Dax taucht ab - Furcht vor Finanzkrise in Frankreich

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Frankfurt (Reuters) - Der Dax bleibt auch zum Wochenschluss im Rückwärtsgang.

Die Sorgen über den Ausgang der baldigen Neuwahlen in Frankreich, die ungewisse US-Zinspolitik und der neu entflammte Handelskonflikt mit China verderben den Investoren die Lust auf Aktien. Der deutsche Leitindex rutschte am Freitag unter die Marke von 18.000 Punkten - in der Spitze verlor er 1,5 Prozent auf 17.987 Zähler. Der EuroStoxx50 gab 1,8 Prozent nach. Auf Wochensicht verbucht der Dax ein Minus von knapp drei Prozent. Aktuell gebe es nicht wirklich einen triftigen Grund, Aktien zu kaufen, meint Experte Jürgen Molnar vom Borker RoboMarkets. "Abwarten könnte die bessere Strategie sein - an der Börse kommt die nächste Kaufgelegenheit wie die nächste Straßenbahn bestimmt."

Unter Druck gerieten europaweit vor allem Bankaktien, weil Anleger fürchteten, dass Frankreich im Zuge der von Präsident Emmanuel Macron ausgerufenen Neuwahlen in eine Finanzkrise schlittern könnte. Der Risikoaufschlag, den Anleger für französische Staatsanleihen verlangen, kletterte auf den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren. Die Kurse von französischen Großbanken wie Societe Generale, BNP Paribas und Credit Agricole verloren zwischen 4,7 und 3,2 Prozent. Im Dax gaben die Titel der Commerzbank 5,6 Prozent, die der Deutschen Bank 2,4 Prozent nach. Der europäische Branchenindex notierte 1,4 Prozent schwächer. Auch der Euro kannten zum Wochenschluss nur einen Weg: nach unten. Die Gemeinschaftswährung markierte mit einem Abschlag von 0,6 Prozent auf 1,0670 Dollar den niedrigsten Stand seit Anfang Mai.

BEDROHT WAHLAUSGANG KREDITWÜRDIGKEIT FRANKREICHS?

An den Finanzmärkten wird mit Sorge auf die Wahlprogramme der Rechten in Frankreich geschaut. Der euroskeptische und rechtspopulistische Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen, der derzeit in den Meinungsumfragen führt, fordert etwa eine Herabsetzung des Renteneintrittsalters und eine protektionistische Wirtschaftspolitik á la Ex-US-Präsident Donald Trump nach dem Motto "Frankreich zuerst". Eine Wende zu einer expansiveren Finanzpolitik in Frankreich könnte weitreichende Auswirkungen haben, meint Experte Frederique Carrier von RBC Wealth Management. Aus Sicht der Ratingagentur S&P bedroht die politische Entwicklung die Kreditwürdigkeit Frankreichs. Der französische Leitindex CAC40 rutschte um 2,3 Prozent ab. Macron hatte nach der Europa-Wahl kurzfristig eine vorgezogene Neuwahl des Parlaments angeordnet, nachdem sein Bündnis vom RN klar geschlagen wurde.

Federn lassen mussten neben den Finanzwerten erneut auch die Autoaktien. Der europäische Branchenindex gab 1,6 Prozent nach - auf Wochensicht kommt er auf ein Minus von rund vier Prozent. China warnte die EU-Kommission im Streit um Strafzölle für Elektroautos aus der Volksrepublik zuletzt vor einem neuen Handelskonflikt. Anleger fürchten, dass die europäischen Autobauer stark unter möglichen Gegenmaßnahmen Chinas leiden werden.

ZINSENTSCHEID DER BANK OF JAPAN MACHT YEN ZU SCHAFFEN

In den Fokus rückte zum Wochenschluss zudem der Zinsentscheid der japanischen Zentralbank (BoJ), der den Yen auf Talfahrt schickte. Im Gegenzug stieg der Dollar um bis zu 0,8 Prozent auf 158,25 Yen, den höchsten Stand seit eineinhalb Monaten. Die Währungshüter ließen die Zinssätze unverändert und kündigten an, den Kauf von Staatsanleihen im derzeitigen Tempo fortzusetzen. Erst auf einer weiteren geldpolitischen Sitzung im Juli soll ein konkreter Plan zur Verringerung der Käufe in den nächsten ein bis zwei Jahren vorgelegt werden. Anleger werteten dies als Zeichen, dass die BoJ nur sehr langsam von ihrer ultralockeren Geldpolitik abrücken wird. "Rechnete der Markt noch zu über 60 Prozent mit einer erneuten Zinsanhebung im Juli, wurden diese Erwartungen im Zuge der heutigen Sitzung deutlich zurückgenommen", sagte Commerzbank-Analyst Volkmar Baur. Die Zentralbank hatte im März zum ersten Mal seit 2007 den Leitzins angehoben - und zwar auf die Spanne von 0,0 bis 0,1 Prozent.

(Bericht von: Daniela Pegna. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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