Wirecard: Konzernbilanz wird schon wieder verschoben ++ Lufthansa: Rettungspaket steht, doch es droht Ärger mit der EU ++ Fraport: Zahlen bleiben im Keller

onvista
Wirecard: Konzernbilanz wird schon wieder verschoben ++ Lufthansa: Rettungspaket steht, doch es droht Ärger mit der EU ++ Fraport: Zahlen bleiben im Keller

Es gibt weitere positive Nachrichten aus der Wirtschaft, die die Aktienkurse beflügeln. Der Dax konnte heute mit einem Plus von 0,8 Prozent in den Handel starten und notiert derzeit bei 11.845 Punkten. Auch der Eurostoxx 50 geht mit einem Plus von über einem Prozent in den Handel und überwindet wieder die Marke von 3000 Punkten.

Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren hat sich laut Ifo-Institut nach dem katastrophalen Vormonat wieder verbessert. Die Exporterwartungen der Industrie seien im Mai von minus 50,2 auf minus 26,9 Punkte gestiegen, teilte das Münchener Institut am Dienstag zu seiner Umfrage unter rund 2300 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes mit. Zwar sei dieser starke Anstieg bisher einmalig, doch seien die Unternehmen von Optimismus noch weit entfernt. „Die deutsche Exportwirtschaft sieht immerhin einen Silberstreif am Horizont“, erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

In fast allen Bereichen werde zwar weiterhin mit einem Rückgang der Ausfuhren gerechnet. Dieser falle aber weniger stark aus als im Vormonat erwartet. In allen Schlüsselbranchen sind laut Ifo die Exporterwartungen gestiegen, allen voran in der Autobranche. Auch in der Elektrobranche sind die Unternehmen weniger pessimistisch. Im Maschinenbau sowie in der Metallerzeugung und -verarbeitung dagegen überwiegt trotz Verbesserung die Skepsis.

Knock-Outs zum DAX

Kurserwartung
DAX-Index wird steigen
DAX-Index wird fallen
Höhe des Hebels
Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie hier. Beachten Sie auch die weiteren Hinweise zu dieser Werbung.

Auch das Konsumklima kann sich ein wenig erholen. Für Juni sagen die GfK-Marktforscher einen Anstieg ihres Barometers um 4,2 auf minus 18,9 Punkte voraus. Zuletzt war das Konsumklima noch auf ein Rekordtief eingebrochen. „Die Verbraucher in Deutschland erholen sich im Mai ein wenig vom Schock, der durch die Covid-19-Pandemie ausgelöst wurde“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl am Dienstag. Die schrittweise Öffnung vieler Geschäfte habe sicher dazu beigetragen, dass die Konsumneigung keine weiteren Einbußen hinnehmen müsse und sogar etwas zulegen könne. „Dennoch ist die Verunsicherung unter den Konsumenten groß.“

Corona-Hilfspaket für Lufthansa steht – Konflikt mit EU?

Neun Milliarden Euro als Hilfe, aber auch klare Auflagen bei Umwelt, Dividenden und Vorstands-Boni: Das staatliche Hilfspaket für die Lufthansa steht, wie Bundesregierung und Unternehmen am Montag mitteilten. Allerdings muss die EU-Kommission noch zustimmen, ebenso der Aufsichtsrat der Lufthansa und die Hauptversammlung. Das Paket sieht verschiedene Hilfen und Eigenkapitalmaßnahmen in Höhe von neun Milliarden Euro vor.

Bei den angepeilten Staatshilfen bahnt sich ein offener Konflikt zwischen Bundesregierung und EU-Kommission an. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte im CDU-Präsidium einen „harten Kampf“ an, weil Brüssel die milliardenschwere Rettung nur unter hohen Auflagen genehmigen wolle.

