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Bitcoin: Zwei Entscheidungen zu BTC-Spot-ETFs stehen an - ein Grayscale-Spot-ETF könnte jedoch kurzfristig für eine heftige Preiskorrektur sorgen

onvista · Uhr
Quelle: tungtaechit/Shutterstock.com

Am heutigen Mittwoch (29.6.2022) und am darauffolgenden Mittwoch (6.7.2022) stehen zwei wichtige Termine für den Krypto-Sektor an, denn die finalen Entscheidungsfristen für zwei verschiedene Bitcoin-Spot-ETF-Anträge an die US-Börsenaufsicht SEC stehen an. Sowohl der Bitwise Bitcoin ETP Trust (Entscheidung heute) als auch der Grayscale Bitcoin Trust (GBTC) warten auf ihre Genehmigung, nachdem die SEC die Entscheidung bereits mehrfach verschoben hatte.

Der Konsens unter den meisten Marktexperten herrscht, dass eine Genehmigung eines Bitcoin-Spot-ETFs weiterhin sehr unwahrscheinlich bleibt, da es bisher keinen von der SEC regulierten Markt von relevanter Größe gibt und die Aufsichtsbehörde somit keine direkte Aufsicht über einen ausreichenden Teil des Handels mit dem Asset haben kann und eventuelle Marktmanipulationen entsprechend nicht untersuchen bzw. bestrafen könnte.

„Die SEC genehmigt einen Spot-Bitcoin-ETF erst, wenn ein ‚Markt von beträchtlicher Größe‘ Vereinbarungen zur gemeinsamen Nutzung von Überwachungen hat oder von SEC oder CFTC reguliert wird“, so die Einschätzung des Bloomberg Intelligence-Analysten und ETF-Markt-Spezialisten James Seyffart. Daher werde die SEC keinen Spot-Bitcoin-ETF genehmigen, bis eine „Spot-Bitcoin-Börse oder wahrscheinlich mehrere Spot-Bitcoin-Börsen in den Zuständigkeitsbereich der SEC und/oder CFTC fallen“, sagte er. Die US-Handelsplattform Coinbase wäre einer der besten Kandidaten dafür.

Ein weiteres Hemmnis könnte die derzeitige Lage im Krypto-Sektor sein, da diverse zentralisierte Anbieter von DeFi-Lending-Angeboten in der Klemme stecken. Der Zusammenbruch des Terra Luna Stablecoins UST, sowie die Liquiditätsschwierigkeiten von Celsius und weiteren Plattformen dieser Art könnte der SEC einen zusätzlichen Grund geben, die Markteinführung eines Bitcoin-Spot-ETFs weiter zu verzögern.

Was würde eine Zulassung für den Markt bedeuten?

Langfristig wäre eine Zulassung für einen Bitcoin-Spot-ETF sehr positiv für die Kryptowährung, da ein Spot-ETF – anders als die bisher zugelassenen Futures-ETFs, die den Preis mittels Derivaten abbilden – direkt mit dem zugrundeliegenden Asset gedeckt sein muss. Bei einer entsprechenden Nachfrage würde das dem Preis von Bitcoin enormen Auftrieb geben. Ein Spot-ETF ist ein auf regulatorischer wie technischer Ebene einfach zu handhabendes Finanzprodukt, welches vielen Investoren, die derzeit nicht die Möglichkeit haben, in Bitcoin zu investieren, den Weg in das Asset freimachen würde.

Kurzfristig hätte vor allem die Zulassung für den Anbieter Grayscale jedoch unvorhersehbare Auswirkungen.

Die besondere Situation des Grayscale Bitcoin Trust

Der Grayscale Bitcoin Trust ist ein geschlossener Trust, der für institutionelle Investoren angeboten wird, die gewisse Voraussetzungen erfüllen. Die minimal investierbare Menge beträgt 50.000 US-Dollar. Investoren können GBTC-Anteile mit Dollar oder Bitcoin erwerben. Nach einer Lock-Up-Periode von sechs Monaten können die Shares am Sekundärmarkt über den Nasdaq-OTC-Handel verkauft werden. Die Ausgabegebühren für die GBTC-Anteile betragen jährlich 2 Prozent.

Generell bieten Trusts die Möglichkeit, dass Anleger ihre Anteile an den Trust zum Preis der Net Asset Value, also dem Preis des darunterliegenden Assets zurückverkaufen können. Grayscale bietet derzeit jedoch kein Einlösungsprogramm an, hat dies jedoch in der Vergangenheit angeboten. Das Unternehmen musste den Service im Jahr 2016 stoppen, nachdem die SEC wegen Verstoßes gegen die sogenannte „Regulation M“ geklagt hatte, die Grayscale daran hindert, Aktien zurückzukaufen, während es gleichzeitig Aktien durch Privatplatzierungen anbietet.

