Schutz oder Überregulierung?

BaFin plant schärfere Regeln für Turbo-Zertifikate

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Quelle: T. Schneider/Shutterstock.com

Die Finanzaufsicht BaFin will den Handel mit Turbo-Zertifikaten für Privatanleger deutlich strenger regeln. Die Hebelprodukte, auch Knock-Out-Zertifikate genannt, ermöglichen mit geringem Kapitaleinsatz hohe Gewinne – aber bergen auch erhebliche Risiken. Bei Erreichen einer bestimmten Kursmarke verlieren Anleger im Extremfall ihr gesamtes eingesetztes Kapital.

Nun sollen neue Auflagen für mehr Schutz und Transparenz sorgen. Nachdem erst Anfang des Kalenderjahres die verfassungswidrige Gesetzgebung zum CFD-Handel aufgehoben wurde, geraten somit nun Turbo-Zertifikate in das Visier der BaFin.

Neues BFH-Urteil
Gesetzgebung verfassungswidrig: CFD- und Futures-Händler dürfen aufatmen28.06.2024 · 10:11 Uhr · onvista
Gesetzgebung verfassungswidrig: CFD- und Futures-Händler dürfen aufatmen

Hohes Verlustrisiko für Kleinanleger

Eine aktuelle Untersuchung der BaFin zeigt, dass rund 74 Prozent der Privatanleger mit Turbo-Zertifikaten Geld verlieren – durchschnittlich mehr als 6.300 Euro pro Person. Insgesamt summierten sich die Verluste im Zeitraum 2019 bis 2023 auf mehr als 3,4 Milliarden Euro. Besonders betroffen sind sogenannte Heavy Trader mit über 1.000 Transaktionen: 91  Prozent von ihnen erzielten keinen Gewinn.

Testpflicht und Werbebeschränkungen geplant

Kern der geplanten Regulierung ist ein verpflichtender Online-Wissenstest. Wer Knock-Out-Zertifikate handeln will, muss darin mindestens sechs von zehn Fragen richtig beantworten – und den Test alle sechs Monate erneuern. Zudem will die BaFin Werbeprämien wie Neukundenboni oder Cashbacks verbieten, da sie unerfahrene Anleger zum Einstieg in riskante Produkte verleiten könnten. Darüber hinaus sollen Anbieter künftig auf allen Marketingmaterialien einen klaren Risikohinweis platzieren, inklusive der Information, dass etwa 70  Prozent der Anleger Verluste machen.

Aufsicht verteidigt ihren Kurs

Die BaFin betont, dass sie niemandem den Handel verbieten wolle. Ziel sei lediglich, Anleger besser zu schützen und Missverständnisse über die Risiken auszuräumen. Die bisherigen freiwilligen Maßnahmen der Branche hätten sich als unzureichend erwiesen. BaFin-Exekutivdirektor Thorsten Pötzsch erklärte: „Es geht um hohe Verlustrisiken, die vielen Anlegern nicht ausreichend bewusst sind.“

Wie es weitergeht

Bis zum 3. Juli können Marktteilnehmer und Verbände zum Vorschlag Stellung nehmen. Anschließend entscheidet die BaFin über die konkrete Ausgestaltung. Die neuen Regeln könnten Ende 2025 in Kraft treten. Ob sie Anleger wirklich schützen oder eher neue Hürden für selbstbestimmten Handel schaffen, bleibt abzuwarten.

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