Marktausblick Woche 9: Angst vor dem Zinsschock

iShares

Das Update zur Woche mit Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie bei BlackRock






BlackRock Marktausblick 2. März 2021


In der letzten Woche war zu beobachten, wie stark die Kombination aus vielversprechendem Impffortschritt mit der Aussicht auf massiven Stimulus auf die längerfristigen Zinsen wirken kann. In den USA, wo schon gut 20% der Bevölkerung mindestens die Erstimpfung gegen Covid-19 erhalten haben (relativ zur Bevölkerung gut dreimal so viele wie in Deutschland) und wo die Aussicht auf ein gigantisches Stimulusprogramm der Regierung Biden die Konjunktur- und Inflationserwartungen treibt, stiegen die zehnjährigen Staatsanleiherenditen teilweise auf über 1,6%, ihren höchsten Wert seit Ende 2019. Researchberichte von Investmentbanken sprachen von Erinnerungen an das ‚Taper Tantrum‘, den starken Zinsanstieg im Frühjahr 2013, als der damalige Fed-Chef Ben Bernanke erstmals von einer Abschwächung der Anleihekäufe sprach. Nur besteht eben der große Unterschied zur heutigen Situation genau darin, dass die Zentralbanken keine Anzeichen machen, ihre Anleihekäufe zu reduzieren. Im Gegenteil. Fed-Chef Jerome Powell stellte klar, dass er die Zeit für eine Verlangsamung der Liquiditätszufuhr noch nicht für gekommen hält. Und in Europa versicherten EZB-Präsidentin Christine Lagarde sowie mit Isabel Schnabel und Philip Lane zwei weitere Direktoriumsmitglieder in einer geradezu konzertierten Aktion, die EZB werde ihre Anleihekäufe fortführen und falls notwendig sogar ausweiten, um mit lockeren Finanzierungsbedingungen im Euroraum günstige Voraussetzungen für die Erholung der Wirtschaft zu schaffen. Dennoch standen zum Ende letzter Woche die zehnjährigen Staatsanleiherenditen in den USA um 53 Basispunkte höher als zum Jahresende 2020, und in Europa immerhin um 28 Basispunkte. Es ist keineswegs selbstverständlich, dass die Zentralbanken die Mittel haben, sich unerwünschten Zinsanstiegen in jeder gewünschten Größenordnung entgegenzustellen. Bisher allerdings zeigt sich das zu Jahresbeginn von uns erwartete Bild, nämlich eines im Verhältnis zu den Inflationserwartungen eher milden Renditeanstiegs. Die im Ergebnis sogar weiter gesunkenen Realzinsen sprechen somit weiterhin für eine Übergewichtung von Aktien.

Zu einer relativen Vorteilhaftigkeit für Aktien auch aus strategischer Asset Allocation-Perspektive kommen auch die druckfrischen Capital Market Assumptions (CMAs) des BlackRock Investment Institute, die seit letzter Woche erstmals in klimaadjustierter Form vorliegen. Kernaussage dieses neuartigen Einbezugs von Klimaerwägungen in Anlageentscheidungen ist, dass Klimarisiken nicht nur Investitionsrisiken sind (etwa wegen möglicher rechtlicher Folgen oder regulatorischer Verschärfung bei Verfehlung der CO2-Ziele), sondern dass die Möglichkeiten, die sich aus der Klimaherausforderung ergeben, auch erhebliche Investitionschancen ergeben. So dürften viele Sektoren von dem Potenzial profitieren, welches in Bezug auf anstehende Investitionszuflüsse in grüne Technologie besteht. Eine der Schlussfolgerungen hieraus ist etwa, dass Aktien in Industrieländern mehr Rendite versprechen als solche in Schwellenländern, einfach weil begünstigte Sektoren wie Technologie oder Healthcare in Industrielandindizes prominenter vertreten sind.

Eventuell wegweisende Volksabstimmung in der Schweiz

In der Schweiz finden am nächsten Wochenende drei Volksabstimmungen statt. Eine davon, jene über die sogenannte E-ID, also einen digitalen Ausweis zur Identifizierung im Netz, könnte wegweisend für andere europäische Länder sein. Im Kern geht es darum, ob der Staat es Privatunternehmen erlauben soll, solche E-IDs unter Aufsicht selbst auszugeben, oder ob dies staatliche Hoheitsaufgabe bleiben soll. Befürworter des E-ID-Gesetzes verweisen auf die Innovationskraft der Privatanbieter, während die Gegner mit dem Datenschutz argumentieren und Privatfirmen die sichere Handhabung personenbezogener Daten nicht zutrauen. Umfragen etwa von GFS Bern sind zuletzt in Richtung einer Ablehnung des Gesetzes gekippt, mit 54:42 bei nur 4% Unentschiedenen. Sollten sich die Schweizer dafür entscheiden, die digitale Identifikation ausschließlich beim Staat zu belassen, könnte dies Vorbildfunktion für die entsprechende Handhabung auch in anderen Ländern haben. Kurzfristig könnte im Falle einer Ablehnung des Gesetzes durchaus das Wachstumspotenzial onlinebasierter Geschäftsmodelle gedämpft werden. In der längeren Frist könnte allerdings stärkeres Vertrauen in die Datensicherheit sogar eine steigende Zahl von Verbrauchern dazu veranlassen, sich für die Nutzung von Onlinediensten per ID im Netz zu registrieren. Der Widerstreit zwischen der Attraktivität von Dienstleistungen im Netz einerseits und Datensicherheit andererseits dürfte - auch und gerade in Zeiten Covid-bedingter Lockdowns - eine wichtige Determinante für den Megatrend digitaler Services bleiben.