Laut einem Bericht des „Handelsblatts“ plant die Kommission, der Lufthansa aus wettbewerbsrechtlichen Erwägungen wertvolle Start- und Landerechte an den Hauptstandorten Frankfurt und München zu nehmen. Teilnehmer der CDU-Schalte bestätigten am Montag Merkels entschlossenes Auftreten. Die Kanzlerin habe gesagt, sie wolle sich von der EU-Kommission nicht „zu sehr“ hereinreden lassen. Nach den Worten von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sind noch einige Fragen mit der EU-Kommission zu klären. Es sei ganz wesentlich, dass die Lufthansa am Standort Deutschland weiterhin ihre erfolgreiche Arbeit im bisherigen Umfang fortsetzen könne.

Der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) hatte am Montag dem Paket zugestimmt. Die Bundesregierung hatte diesen Fonds eingerichtet, um sich im Notfall an großen und wichtigen Unternehmen beteiligen zu können. Die Lufthansa teilte in einer Pflichtmitteilung an die Börse mit, auch der Vorstand befürworte das Paket.

Der Fonds soll stille Einlagen von insgesamt bis zu 5,7 Milliarden Euro in das Vermögen der Deutsche Lufthansa AG leisten. Vorgesehen ist dafür eine ansteigende Verzinsung von anfangs 4 Prozent bis auf 9,5 Prozent. Außerdem werde der WSF im Wege einer Kapitalerhöhung Aktien zeichnen, um eine Beteiligung von 20 Prozent am Grundkapital der Lufthansa aufzubauen. Der WSF könne außerdem seinen Anteil am Grundkapital auf 25 Prozent plus eine Aktie erhöhen – damit könne eine feindliche Übernahme abgewehrt werden.

Geplant ist außerdem ein Kredit in Höhe von bis zu 3 Milliarden Euro unter Beteiligung der Staatsbank KfW und privater Banken mit einer Laufzeit von drei Jahren. Es soll laut Mitteilungen Auflagen geben, etwa einen Verzicht auf künftige Dividendenzahlungen und Beschränkungen der Managementvergütung. Außerdem verpflichtet sich der Konzern, seine Flotte mit verbrauchsgünstigeren Flugzeugen zu erneuern. Im Aufsichtsrat sollen zwei Sitze in Abstimmung mit der Bundesregierung mit Experten besetzt werden. Auf künftigen Hauptversammlungen soll sich der WSF allerdings der Stimme enthalten.

Der Bund will nach der Corona-Krise erst dann wieder bei der Lufthansa aussteigen, wenn es sich auch wirtschaftlich lohnt. Der Zeitpunkt hänge von der Lage und dem Geschick der Unternehmens ab, sagte Finanzminister Olaf Scholz (SPD). Ziel sei mindestens ein kleiner Gewinn, der dem Staat auch helfen solle, die Corona-Hilfsmaßnahmen zu refinanzieren. „Wenn das Unternehmen wieder flott ist, dann wird der Staat seine Anteile veräußern“, kündigte Scholz an.

Fraport: Fluggastzahlen am Frankfurter Flughafen bleiben im Keller

Die Passagierzahlen an dem von der Corona-Krise gebeutelten Frankfurter Flughafen haben sich auch in der vergangenen Woche nur minimal aus dem Keller bewegt. Vom 18. bis 24. Mai zählte der Flughafenbetreiber Fraport an Deutschlands größtem Airport nur 65 659 Fluggäste und damit 95,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie der MDax-Konzern am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Das waren nur knapp 5400 Passagiere mehr als in der Woche zuvor, als der Rückgang im Jahresvergleich 95,7 Prozent betragen hatte.

Das Aufkommen an Fracht und Luftpost sank im Vergleich zur entsprechenden Woche des Vorjahres um 17,4 Prozent auf 36 345 Tonnen. Die Zahl der Flugbewegungen ging um 83,0 Prozent auf 1776 Starts und Landungen zurück.

