onvista-Börsenfuchs: Wie wär’s mit ein bisschen Mut?

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Hallo Leute! Die Nachrichtenlage am Ende des ersten Vierteljahrs ist zum Kotzen. Ein paar Analysten versuchen noch das Beste draus zu machen – mit Erfolg. Denn in den vergangenen Tagen haben sich leise Hoffnungen am Markt durchsetzen können. Die Aktienkurse entwickelten sich – wenn auch unter krassen Schwankungen – viel besser als ihr Umfeld. Nee, ich traue dem russischen Braten immer noch nicht. Friedensverhandlungen? Das wäre zu schön, um jetzt schon wahr zu werden. Und aus der Wirtschaft häuft sich nur Mist, von einzelnen florierenden Unternehmen abgesehen).

Der marktbreite europäische Aktienindex Stoxx 600 hat gestern sein schlechtestes Quartal seit 2020 abgeschlossen, als der Ausbruch des Corona-Virus die Börsen auf Talfahrt schickte. Seit Jahresbeginn hat er knapp 7 Prozent verloren und sich damit bereits deutlich vom Jahrestiefstand bei -17 Prozent erholt. Das könnte man wenigstens als Hoffnungsschimmer sehen. Aber höchstens ein Schimmer, denn die dunklen Wolken durch den Inflationsschock versauen die Perspektive. Angetrieben von massiv gestiegenen Energiepreisen infolge des Ukraine-Kriegs markiert die Teuerung im Euroraum ein neues Rekordhoch. Dienstleistungen und Waren kosteten im März durchschnittlich 7,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor – bei uns war es eine Steigerung um 7,3 Prozent. Von Reuters befragte Experten hatten für Europa „lediglich“ mit einem Wert von 6,6 Prozent gerechnet nach 5,9 Prozent im Februar, meldet die Agentur. Die Inflation ist nunmehr meilenweit über das Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) hinausgeschossen, die eine Rate von 2,0 Prozent als optimalen Wert für die Wirtschaft anpeilt.

Was auch weh tut: Der Materialmangel in der deutschen Industrie hat sich verschärft. 80,2 Prozent der Firmen klagten im März über Engpässe und Probleme bei der Beschaffung von Vorprodukten und Rohstoffen. Im Februar waren es 74,6 Prozent. Dies geht aus einer Umfrage des Ifo-Instituts hervor. Die Attacke auf die Ukraine hat die Lage für viele Unternehmen nochmals verschlechtert. Zu den bestehenden sind nun neue Probleme in den Lieferketten hinzugekommen. 17 Prozent der Industriefirmen importieren zum Beispiel aus Russland.

Wie kann man da optimistisch sein!? Eine (wichtige) Erklärung liefert die Erkenntnis, dass Aktien einen Inflationsschutz bieten – vor allem, wenn es gestern wie heute an attraktiven Anlagealternativen mangelt. Zudem ist absehbar, dass selbst durch eine geldpolitische Wende der Notenbanken die Realzinsen im Minus bleiben werden. Und der April gilt als guter Aktienmonat. Die Mutigen und Ungeduldigen unter Euch, meine Freunde, erinnere ich deshalb an meine „Bisschen-Taktik“: Mit einem (kleinen) Teil der verfügbaren Kohle trotz allem jetzt auf ausgesuchte Aktien zu setzen, um für den Fall weiterer Kurserholung dabei zu sein

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