Durchsuchungen bei UniCredit-Tochter in München

Mailand (Reuters) - Ermittler haben Münchner Büros der italienischen Großbank UniCredit im Zusammenhang mit Untersuchungen zu möglichen Steuervergehen im Umfang von 200 Millionen Euro durchsucht.
Die Ermittlungen beträfen einen einzelnen ehemaligen Kunden, teilte UniCredit am Freitag mit. Die Agentur Bloomberg hatte zuvor darüber berichtet. Die UniCredit ist in Deutschland vor allem mit ihrer Tochter HypoVereinsbank aktiv, die sie 2005 übernommen hatte.
Die Europäische Staatsanwaltschaft (EuStA) hatte zuvor mitgeteilt, dass sie bei einer Bank in München Durchsuchungen wegen möglichen Mehrwertsteuerbetrugs eingeleitet habe. Den Namen der Bank nannte sie nicht. Der Verdächtige habe von 2016 bis 2022 Banktransfers in Höhe von insgesamt über 200 Millionen Euro auf seine Konten in Deutschland erhalten. "Als eine von ihm genutzte Bank den Verdacht der Geldwäsche meldete, wechselte der Verdächtige zu der Bank, die heute durchsucht wird", erklärte die EuStA.
Die Staatsanwälte gehen davon aus, dass das Geld aus einem sogenannten Mehrwertsteuer-Karussellbetrug stammt. Das ist ein kriminelles Betrugsschema, das sich die EU-Vorschriften für grenzüberschreitende Transaktionen zwischen Mitgliedstaaten zunutze macht, die von der Mehrwertsteuer befreit sind. "Der Sachverhalt wurde von der Bank zuvor den Behörden gemeldet und die Bank arbeitet mit ihnen zusammen", erklärte UniCredit. Sie stelle alle notwendigen Informationen zur Verfügung, um diese Untersuchung mit voller Transparenz zu unterstützen.
Laut Europäischer Staatsanwaltschaft wurden die Geldbeträge von Bankmitarbeitern ausgezahlt. Die Zahlungen seien genehmigt worden, obwohl sie einen Verdacht hätten auslösen müssen. In diesem Zusammenhang werde derzeit geprüft, ob die Bank die erforderlichen Sorgfaltsmaßnahmen gemäß dem Geldwäschegesetz ausgeführt habe, erklärte die EuStA. Der Verdächtige habe nahezu täglich bis zu mehrere hundertausend Euro an Bargeld abgehoben.
(Bericht von Miranda Murray, Valentina Za,; Bearbeitet von Frank Siebelt; Redigiert von Myria Mildenberger; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)