Wirecard verschiebt Vorlage der Konzernbilanz

Schon wieder Ärger gibt es bei Wirecard: Der Zahlungsdienstleister aus Ashheim hat erneut die Vorlage der testierten Zahlen für 2019 verschoben. Die Veröffentlichung soll nun am 18. Juni statt wie zuletzt geplant am 4. Juni erfolgen, wie das Unternehmen am späten Montagabend in Aschheim mitteilte. Auch die Hauptversammlung soll später als bisher geplant über die Bühne gehen. Nach wie vor konnte der reguläre Wirtschaftsprüfer Ernst & Young nicht alle Prüfungshandlungen abschließen. Das Unternehmen erwartet aber weiter ein uneingeschränktes Testat und keine wesentlichen Abweichungen zu den bereits veröffentlichten vorläufigen Zahlen.

Wegen der Zweifel an den Geschäftspraktiken des Zahlungsdienstleisters hatte Wirecard eine Sonderprüfung der Bücher für die Jahre 2016 bis 2018 durch KPMG veranlasst. Der Ende April veröffentlichte Bericht des Wirtschaftsprüfers konnte dabei nicht alle Zweifel ausräumen. Auch wenn die eigens beauftragten Prüfer bisher nicht den sprichwörtlichen „rauchenden Colt“ bei den Aschheimern finden konnten – Bedenken blieben. So konnte KPMG unter anderem einige kritische Daten nicht einsehen, in einem wichtigen Teilaspekt der Prüfung konnten sich die Prüfer daher gar nicht zu einem Urteil durchringen.

Finanzchef Alexander von Knoop bedauerte die abermalige Verschiebung der testierten Bilanz für das vergangene Jahr. „Die erneute Verzögerung bei der Vorlage eines testierten Abschlusses ist mehr als ärgerlich – mit oder ohne Covid-19. Ich gehe davon aus, dass sich keine wesentlichen Abweichungen dieses sehr intensiv geprüften Abschlusses gegenüber den gemeldeten vorläufigen Zahlen ergeben.“ Immerhin habe Ernst & Young Wirecard darüber informiert, dass zwischenzeitlich alle ausländischen Prüfer grundsätzlich ihre Prüfungshandlungen für Konzernzwecke finalisieren konnten.

Im Rahmen der abgeschlossenen Teile der Prüfungshandlungen wurden Wirecard bisher keine wesentlichen Feststellungen bekannt gemacht, hieß es weiter. Diese oder eine ähnliche Formulierung wählte Wirecard schon des öfteren, wenn hinterher dennoch handfeste Fragen offen blieben oder sogar kleinere Buchungen korrigiert werden mussten wie bei einer Tochter in Singapur. Bis zum 18. Juni sollen alle Prüfungshandlungen abgeschlossen sein. Dann will Wirecard den Abschluss vorlegen und bei der Bilanzpressekonferenz vorstellen – dies hatte das Unternehmen ursprünglich bereits Ende April vorgehabt, dann aber wegen der Probleme bei der Bilanzierung verschoben.

Aktienumstufungen und Quartalszahlen

Eine von der Berenberg Bank gestrichene Kaufempfehlung könnte die Aktien des Internethändlers Zooplus bewegen, ein gestrichenes Kaufvotum der Citigroup die Titel des Autobauers BMW. Zudem setzte Goldman Sachs die Aktien von RWE auf die „Conviction Buy List“.

Quartalszahlen gab es am Vorabend nach Börsenschluss vom Wind- und Solarparkbetreiber Encavis, dessen Aktien nun vorbörslich auf Tradegate zum Xetra-Schluss vorrückten.

onvista/dpa-AFX/reuters

Titelfoto: Anton Garin / Shutterstock.com

Testsieger onvista bank: Kostenlose Depotführung, nur 5,- € Orderprovision und komfortables Webtrading! Mehr erfahren > > (Anzeige)

Das könnte Sie auch interessieren

Kurs zu CITIGROUP-INDIKATION DAX Index

  • 12.565,50 Pkt.
  • -0,25%
09.07.2020, 21:59, Citi Indikation
Weitere onvista-News
alle Artikel anzeigen

Zugehörige Derivate auf DAX (184.709)

Derivate-Wissen

Mit Kapitalschutz in den "DAX" investieren?

Mit Garantiezertifikaten können Sie ohne Kursrisiko in den "DAX" investieren.

Erfahren Sie mehr zu Garantie-Zertifikaten