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Aufgrund der Lock-Up-Periode und der nicht mehr vorhandenen Möglichkeit für Investoren, ihre Anteile direkt an den Trust wieder zu verkaufen, können die GBTC-Shares den Preis der dahinterliegenden Bitcoins nicht genau abbilden. Im Zuge des Bullenmarktes, der im September 2020 gestartet ist, ist die Nachfrage nach den GBTC-Shares auf dem Sekundärmarkt extrem gestiegen und hat aufgrund des zu geringen Angebots zu einem Premium geführt, heißt, die GBTC-Anteile wurden über dem Wert des eigentlichen Net Asset Value gehandelt. Im Peak hat das Premium, zu dem die Anteile gehandelt wurden, knapp über 40 Prozent betragen.

Im Zuge des Markteinbruchs ab März 2021, der durch das Mining-Verbot in China ausgelöst wurde, hat sich das Premium jedoch in einen Discount gedreht und seitdem werden die GBTC-Shares am Sekundärmarkt mit einem deutlichen Abschlag zum tatsächlichen dahinterliegenden Net Asset Value gehandelt. Das Angebot übersteigt die Nachfrage deutlich, da der Bärenmarkt derzeit nur wenig neue Interessenten anlockt. Der Discount der GBTC-Anteile beträgt derzeit knapp 30 Prozent.

Durch direkte Rückverkäufe der Anteile an den Trust seitens der akkreditierten Investoren könnte der bestehende Discount weg arbitragiert werden, doch Grayscale hat wenig Interesse daran, den Discount auf diese Weise aufzulösen, da dies das verwaltete Kapital und damit auch die Einnahmen durch die 2 Prozent Gebühren, die jedes Jahr einfallen, senken würde.

Umwandlung in einen ETF würde den Weg für Arbitrage-Effekt frei machen

Im Falle einer Zulassung eines Spot-ETFs für Grayscale würde der Trust in einen solchen umgewandelt und die GBTC-Shares damit frei handelbar für den breiten Markt werden. Das würde die Möglichkeit des Arbitrages-Handels eröffnen. Investoren hätten einen großen Anreiz, die discountierten GBTC-Anteile zu erwerben, die praktisch Bitcoin-Anteile mit einem derzeit gegebenen Rabatt von knapp 30 Prozent gewähren, und könnten gleichzeitig Bitcoin verkaufen und aus der Differenz einen fast risikofreien Gewinn erzielen.

Das würde jedoch deutlichen Druck auf den Bitcoin-Preis erzeugen, da Bitcoin in diesem Fall netto abverkauft würde und lediglich Zuflüsse in die GBTC-Anteile generiert würden, um den bestehenden Discount auszugleichen. Das verwaltete Kapital von Grayscale beläuft sich derzeit auf etwa 13 Milliarden Dollar, der Marktwert der Shares beläuft sich aufgrund des Discounts jedoch lediglich auf insgesamt 9 Milliarden Dollar.

Ob die Euphorie ob der Einführung eines Bitcoin-Spot-ETFs kurzfristig für genug neue Nachfrage sorgen würde, um diesen Effekt aufzufangen, ist fraglich, da die Marktlage derzeit äußerst pessimistisch ist und wenig kurzfristige Nachfrage neuer Investoren besteht. Langfristig hätte die Einführung eines Bitcoin-Spot-ETFs aufgrund der weiteren Adaption, der besseren Zugänglichkeit und des „Werbe-Effekts“ für die Assetklasse natürlich trotzdem einen positiven Effekt.

Wie sollte man als Anleger damit umgehen?

Man sollte den derzeitigen Discount für GBTC-Anteile im Auge behalten, da es wie beschrieben kurzfristig einen negativen Effekt auf den Bitcoin-Preis haben könnte, sollte eine Spot-ETF-Zulassung wirklich kommen. Jedoch ist es unwahrscheinlich, dass die Zulassung im Zuge der beiden Termine am 29.6.2022 für Bitwise und am 6.7.2022 für Grayscale wirklich kommen wird.

Als normaler Anleger wäre es ohnehin schwierig, sich diesen Arbitrage-Effekt zunutze zu machen, da die GBTC-Anteile lediglich über den Nasdaq-OTC-Handel getradet werden. Dazu kommen steuerliche Aspekte. Sollte man Bitcoin weniger als ein Jahr halten und den Trade machen wollen, müsste man eventuelle Gewinne im Zuge der Veräußerung von Bitcoin versteuern. Zudem hätte man mit dem Halten von potenziellen GBTC-ETF-Anteilen nicht mehr die Vorteile, die ein Besitz von physischen Bitcoin-Einheiten bringt. Wollte man den Arbitrage-Effekt nutzen, jedoch trotzdem die Vorteile von Bitcoin weiterhin nutzen wollen, müsste man diese wiederum in Bitcoin umtauschen, was auch wieder steuerlich relevant werden und die Gewinne schmälern dürfte.

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