Stefan Riße: Dancing on the Ceiling

Acatis · Uhr
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Quelle: Brandon Bourdages/Shutterstock.com

Es ist wieder so weit. Der US-Staat erreicht demnächst seine Schuldenobergrenze, auf Englisch „Debt Ceiling“ genannt. Dies ist für die Finanzmärkte immer dann ein Knackpunkt, wenn der Kongress von einer anderen Partei dominiert wird als das Weiße Haus, so wie derzeit mit dem Demokraten Joe Biden als Präsident und dem Kongress, in dem die Republikaner die Mehrheit haben.

Dazu kommt aktuell noch, dass wir uns im Vorwahljahr befinden, was es für die Partei, die gerade nicht den Präsidenten stellt, besonders reizvoll macht, diesem Knüppel zwischen die Beine zu werfen und die Anhebung der Schuldengrenze zu blockieren.

Manche mögen sich bei dem englischen Begriff an den Hit von Lionel Richie „Dancing on the Ceiling“ erinnert fühlen. Wobei die im Song besungene Party im Fall des Debt Ceiling ausbleibt. Im Gegenteil. Gab es in der Vergangenheit Blockaden gegen eine Anhebung der Schuldenobergrenze, dann legte dies oft Teile des gesamten öffentlichen Lebens lahm. Denn so absurd wie es klingt, der Staat hat dann schlicht kein Geld mehr, um seine Verpflichtungen zu erfüllen. Staatsbedienstete bekommen ihre Löhne nicht, Behörden, Schulen und mehr oder minder alle öffentlichen Einrichtungen schließen nach und nach, bis auf kritische Bereiche wie Polizei und Feuerwehr. „Lockdown light“ sozusagen, man spricht offiziell von einem Shutdown.

Verschuldungsblockade könnte Rezession auslösen

Kommt es tatsächlich zu einer längeren Verzögerung bei der Anhebung der Schuldenobergrenze, könnte dies gerade in der aktuellen Situation der Auslöser für das Abrutschen der US-Konjunktur in die Rezession sein. Das Wachstum ist ohnehin schon schwach und viele generelle Indikatoren wie die inverse Zinsstrukturkurve deuten sowieso schon darauf hin, insbesondere aber die aus dem verarbeitenden Gewerbe. Was die US-Wirtschaft derzeit stützt, sind zum einem die Corona-Hilfen, von denen die Bürger noch zehren, zum anderen ist es die gute Beschäftigungslage.

Also kurzum, es ist wieder einmal der US-Konsum, der in den USA die Wirtschaft trägt. Würden jetzt aber Millionen von Staatsbediensteten ihre Gehälter nicht bekommen, dann wären sicher auch hier Schrumpfungstendenzen unumgänglich und die Wirtschaft würde in eine Rezession abrutschen. In der Vergangenheit gab es in derartigen Situationen immer wieder auch deutliche Kurzrücksetzer. 2011 waren diese mit Verlusten von über 15 Prozent und einem Anstieg der Volatilität von rund 15 auf fast 50 besonders ausgeprägt.

Was jeder weiß, macht mich nicht mehr heiß

Ist nun auch diesmal mit derartigen Kursverlusten zu rechnen, kommt es zu einer Blockade durch die Republikaner? Erreicht wird das „Debt Ceiling“ dieses Jahr wohl entweder schon im Juni oder eher Richtung August. Da sind sich die Experten, die es versuchen zu berechnen, noch nicht ganz einig.

Fraglos gibt es einige generelle Belastungsfaktoren für die Aktienmärkte, über die ich in den vergangenen Wochen hier immer wieder geschrieben habe. Eine Schuldenblockade mit Eintritt in die Rezession wäre ein weiterer. Allerdings ist es längst nicht ausgemachte Sache, dass es zu starken Kursverlusten kommen muss.

Klar dagegen spricht, dass alle derzeit darüber reden, was wiederum darauf hindeutet, dass es auch alle in ihren Positionierungen berücksichtigen. Hier gilt der Satz: „Was jeder weiß, macht mich nicht mehr heiß“. So sind die Short-Spekulationen der Hedge-Fonds auf Rekordniveau.

70 Prozent der Kunden von JP Morgan rechnen zum Jahresende mit einem Stand des S&P 500 von 3.500 Punkten oder tiefer. Derzeit notiert dieser bei über 4.000 Punkten. Es könnte also so weiter gehen wie schon das gesamte Jahr. Der große Pessimismus und daher immer wiederkehrende Short-Squeezes treiben den Markt weiter nach oben und so könnte auch ein Shutdown des Staates ignoriert werden. Der Einbruch, den ich schon noch erwarte, der kommt dann wahrscheinlich irgendwann aus relativ heiterem Himmel, wenn gerade keiner damit rechnet.

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