Fußball-EM treibt Telekom neue Kunden zu - Prognose angehoben
Frankfurt (Reuters) - Die Werbepartnerschaft mit der UEFA und die Übertragung sämtlicher Spiele der Fußball-Europameisterschaft 2024 haben sich für die Deutsche Telekom ausgezahlt.
"Die Investitionen in die Rechte haben sich amortisiert", sagte Firmenchef Tim Höttges bei der Vorlage der Quartalsergebnisse am Donnerstag. Er blicke daher optimistisch in die Zukunft und hebe die Jahresziele für den Barmittelzufluss an.
Das Sportereignis sei neben dem Wegfall des Nebenkostenprivilegs der wichtigste Treiber für das Plus von 114.000 neuen Vertragskunden im TV-Geschäft, erläuterte Finanzchef Christian Illek. Hier seien mehrere Hunderttausend Nutzer der Anschluss-unabhängigen TV-Angebote nicht mit eingerechnet. "Da gibt es Laufzeiten von einem Monat und zwölf Monaten. Wir müssen uns anschauen, wie viele Leute das nur im Rahmen der EM erworben haben und es wieder kündigen."
Finanziell habe sich dieses Projekt bereits jetzt besser entwickelt als gedacht. Die Ausgaben seien durch die Einnahmen von Unterlizenzen für die Übertragung von Spielen größtenteils wieder hereingekommen. "Das ist fast eine schwarze Null gewesen", sagte Illek. Auch dem Image des Bonner Konzerns habe die Europameisterschaft Schub verliehen, ergänzte Höttges. "Wir sind auf einem Allzeithoch bei der Markenbekanntschaft und der Markenanerkennung."
STEIGENDE GEWINNE - HÖHERER CASH FLOW
Der Kundenzustrom schlug sich in einem Anstieg des Umsatzes im zweiten Quartal um 4,3 Prozent auf 28,4 Milliarden Euro nieder. Der bereinigte operative Gewinn stieg konzernweit um 7,8 Prozent und in Europa sogar um 8,9 Prozent. Letzteres sei das größte Plus der Firmengeschichte und das 26. Quartal in Folge mit einem Anstieg, betonte Höttges.
Der Cashflow, der als Gradmesser für die Dividendenhöhe gilt, wuchs überraschend deutlich um knapp die Hälfte auf 5,2 Milliarden Euro. Grund dafür seien neben den gestiegenen Gewinnen geringere Investitionen bei der US-Mobilfunktochter T-Mobile. Daher peilt die Telekom für das Gesamtjahr nun einen Barmittelzufluss von 19 statt 18,9 Milliarden Euro an. Die Telekom-Aktie stieg daraufhin gegen den Trend um gut zwei Prozent.
T-SYSTEMS SETZT ERHOLUNGSKURS FORT
Ein weiterer Lichtblick war die anhaltende Erholung bei der einstigen Problemsparte T-Systems. Der Auftragseingang der IT-Dienstleistungstochter wuchs um gut 28 Prozent auf 957 Millionen Euro. Einer der Treiber ist das Cloud-Geschäft. So baut die Telekom-Tochter, die vor einigen Jahren noch verkauft werden sollte, gemeinsam mit der Alphabet-Tochter Google eine sogenannte Sovereign Cloud auf, bei der sämtliche Daten der Nutzer in Deutschland beziehungsweise der Europäischen Union (EU) bleiben.
Durch die zunehmende Digitalisierung werden Rechenzentren für Cloud-Anwendungen immer wichtiger. Verstärkt wird dieser Trend durch den Siegeszug Künstlicher Intelligenz (KI), die Hochleistungsrechner benötigt. Für die großen US-Anbieter Google, Microsoft und Amazon Web Services (AWS) ist das Cloud-Geschäft ein wichtiger Gewinnbringer. Die in diesem Bereich notwendigen milliardenschweren Investitionen hatten Investoren zuletzt aber Sorgen bereitet.
(Bericht von Hakan Ersen, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)