Intel: Wie viel Potenzial haben die Mega-Investmentpläne des Chipriesen?

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Intel: Wie viel Potenzial haben die Mega-Investmentpläne des Chipriesen?

Der Chipriese Intel hat mit der Ankündigung, in Arizona milliardenschwer Kapazitäten auszubauen, einen Nerv getroffen. Die Entscheidung kommt inmitten der globalen Halbleiter-Knappheit, Intel setzt auf einen anhaltenden Boom bei der Nachfrage oder sogar noch auf eine Verstärkung des Trends. Ob die Investitionen am Ende für Intel Früchte tragen, muss sich aber noch zeigen: Nach dem Chefwechsel Mitte Februar liegt die Aufgabe nun beim erfahrenen Tech-Manager Pat Gelsinger. Was sonst noch beim Unternehmen los ist, was die Analysten sagen und wie sich die Aktie entwickelt.

So ist die Lage des Unternehmens

20 Milliarden Dollar will Intel allein für zwei neue Fabriken in Chandler im US-Bundesstaat Arizona in die Hand nehmen. Mit dem Bauvorhaben will der Konzern seine „IDM 2.0.“-Strategie vorantreiben. Langfristig sollen hierdurch bis zu 15 000 Jobs entstehen. Laut Informationen des „Wall Street Journal“ soll die Produktion in Chandler 2024 starten. Doch damit nicht genug: In den nächsten Monaten solle auch der Ausbau der Kapazitäten in Europa angekündigt werden, hieß es von Konzernchef Gelsinger. Intel hat bereits einen großen Standort in Irland.

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Neben dem Ausbau der eigenen Kapazitäten umfasst die neue Unternehmens-Strategie auch die verstärkte Zusammenarbeit mit externen Produktionspartnern. Intel will sich zudem auch umgekehrt als Auftragsfertiger für Firmen wie Nvidia ins Spiel bringen. In diesem Geschäftsfeld hatte sich Intel bereits vor einigen Jahren versucht, die Anstrengungen aber 2018 auf Eis gelegt.

Mikroprozessoren sind aktuell ein international knappes Gut. Wegen des Handelsstreits zwischen den USA und China kaufen zum einen chinesische Hersteller wie Huawei und Xiaomi gerade die Märkte leer. Zum anderen sind auch Hersteller von PCs und Spielekonsolen hinter den Halbleitern her, weil die Corona-Krise ihnen eine Sonderkonjunktur beschert hat, die sie kaum befriedigen können. Die Halbleiter-Engpässe nach dem Nachfrageschub zum Beispiel bei Laptops in der Corona-Krise wurden zuletzt zum Problem unter anderem für die Autobranche. Fehlende Bauteile sorgten für Produktionsunterbrechungen bei mehreren Herstellern.

Doch die praktische Umsetzung machte Intel, dem lange unangefochtenen Marktführer bei Prozessoren für Personalcomputer, im vergangenen Jahr Probleme. So hatte der Konzern mit Rückschlägen und Zeitverzögerungen bei der Einführung von Chips mit Strukturbreiten von 7 Nanometern zu kämpfen. Je niedriger die Strukturbreiten, desto mehr Transistoren passen auf die gleiche Fläche, desto effizienter sind die Chips. Zuletzt betonte Intel jedoch, die Schwierigkeiten bei den hauseigenen Produktionsverfahren seien inzwischen behoben. Die 7-Nanometer-Chips der Firma sollen nun 2023 auf den Markt kommen.

Führende Auftragsfertiger wie TSMC haben den 7-Nanometer-Prozess bereits im Griff. Davon profitierte zuletzt unter anderem der Intel-Konkurrent AMD.

Im abgeschlossenen Jahr 2020 konnte Intel trotz seiner Technikprobleme nochmal mit einem Zuwachs im Geschäft glänzen. Der Konzern profitierte im Zuge der Pandemie, weil etwa die steigende Zahl der Videokonferenzen den Ausbau von Rechenzentren notwendig machte. Auch der sprunghafte Notebook-Absatz ließ das Geschäft mit PC-Prozessoren brummen. Auf Jahressicht stiegen so die Erlöse um 8 Prozent auf knapp 78 Milliarden US-Dollar. Laut dem Unternehmen war dies der fünfte Rekord in Folge. Ergebnisseitig aber hinterließ das Corona-Jahr Spuren in der Bilanz. Zwar gab der Gewinn unter dem Strich im Gesamtjahr nur um ein Prozent auf 20,9 Milliarden Dollar nach, doch das vierte Quartal machte wenig Hoffnung.

Zwischen Oktober und Dezember ging der Nettogewinn um satte 15 Prozent zurück. Neben dem Erlösrückgang, waren dafür laut Intel auch höhere Ausgaben etwa für Forschung und Entwicklung sowie eine gestiegene Steuerbelastung verantwortlich.

Die Prognose für das erste Quartal des laufenden Jahres fiel daher auch verhalten aus: Vor allem das datenzentrierte Geschäft dürfte die Erlöse in den ersten drei Monaten im Jahresvergleich um 6 Prozent auf 18,6 Milliarden Dollar drücken. Der Gewinn je Aktie könnte gar um ein Fünftel auf 1,03 Dollar je Papier zurückgehen. Hierbei wird vom unbereinigten Gewinn je Aktie nach der US-Rechnungslegungsvorschrift GAAP ausgegangen.

