Deutsche Wirtschaft auch im Juni noch ohne Euphorie

Die deutsche Wirtschaft hat dem DIW-Institut zufolge im Juni etwas an Schwung gewonnen.
Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kletterte auf 92,5 Punkte, nachdem es im Mai noch auf 86,1 Zähler gefallen war. Von der neutralen 100-Punkte-Marke, die für ein durchschnittliches Wachstum der Wirtschaft steht, liegt es aber nach wie vor ein gutes Stück entfernt. "Die verhaltene Erholung der deutschen Wirtschaft, die wir seit Jahresbeginn beobachten, dürfte sich nun aber immerhin Stück für Stück fortsetzen und an Fahrt gewinnen", sagte die Leiterin des Bereichs Prognose und Konjunkturpolitik im DIW, Geraldine Dany-Knedlik.
Positiv wirkt sich demnach die anziehende Binnennachfrage aus, die durch die niedrigere Inflation und die höheren Löhne angeschoben werde. Auch die Anfang Juni von der Europäischen Zentralbank (EZB) beschlossene Zinssenkung stütze die Entwicklung. "Die Weltwirtschaft, die zuletzt unterdurchschnittlich expandiert hat, wird nun allmählich in Schwung kommen, was die zuletzt kräftig gestiegenen deutschen Ausfuhren im Laufe des Jahres stützen dürfte" hieß es. Die Fußball-Europameisterschaft dürfte dagegen nur geringe positive Effekte auf die Wirtschaft haben. Die jüngsten Flutkatastrophen dürften sich indes kaum negativ auswirken. "Aufgrund des Hochwassers in einigen Regionen Deutschlands kam es zu vereinzelten Produktionsstörungen, die aber gesamtwirtschaftlich nur wenig ins Gewicht fallen", so das DIW.
Im Verarbeitenden Gewerbe bleiben die Aussichten verhalten. "Die Auftragslage der deutschen Industrie ist weiterhin angespannt – der Auftragsbestand sinkt und die Neuaufträge haben sich bis jetzt kaum berappelt", sagte DIW-Konjunkturexpertin Laura Pagenhardt. Bis sich die sinkenden Zinsen und der behutsame Aufschwung der Weltwirtschaft in merklichen Zuwächsen bei der Industrieproduktion niederschlagen, dürfte es noch etwas dauern.