bis dahin dürfte der jetzige EZB-Chef nicht mehr an der Zinsschraube drehen. Sein Nachfolger, der noch nicht feststeht, wird bestimmt auch nicht als erste Amtshandlung die Leitzinsen erhöhen. Damit dürfte das Thema Zinserhöhung schon bereits jetzt für dieses Jahr durch sein.

Von Markus Weingran

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