Werbung

Heiko Böhmer: Nach dem Absturz - so geht es weiter an den Börsen im zweiten Halbjahr

Heiko Böhmer · Uhr
Quelle: fizkes/SHutterstock.com

Nach dem Absturz: So geht es weiter an den Börsen im zweiten Halbjahr Nach dem Rekordjahr 2021 sind die Börsen im ersten Halbjahr 2022 deutlich abgestürzt. Dabei beschränken sich die Verluste nicht nur auf Aktien. Ob Anleihen oder auch Kryptowährungen: 2022 kennt zur Jahresmitte fast nur Verlierer. Warum wir dennoch optimistisch für die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten sind, erfahren Sie in der aktuellen Kolumne. Die Lage an den Finanzmärkten ist angespannt. Mit Ausnahme einiger ausgewählter Energie-Rohstoffe dominieren doch die Verluste beim Blick auf die Bilanz zum ersten Halbjahr. Das zeigt auch die Wertentwicklung maßgeblicher Indizes:

  • DAX -17 Prozent 
  • S&P 500 -18 Prozent 
  • Euro Stoxx 50 -18 Prozent

Charts zu den Werten im Artikel

Erst der der Blick auf bekannte Einzeltitel zeigt die massiven Verluste. Dabei sind die Gewinner des Vorjahres zuletzt besonders hart getroffen worden. Hier drei bekannte Aktien, die das klar aufzeigen:

  • Tesla -38 Prozent 
  •  Peloton -68 Prozent 
  •  Zalando -65 Prozent

Keine Frage: Das sind selbst im historischen Maßstab massive Verwerfungen für einen so kurzen Zeitraum. Verstärkt wird dies auch noch durch einen Kalendereffekt: Gerade zum Jahreswechsel standen viele Indizes und auch die Kurse einzelner Aktien in der Nähe der Rekorde. Nur zur Verdeutlichung: Die 6-Monatsbilanz zwischen Anfang Dezember und Ende Mai sieht deutlich positiver aus: Da lag der Verlust beispielsweise beim wichtigen S&P 500-Index nur bei 8,4 Prozent.

Die Stichtagsbetrachtung zum Jahreswechsel hat hier klar eine massive Verschiebung gebracht. Das gleiche gilt im Übrigen auch im Hinblick auf das herausragende Börsenjahr 2021: Wäre das Jahr erst am 31. Januar 2022 zu Ende gegangen, wäre der Zuwachs mit 19 Prozent im S&P 500 deutlich geringer ausgefallen als der im Kalenderjahr 2021 erzielte Indexanstieg von fast 27 Prozent. Wie gesagt: Hier sind die Werte nur um einen Monat jeweils verschoben worden.

2022 – zu viele Belastungsfaktoren sorgen für Börseneinbruch

Werbung

Dennoch hat 2022 schlicht und einfach zu viele Belastungsfaktoren für die Märkte gebracht, um hier einen weiteren Aufschwung zu erleben. Als neben den bekannten Faktoren, wie der massiv gestiegenen Inflation, auch noch der Ukraine-Konflikt eskalierte, da legten viele Märkten den Rückwärtsgang ein. Doch speziell der Juni hat hier einiges an Klarheit gebracht. So schauen wir regelmäßig auf die Marktstimmung zur Beurteilung der weiteren Entwicklung an den Börsen. Und genau dieser Blick stimmt uns zuversichtlich.

Zunächst ist der Blick auf die Stimmungsindikatoren ernüchternd. Erst vor wenigen Tagen sackte beispielsweise die Stimmung der US-Privatinvestoren weiter ab. Mit einem Indexwert von 28,1 Punkten notiert dieser wichtige Indikator somit auf dem niedrigsten Stand seit der globalen Finanzkrise 2008. Die Stimmung der Privatinvestoren ist derzeit sogar schlechter als zum Corona-Tief im März 2020.

Aber wenn die Stimmung besonders schlecht ist, dann ist es oft bis zur Trendwende nicht zu weit. So gibt es Jahre mit einer besonders schlechten Wertentwicklung im ersten Halbjahr, in denen die Märkte dann im zweiten Halbjahr doch einiges von den Verlusten wieder aufholen konnten.

Wie stark diese Verlustbegrenzung tatsächlich war, zeigt die folgende Tabelle. Hier dient ebenfalls wieder der S&P 500-Index als Basis. Selbst im Katastrophenjahr 1932, mitten in der Weltwirtschaftskrise, schaffte der Index nach einem Absturz um mehr als 43 Prozent im ersten Halbjahr dann noch einen Anstieg um annähernd 50 Prozent im zweiten Halbjahr. Auch in anderen Jahren mit massiven Verlusten von mehr als 20 Prozent, wie 1962 oder 1970, legte der S&P 500-Index dann in der zweiten Jahreshälfte im Durchschnitt noch um rund 15 Prozent zu – und dabei ist der positive Ausreißer 1932 noch nicht mit eingerechnet.

Die Geschichte stimmt hoffnungsvoll für das zweite Halbjahr

Quelle: Heiko Böhmer

Der Blick zurück zeigt also eins ganz deutlich: Die Vorzeichen für das zweite Halbjahr sind gar nicht so schlecht. Wir werden dabei auch unserer Strategie treu bleiben, die im ersten Halbjahr gut funktioniert hat. Wir wollen in schwachen Marktphasen deutlich stabiler bleiben als der Gesamtmarkt und hier die Vorteile der aktiven Aktienselektion genauso ausspielen, wie die Vorteile der aktiven Aktienquoten-Steuerung. Beide Aspekte sind gerade in solchen Marktphasen wie derzeit extrem wichtig, um Depots gegen massive Verluste abzusichern. Gleichwohl sind wir flexibel aufgestellt. So sind wir derzeit in unseren Mandaten wieder überdurchschnittlich investiert, denn nach dem massiven Abverkauf der letzten Wochen winkt zumindest auf Sicht der kommenden Wochen eine technische Gegenreaktion.

Meistgelesene Artikel

Werbung