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Anleihen: Lohnt sich die Anlageklasse wieder?

onvista · Uhr (aktualisiert: Uhr)

Seit der Zinswende locken Anleihen mit attraktiven Renditeversprechungen. Wie bei einem klassischen Kredit gilt aber: Investoren sollten sich ihre Schuldner gut aussuchen.

Quelle: Onvista

Die Zinswende hat Anleihen wieder investierbar gemacht – das hast du vielleicht auch schon mal gehört. Und tatsächlich: Eine risikoarme US-Staatsanleihe mit einem Jahr Restlaufzeit bringt derzeit 5,4 Prozent Rendite. Bei einer deutschen Staatsanleihe mit 7 Monaten Restlaufzeit sind es aktuell rund 3,7 Prozent bis Laufzeitende. Bevor du aber in der Anlageklasse investierst, solltest du ihre Eigenheiten kennen.

Anleihen sind Schuldscheine

Es gibt verschiedene Arten von Anleihen. Du kannst beispielsweise zwischen Unternehmens- und Staatsanleihen unterscheiden: Unternehmensanleihen werden von Unternehmen herausgegeben, Staatsanleihen von Staaten. Ihre Bonität messen Ratingagenturen. AAA-Anleihen kommen von Emittenten mit höchster Bonität und dem geringsten Risiko – dementsprechend liefern sie auch weniger Zinsen, beziehungsweise Rendite. Das schlechteste Rating ist C. Anleihen mit einem Rating von BBB oder höher heißen Investment-Grade-Anleihen.

Hochzins-Anleihen (High-Yield oder Junk Bonds) haben ein Rating von BB oder niedriger und haben dementsprechend ein höheres Ausfallrisiko. Beim Kauf einer Anleihe wirst du zum Gläubiger (Zeichner) einer Anleihe und der Herausgeber (Emittent) zum Schuldner. Es gelten klare Spielregeln: Klassische Anleihen haben eine feste Laufzeit.

Innerhalb dieser Laufzeit bekommst du jährlich einen festen Zins ausgezahlt, den sogenannten Kupon. Am Ende der Laufzeit erhältst du als Gläubiger den Nennwert zurück. Wenn du eine Anleihe kaufst, zahlst du aber nicht den Nennwert, sondern den Kurswert. Er wird in Prozent des Nennwerts angegeben und richtet sich nach dem aktuellen Marktzinsniveau.

Ein Rechenbeispiel: Du kaufst eine Anleihe mit 100 Euro Nennwert (Rückzahlungskurs), 3 Jahren Restlaufzeit und 5 Prozent Zinsen. Der aktuelle Kurs beträgt 90 Prozent, du zahlst also nur 90 Euro dafür. Dann beträgt deine Rendite rund 9 Prozent – 5 Prozent Zinsen pro Jahr plus ein 10 Euro höherer Rückzahlungskurs, da du zum Ende der Laufzeit 100 Euro zurückbekommst statt nur 90 Euro. Die Rendite ergibt sich also aus Restlaufzeit, Kupon, Kaufkurs und Rückkaufkurs und wird in Prozent angegeben.

Beim Kalkulieren können dir Renditerechner aus dem Internet helfen. Sinkt der Marktzins, steigen die Kurse bestehender Anleihen. Andersrum sinken sie, sollte der Marktzins steigen. Dieser Effekt zeigte sich beispielsweise 2022, als die Zentralbanken ihre Zinsen anhoben. Die Anleihekurse sind in dieser Zeit reihenweise abgerauscht. Der Kurswert einer US-Staatsanleihe aus dem Jahr 2021, die noch bis 2024 läuft, fiel zum Beispiel zwischen dem 7. März 2022 von 97,26 Prozent auf einen Kurswert von 92,8 Prozent am 7. November 2022.

Warum in Anleihen investieren?

Bei Anleihen stehen Kuponzahlungen, Laufzeit und Rückzahlungskurs fest. Das ist wie beim Festgeld: Du bekommst eine planbare Größe für dein Portfolio, die – wenn du einen Emittenten hoher Bonität auswählst – mit wenig Risiko regelmäßige Zinszahlungen aufs Konto spült. Diese Renditen liegen seit der Zinswende wieder im mittleren einstelligen Bereich, womit die Anlageklasse durchaus mit Festgeldangeboten mithalten kann. Dort erhalten Anleger derzeit für einjährige Angebote in der Spitze 4,1 Prozent.

Und du kannst deine Anleihe während der Laufzeit sogar weiterverkaufen, falls du doch früher an dein Geld musst. Allerdings musst du je nach Marktzins einen niedrigeren Kurswert akzeptieren. Anleihen sind zudem etwas unsicherer als Festgeld: Meldet der Emittent während der Laufzeit Insolvenz an, kann dein Geld weg sein. Das kann besonders bei Hochzinsanleihen relevant werden. Du kannst Anleihen entweder einzeln oder in Fonds kaufen. Über unseren Anleihen-Finder findest du Einzeltitel, die zu deinen Wünschen passen.

Wenn du Risiko in deinem Portfolio über Anleihen ausgleichen willst, solltest du Emittenten hoher Bonität wählen. Momentan rechnen sich besonders kurze Laufzeiten von ein paar Monaten oder wenigen Jahren. Da wir aktuell eine inverse Zinskurve haben, liefern diese nämlich höhere Renditen. Ein weiterer Pluspunkt: Mit kurzen Laufzeiten minderst du das Risiko für Kursverluste durch Zinsänderungen ab. Empfehlenswert sind außerdem Anleihen in Euro. So vermeidest du, dass Währungskursschwankungen deine Rendite beeinflussen. Anleihefonds gibt es wie bei Aktien in aktiver und passiver Form (ETFs). Du findest sie, wenn du in der Fondssuche den Reiter „Rentenfonds“ aktivierst.

Auch hier kannst du beispielsweise aussuchen, ob du in Hochzins- oder in Investment-Grade-Anleihen investieren willst und welchen regionalen Schwerpunkt du setzt. Achte zusätzlich auf die Kostenquote, die für den jährlichen Verwaltungsaufwand anfällt.

Gut zu wissen:

Die sogenannten Wandelanleihen sind eine Mischform aus Aktien und Anleihen. Dann kannst du deinen Schuldschein zu einem bestimmten Kurs in eine Aktie umtauschen. Im Gegensatz zu Aktien sind Anleihen Fremdkapital. Im Insolvenzfall wirst du also vor den Aktionären bedient, falls von der Vermögensmasse noch etwas übrig sein sollte.

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