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Dax-ETF? Nein, danke

onvista · Uhr (aktualisiert: Uhr)
Quelle: iQoncept/Shutterstock.com

Auf meiner alten Arbeit kam eine Kollegin zu mir. Sie wollte Geld an der Börse investieren und fragte mich nach einer sicheren Anlage. Ich klärte sie über den MSCI World auf. Seitdem gibt es eine ETF-Anlegerin auf den MSCI World mehr. Aber einen ETF habe ich ihr bewusst nicht empfohlen: einen Dax-ETF.

Ich möche aber betonen: Das hier ist meine persönliche Meinung.

Der Dax ist bei vielen deutschen Anlegern beliebt: Sie hören von ihm in den Nachrichten und die Produkte der Dax-Unternehmen sind im Alltag präsent. Wir schützen uns mit Sonnencreme von Nivea vor UV-Strahlen, tragen Sneakers von Adidas und Puma, nehmen Medikamente von Bayer und bestellen unser Outfit bei Zalando.

Und dann noch diese Performance: Am 3.8.2012 lag der Dax bei 6.856 Punkten und genau zehn Jahre später bei 13.800. Das ist eine Steigerung von fast 100 Prozent! Dennoch empfehle ich eine Investition in den Dax nur sehr ungerne. Der Grund: Der Dax ist ein Performance-Index. Und das verzerrt die Sicht.

Performance-Index: Allein auf weiter Flur

Der Dax ist ein Performance-Index und damit einzigartig auf der Welt. Bei der Berechnung des aktuellen Kurses fließen alle Dividenden und Bezugserlöse der Unternehmen mit ein. Dieser Index geht davon aus, dass Anleger die Ausschüttungen sofort wieder investieren. Der Ex-Dividende-Tag hat auf den Kurs des Performance-Index keinen Einfluss. Beim Kursindex zählt dagegen nur der aktuelle Kurs der enthaltenen Aktien. Ausschüttungen werden hier nicht wieder neu angelegt, so dass der Kurs sinkt, wenn Unternehmen ihre Dividenden ausschütten.

Deutsche Bank: Mit einem Vielfachen ihres Kurses im Dax vertreten

Die Deutsche Bank ist ein Gründungsmitglied des Dax und ununterbrochen seit dem 1. Juli 1988 dabei. Während dieser Zeit hat sie jedes Jahr Dividenden ausgezahlt und acht Kapitalerhöhungen vollzogen, die letzte 2017. Jede Dividende und jeder Erlös aus dem Bezugsrecht fließen noch heute in den Kurs mit ein.

Ein Beispiel: Die Deutsche Bank schüttete ihre höchste Dividende von 4,50 Euro am 30. Mai 2008 aus. Nur zum Vergleich: Das ist knapp die Hälfte des heutigen Kurses von 9,02 Euro (Stand: 15.08.2022).

Für mich ist das ein verzerrtes Bild, das so entsteht: Heutige Anleger interessieren sich nicht für Dividenden, die vor 15 Jahren ausgeschüttet wurden oder welche Erlöse aus einem Bezugsrecht 1989 hätten erzielt werden können. Für viele Anleger ist die Performance der vergangenen Jahre jedoch ein entscheidendes Kriterium – und genau hier verzerrt der Dax.

Nicht von Performance-Index blenden lassen

Am 7. März 2000 erreichte der Dax seinen damaligen Höchststand mit 8.064 Punkten. Dann platzte die Dotcom-Blase und es ging steil bergab. Den jetzigen Höchststand erreichte der Dax am 5. Januar 2022 mit 16.271 Punkten. Ein Plus von 8.207 Punkten.

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Ein Blick auf den Kurs-Dax für denselben Zeitraum ernüchtert: 6.266 (2000) und 6.873 (2022). Gerade mal ein Plus von 607 Punkten.

Heute (Stand: 15. August 2022) liegt der Performance-Dax bei 13.807 und der Kurs-Dax bei 5.649. Gemessen am Jahr 2000: Der Performance-Dax hat ein dickes Plus, während der Kurs-Dax sogar im Minus liegt.

Welcher nationale Index performt

Um fair zu sein: Beim französischen CAC 40 sieht es nicht besser aus. Er hatte am 3. März 2000 einen Stand von 6.514 Punkten, am 15. August 2022 von 6.564 Punkten. Ein Mini-Plus von 50 Punkten innerhalb von 22 Jahren!

Daher habe ich nationale Kursindizes gesucht, die besser performen als der Kurs-Dax - und ich wurde fündig.

Wer eine Anlage mit einem ETF sucht und sich an einem nationalen Index orientieren möchte, dem sei der breitaufgestellte US-Index S&P 500 empfohlen. Er ist sehr breit aufgestellt und umfasst die 500 größten Aktien der USA. Er überschritt am 22. März 2000 die Marke von 1.500 Punkten und liegt am 15. August 2022 bei 4.280 Punkten – und das alles ohne Dividenden. Wer die Dividenden (zumindest teilweise) wiederanlegte, der liegt heute bei einem noch höheren Plus. Und wer die Ausschüttungen woanders investiert hat, hat sein Portfolio breiter aufgestellt.

Wer allerdings in Europa bleiben möchte, der kann sich den SLI („Swiss Leader Index“) anschauen; er umfasst die 30 liquidesten und größten Titel des Schweizer Aktienmarktes. Auch hier kann sich das Ergebnis sehen lassen: innerhalb von fünf Jahren ein Plus von 20,94 Prozent, im Vergleich zum Kurs-Dax, der ein Minus von 2,45 Prozent aufweist.

Letztendlich entscheidet aber immer die Performance - und wenn es beim Performance-Index gut läuft, spricht grundsätzlich nichts dagegegen, in einen entsprechenden ETF zu investieren. Mein Problem: Hier profitiere ich nur von den Ausschüttungen und Bezugserlösen und weniger von den Kurssteigerungen. Bei anderen Indizes - wie beim amerikanischen S&P 500 oder beim Schweizer SLI - profitiere ich als Anleger jedoch sowohl von den Ausschüttungen als auch von den Kurssteigerungen. Und natürlich gibt es hier auch thesaurierende ETFs, die die Dividenden automatisch wiederanlegen.

Doppelt profitieren: Kurssteigerungen und Dividenden

Der S&P 500 und der SLI haben für Anleger noch einen weiteren Vorteil: Sie laufen auf Fremdwährungen. So können Privatanleger ihr Portfolio noch breiter aufstellen und nicht nur Titel im Depot haben, die auf Euro laufen.

Bei einem ETF auf solche Indizes profitieren Anleger doppelt: Erstens von den Kurssteigerungen, zweitens von den ausgeschütteten Dividenden. Wer will, kann diese sofort wieder anlegen. Aber egal in welche Werte man investiert, als langfristig-orientierter Anleger sollte man immer Geduld mitbringen.

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