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Kryptowährung Ethereum – Hat der Markt diese Risiken auf dem Schirm?

onvista · Uhr
Quelle: Vector-3D / Shutterstock.com

Die zweitgrößte Kryptowährung Ethereum ist nicht zuletzt wegen der großen Netzwerkänderung für mehr Umweltfreundlichkeit in aller Munde. Doch ist der Bitcoin-Konkurrent wirklich das, was er vorgibt zu sein?

Problem: Dezentralisierung

 Das Herzstück der Kryptowährungen ist bekanntlich das Thema Dezentralisierung. Nicht umsonst wurden die Mutter der digitalen Währung Bitcoin, nach der Finanzkrise ins Leben gerufen, weil Notenbanken und Regierungen ohne Rücksicht auf Verluste massiv in das Geldsystem eingegriffen hatten. Doch nun werden die Stimmen immer lauter, welche der zweitgrößten Kryptowährung der Welt unterstellen, nicht wirklich dezentral zu sein, was ein enormes Risiko für Anleger mit sich bringen würde. Tatsächlich gibt es einige Indizien beziehungsweise Probleme, welche dafür sprechen würden.

Indiz 1: Ethereum-Notes liegen auf AWS

Das erste große Warnsignal wird deutlich, wenn man einen Blick auf die Infrastruktur des Ethereum Netzwerkes wirft. Hier liegen die sogenannten „Notes“, die nach dem Update ein noch wichtigerer Bestandteil geworden sind, mehrheitlich auf gehosteten Cloudservern (ca. 70 Prozent). Das Problem dabei ist nicht nur, dass diese wiederum mehrheitlich in den USA sitzen und ein Verbot von Kryptowährungen der US-Regierung hier somit besonders starke Auswirkungen haben würde, sondern, dass es primär einen Cloudbetreiber gibt, den Ethereum Validatoren bevorzugen: Amazon AWS.

Dies bedeutet also nicht nur, dass angebliche Dezentralität lokal eingeschränkt ist, sondern vor allem am Wohlwollen oder eben nicht wollen eines Unternehmens liegt, dass auch durch politische Maßnahmen dazu gezwungen werden kann, den Service für das Ethereum Netzwerk einzustellen. Doch dies ist nicht das einzige Problem, mit dem Investoren in die Kryptowährung leben müssen.

Indiz 2: Buterin hat zu viel Macht

Das neue Update des Ethereum Merge hat nämlich nicht nur Freunde gefunden und wurde im Wesentlichen von einem Mann durchgedrückt - dem Gründer Vitalik Buterin. Dieser besitzt nämlich viel Macht im Netzwerk von Ethereum, oder wie die meisten eben behaupten zu viel Macht. Denn er hat nicht nur bei Entscheidungen am Ende nicht nur mehr oder weniger das letzte Wort, sondern repräsentiert das Projekt Ethereum auch nach außen.

Doch dies gefällt vielen Kryptojüngern ganz und gar nicht, weshalb beim Merge ein wichtiges neues Projekt losgetreten wurde: Nämlich die Spaltung der Blockchain. Da viele Miner nicht mit Buterins Plänen einverstanden waren, haben sie den Merge blockiert und wollen die Blockchain spalten und einen eigenen Ethereum-Coin herausbringen. Diese Tendenzen gibt es im Netzwerk schon seit mehreren Jahren, seit Buterin allein den DAO-Hack verhindert hatte.

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Indiz 3: Der DAO-Hack

Dieser ereignete sich im Jahr 2016, ebenfalls nach einem Update der Ethereum Blockchain, da das Netzwerk in diesem Moment am verwundbarsten war. Hier fälschte eine Gruppe von Programmieren massenhaft Transaktionen und erhielt dafür Token ausbezahlt und wollte so eine Stimmmehrheit erzielen und die Blockchain übernehmen.

Bei einem dezentralen Netzwerk wäre nun eine Abstimmung von Minern, Stakeholdern und Validatoren an der Tagesordnung gewesen, die demokratisch eine Änderung der Blockchain beschlossen hätten. Tatsächlich verhinderte dies allerdings Gründer Vitalik Buterin und änderte mithilfe eines kleinen Netzwerkes von Programmierern die Blockchain nach seinen Vorstellungen ab und „rettete“ damit sein damals schon Milliardenschweres Projekt.

Risiken des Merge

Damit ist nicht nur die nicht vorhandene Dezentralität von Ethereum ausreichend bewiesen, sondern zeigt auch, dass der Merge im eigenen Netzwerk nicht besonders gut ankommt. Hier wird immer wieder zum Beispiel die Zahl an Validatoren angekreidet. Für den Merge hat Ethereum in Aussicht gestellt, ca. 400.000 Validatoren an Bord zu haben. Da allerdings für den Titel des Validators 32 Ethereum (also ca. 50.000 Euro) nötig sind, fragt man sich zu recht, wie das bei einer Marktkapitalisierung von etwas mehr als 200 Milliarden Euro möglich sein soll. Denn gerade bei Ethereum sind viele so genannte Wale unterwegs und der Gini-Koeffizient der Ungleichverteilung fällt hier sehr hoch aus.

Den Job der Validatoren werden deswegen wohl zunächst Kryptobörsen übernehmen, die wie die Cloud-Anbieter in den USA sitzen und viel zu leicht von Regierungen zu beeinflussen sein werden. Hier dürfte also das wirklich letzte Stück an Dezentralität aufgegeben werden.

Fazit: Es geht gut, bis es nicht mehr gut geht

Aktuell ist der Ethereum Merge vom vergangenen Donnerstag in aller Munde und trotz einigem Hin und Her hat die Kryptowährung auch zunächst zulegen können. Allerdings liegen hier deutlich mehr fundamentale Risiken als bei anderen Kryptowährungen, die aktuell offenbar noch ignoriert werden. Die Frage ist: Wie lange geht das gut?

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