Kutzers Zwischenruf: Aktionäre sollten auch aktive Unternehmer sein

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Bis zum Jahreswechsel werden (weitere) zahlreiche Analysen und Prognosen die Meinungsbildung der Anleger beeinflussen. Dabei stehen erfahrungsgemäß die Unsicherheitsfaktoren im Mittelpunkt – die Betonung der Chancen kommt oft zu kurz. Das ist fatal, denn wer in Aktien investieren will, sucht langfristig überdurchschnittliche Renditen. Doch gibt es immer noch (gerade bei uns, trotz steigender Aktionärszahlen) großes Wachstumspotenzial für den Aktienmarkt. Das kann gar nicht eindringlich genug dem deutschen Sparer verdeutlicht werden. Denn wo sonst kann er über Jahre hinweg Erträge von etwa 6 bis 9 Prozent p. a. ernten? Dass damit an den führenden Börsen auch größere Risiken verbunden sind – jedenfalls kurz- bis mittelfristig – ist nur natürlich.

Die Aufklärungsarbeit zugunsten der Aktie setzt zum einen bei der Anlagedauer an, beschreibt andererseits die vielen Möglichkeiten zur Reduzierung (oder Begrenzung) der Verlustgefahren durch intelligente Modelle der Aktienmischung. Eine wachsende Bedeutung kommt seit Jahren den unterschiedlichen Formen von Fondsangeboten zu (mit dem Boom bei ETFs). Mir erscheint ein grundsätzlicher Aspekt besonders wichtig, der all zu selten behandelt wird: Aktienanlage bedeutet Beteiligung am Produktivkapital unserer Wirtschaft – letztlich wird der Aktionär zum Unternehmer. Das ist doch eine entscheidende Motivation, wenngleich sich nicht jeder davon angesprochen fühlt.

Dazu gehört, zunehmend Verständnis für volkswirtschaftliche Zusammenhänge einerseits und die Entwicklung von Branchen und Unternehmen aufzubauen. Das garantiert zwar nicht, immer und überall richtig zu liegen. Aber fundamentales Wissen fördert die richtige Zu- und Einordnung von aktuellen Nachrichten – hilft also, Fehlentscheidungen zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Und man lernt, mit überraschenden Entwicklungen im wirtschaftlichen Umfeld umzugehen.

Dass die aktuelle internationale Lage noch immer diffus und schwer zu interpretieren ist, machen die Analysten der Helaba in ihrem Wochenbericht deutlich: Die Investoren bleiben vorsichtig. Rückschläge sind nicht auszuschließen und Gewinnmitnahmen das Gebot der Stunde. So ist der Weg zur Preisstabilität ein langer, der auch von Rückschlägen begleitet sein kann. Für Anleger wird das zu einer Geduldsprobe, da gleichzeitig schwächere Konjunktursignale für Verunsicherung sorgen könnten. Immerhin überraschten die jüngsten Stimmungsindikatoren aus dem Euroraum bzw. Deutschland positiv. Fazit der Strategen: „Hierzulande bleibt uns wohl eine schwere Rezession erspart und die Trendwende bei den Frühindikatoren scheint geschafft.“ 

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