Volkswagen-Mitarbeiter bieten Einsparungen - IG Metall droht VW mit Streik

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Wolfsburg (Reuters) - Gewerkschaft und Arbeitnehmervertreter wollen dem angeschlagenen Autobauer Volkswagen mit einem eigenen Sparvorschlag entgegenkommen und drohen gleichzeitig bei einem Festhalten an Werksschließungen mit erbitterter Gegenwehr.

"Sollte der Vorstand auf Maximalpositionen und Werksschließungen beharren, übernimmt er die Verantwortung dafür, dass wir in einen Arbeitskampf um Standorte laufen, wie ihn die Republik noch nicht erlebt hat", sagte Verhandlungsführer Thorsten Gröger am Mittwoch in Wolfsburg. Die Vorbereitungen dafür liefen. Die Friedenspflicht in dem Tarifkonflikt endet Ende November, Streiks sind ab dem 1. Dezember möglich.

IG Metall und Betriebsrat legten bei Europas größtem Autobauer einen eigenen Vorschlag vor, der Einsparungen von 1,5 Milliarden Euro bei den Arbeitskosten bringen soll. Demnach soll zwar der Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie übernommen werden, das Geld aber nicht an die Mitarbeiter ausgezahlt, sondern in einen Fonds überführt werden. Dieser Fonds solle dann genutzt werden, um Arbeitszeitverkürzungen an den Standorten zu finanzieren, an denen die Überkapazitäten etwa wegen der schwächelnden Nachfrage nach Fahrzeugen besonders groß ausfallen. Gröger sprach von jährlich 6000 Vollzeitstellen, die so abgesichert werden könnten.

Zugleich sollen einige Boni wegfallen. Voraussetzung für den Beitrag der Belegschaft sei allerdings, dass der VW-Vorstand und die Aktionäre auch einen signifikanten Beitrag leisteten, sagte Gröger. "Die Probleme, die wir haben, sind nicht durch die Beschäftigten verursacht, die Probleme lassen sich nicht alle durch Arbeitskosten lösen", sagte er. "Und dennoch sind wir bereit, einen Beitrag einzubringen, um den Knoten zu durchschlagen. Wir gehen mit dem, was wir hier skizziert haben, sehr sehr stark an die Grenzen dessen, was den Beschäftigten zumutbar ist." Als Gegenleistung für die Einschnitte fordern die Arbeitnehmer einen Verzicht auf Werksschließungen und eine Neuauflage der Beschäftigungssicherung, die vom Unternehmen vor einigen Wochen gekündigt wurde.

Volkswagen-Personalvorstand Gunnar Kilian sagte dazu, das Unternehmen begrüße, dass die Arbeitnehmervertreter sich offen für Maßnahmen bei den Arbeitskosten und Kapazitätsanpassungen zeigten. Das unterstreiche, dass die Einschätzung der ernsten Lage der Kernmarke Volkswagen geteilt werde. VW werde die Vorschläge der Arbeitnehmer dahingehend prüfen, ob diese einen ausreichenden Beitrag zu den Einsparungen leisteten. "Für die Volkswagen AG steht unverändert die nachhaltige Erreichung des finanziellen Ziels und damit die Wettbewerbsfähigkeit im Mittelpunkt. Aus diesem Grund lassen sich Werksschließungen weiter nicht ausschließen."

Beide Seiten treffen sich am Donnerstag zur dritten Verhandlungsrunde in dem Tarifkonflikt. Das Unternehmen fordert unter anderem eine Lohnkürzung um zehn Prozent. Im Flächentarifvertrag haben sich die IG Metall und die Arbeitgeber vor gut einer Woche auf eine Entgelterhöhung von 5,5 Prozent geeinigt. Insgesamt läuft der Tarifvertrag über 25 Monate, also bis Oktober 2026.

Volkswagen hatte sich Ende 2023 mit dem Betriebsrat auf ein zehn Milliarden Euro schweres Sparprogramm geeinigt. Betriebsratschefin Daniela Cavallo sagte, inzwischen habe sich das Sparziel auf 17 Milliarden Euro erhöht. Auch Finanzchef Arno Antlitz hatte bei der Vorlage der Quartalszahlen erklärt, dass höhere Einsparungen nötig seien, jedoch keine Zahl genannt. Zu schaffen machen dem Unternehmen unter anderem die schwächere Nachfrage nach Autos in Europa und die Flaute in China. Cavallo sagte, auf dem europäischen Markt würden zwei Millionen Autos weniger verkauft als vor der Corona-Pandemie - für VW bedeute das, dass 500.000 Fahrzeuge fehlten.

(Bericht von Christina Amann, redigiert von Philipp Krach. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter Berlin.Newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder Frankfurt.Newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

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