Bleiben Sie auf dem Laufenden!

Erhalten Sie von iShares 1x monatlich: Experteneinschätzungen zum Marktgeschehen, aktuelle Produkttrends und Neues zum Thema ETF-Sparen.Jetzt anmelden



Wichtige Hinweise

Alle Meinungen und Schätzungen in diesem Dokument, einschließlich Renditeprognosen, spiegeln unsere Beurteilung bei Redaktionsschluss wider, können ohne vorherige Ankündigung geändert werden und beruhen auf Annahmen, die sich möglicherweise nicht als zutreffend erweisen.

Risikohinweise

Kapitalrisiko. Der Wert von Anlagen und die daraus erzielten Erträge können sowohl steigen als auch fallen und sind nicht garantiert. Anleger erhalten den ursprünglich angelegten Betrag möglicherweise nicht zurück.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für aktuelle oder zukünftige Ergebnisse und sollte nicht der einzige Faktor sein, der bei der Auswahl eines Produkts oder einer Strategie berücksichtigt wird.

Änderungen der Wechselkurse zwischen Währungen können dazu führen, dass der Wert von Anlagen sinkt oder steigt. Bei Fonds mit höherer Volatilität können die Schwankungen besonders ausgeprägt sein, und der Wert einer Anlage kann plötzlich und erheblich fallen. Steuersätze und die Grundlagen für die Besteuerung können sich von Zeit zu Zeit ändern.

Rechtliche Informationen

Bis zum 31. Dezember 2020 ist der Herausgeber BlackRock Advisors (UK) Limited, ein von der britischen Financial Conduct Authority („FCA“) zugelassenes und beaufsichtigtes Unternehmen. Sitz: 12 Throgmorton Avenue, London, EC2N 2DL, England, Tel. +44 (0)20 7743 3000. Eingetragen in England und Wales unter der Nummer 00796793. Zu Ihrem Schutz werden Telefonate üblicherweise aufgezeichnet. Eine Liste aller Aktivitäten, für die BlackRock zugelassen ist, finden Sie auf der Website der Financial Conduct Authority.

Falls Großbritannien und die Europäische Union keine Vereinbarung abschließen, die es Unternehmen in Großbritannien erlaubt, in den Europäischen Wirtschaftsraum Finanzdienstleistungen zu erbringen, ist der Herausgeber dieser Materialien ab 1. Januar 2021:

(i) BlackRock Investment Management (UK) Limited für alle Länder außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraum und

(ii) BlackRock (Netherlands) B.V. für alle Länder im Europäischen Wirtschaftsraum.

BlackRock (Netherlands) B.V. wurde von der niederländischen Finanzmarktaufsicht zugelassen und wird von ihr beaufsichtigt. Eingetragener Firmensitz: Amstelplein 1, 1096 HA, Amsterdam, Tel.: +31(0)-20-549-5200. Handelsregister Nr. 17068311. Zu Ihrem Schutz werden Telefonate üblicherweise aufgezeichnet.

Alle hier angeführten Analysen wurden von BlackRock erstellt und können nach eigenem Ermessen verwendet werden. Die Resultate dieser Analysen werden nur bei bestimmten Gelegenheiten veröffentlicht. Die geäußerten Ansichten stellen keine Anlageberatung oder Beratung anderer Art dar und können sich ändern. Sie geben nicht unbedingt die Ansichten eines Unternehmens oder eines Teils eines Unternehmens innerhalb der BlackRock-Gruppe wieder, und es wird keinerlei Zusicherung gegeben, dass sie zutreffen.

Dieses Dokument dient nur Informationszwecken. Es stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zur Anlage in einen BlackRock Fonds dar und wurde nicht im Zusammenhang mit einem solchen Angebot erstellt.

© 2021 BlackRock, Inc. Sämtliche Rechte vorbehalten. BLACKROCK, iSHARES, BLACKROCK SOLUTIONS, BAUEN AUF BLACKROCK und WAS ALSO SOLL ICH MIT MEINEM GELD TUN sind Handelsmarken von BlackRock, Inc. oder ihren Niederlassungen in den USA und anderen Ländern. Alle anderen Marken sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber.

News-Archiv

weitere News
Stammdaten
Kontakt
BlackRock Investment Management (UK) Limited
German Branch, München
Lenbachplatz 1
D-80333 München
E-Mail
info@iShares.de
Telefon
+49 69 50500 3199
Internet
https://www.ishares.com/de/