Rechnet man den Verkauf von Geschäftsteilen an die südkoreanische SK Hynix aus dem Ausblick heraus, könnte der Rückgang jedoch prozentual leicht niedriger ausfallen. Der südkoreanische Chipspezialist und Apple-Zulieferer legte für die Transaktion 9 Milliarden Dollar auf den Tisch. Noch fehlt jedoch die behördliche Genehmigung, die bis Ende des Jahres erfolgen soll. Bis zum Abschluss der Übernahme wird es aber in jedem Fall noch dauern. Diese ist erst für März 2025 geplant und soll in zwei Schritten erfolgen.

So sehen die Analysten die Aktie

Intels Strategie, massiv in den Ausbau der eigenen Produktions-Kapazitäten zu investieren, hat unter Branchenkennern ein geteiltes Echo hervorgerufen. Experte Stacy Rasgon vom US-Analysehaus Bernstein Research wertete es zwar als positiv, dass der Chip-Hersteller in der Fertigung von 7-Nanometer-Prozessoren vorankomme. Der Konzern profitiere von staatlicher Förderung angesichts der Knappheit an Halbleitern. Intels Profitabilität aber dürfte wegen der angekündigten hohen Investitionen unter Druck geraten. Entsprechend zeigte sich Rasgon enttäuscht über die von Intel prognostizierte Bruttomarge – diese dürfte ebenso wie der freie Barmittelzufluss weiter nachgeben, schätzt der Experte.

Analyst Harlan Sur von der US-Bank JPMorgan kommentierte, der neue Vorstandschef setze bereits Akzente und stecke dem Team ehrgeizige Ziele. Nun gehe es um die Umsetzung der Pläne. Sein Kollege Gokul Hariharan erteilte den Aussichten für die neuen Pläne, als Auftragsfertiger im Halbleiter-Segment Fuß zu fassen, bereits eine behutsame Absage: Dieses Geschäftsfeld sei weltweit nur für eine Firma profitabel, und das sei TSMC. Intel-Chef Gelsinger hatte das Geschäftsmodell des Auftragsfertigers zuvor als lukrativen Teil des Halbleiter-Ökosystems bezeichnet. JPMorgan spricht sich aber weiterhin für einen Kauf der Intel-Aktie aus.

Auch bei der DZ Bank hält man Intel die Treue: Der neue Vorstandsvorsitzende habe ihn mit der neuen Strategie und den neuen Zielen des Chipriesen für dieses Jahr überzeugt, schrieb Analyst Ingo Wermann in einer Studie. Er wertete den „Dreiklang“ aus Stärkung der eigenen Fertigung, teilweiser Auslagerung der Produktion und Einstieg in das Geschäft als Auftragsfertiger positiv. Für die Intel-Papiere sprächen zudem die im Branchenvergleich sehr niedrige Bewertung, steigende Dividenden sowie die umfangreichen Aktienrückkäufe. Wermann hob seine Bewertung daher von „Halten“ auf „Kaufen“ an.

Unter den von der Finanzagentur Bloomberg befragten Analysten sprach sich mit 19 Experten zuletzt die knappe Mehrheit für einen Kauf der Intel-Papiere aus. 16 Intel-Beobachter votierten für ein Halten und 10 für einen Verkauf der Papiere. Das durchschnittliche Kursziel lag bei 68 US-Dollar.

So läuft die Aktie

Die Entwicklung der Aktie in den letzten 12 Monaten dürfte der Intel-Geschäftsführung nicht genügen. Die Aktie gehörte trotz eines Kursanstiegs von knapp 18 Prozent zu den schlechtesten Werten im Dow Jones Industrial und dem Technologieindex Nasdaq 100. Für letzteren war es im selben Zeitraum um fast zwei Drittel nach oben gegangen.

Mit in der Spitze knapp 67,5 Dollar erreichte die Aktie in der vergangenen Woche zwar wieder die Werte wie vor dem Corona-Einbruch. Doch die Ausbaupläne konnten dem Papier zuletzt keinen Schub geben: Bei den Anlegern überwogen wohl die Bedenken – am Tag der Bekanntgabe schloss das Papier im Minus. In der weiteren Branche führte die Hoffnung auf nachhaltig boomende Geschäfte mit Elektronik-Chips jedoch zu steigenden Kursen.

Dabei bedeutete der Corona-Schock für den Kurs des Chipriesen nicht den einzigen Tiefpunkt im vergangenen Jahr. Als Intel im Juli seine Zeitplanung für die Marktreife der 7-Nanometer-Prozessoren nochmals verschob und die Analysten in der Folge ihren Daumen senkten, rauschte der Kurs binnen weniger Handelstage um fast ein Viertel nach unten. Nach dem Bekanntwerden weiterer Verzögerungen im Oktober ging es bis auf 43,63 Dollar runter: Auf in etwa den gleichen Tiefstand war die Aktie bereits im März gefallen.

Mit einer Marktkapitalisierung von rund 260 Milliarden Dollar lässt Intel seinen ärgsten Konkurrenten AMD hinter sich. AMD kam zuletzt auf 92 Milliarden Dollar Marktgewicht.

onvista/dpa-AFX

Titelfoto: StockStudio/ Shutterstock.com

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