Asset-Allokation und Fondsauflage: Trends im Fondsgeschäft institutioneller Investoren

DAS INVESTMENT · Uhr (aktualisiert: Uhr)

In Deutschland ist institutionelles Fondsgeschäft primär Spezialfondsgeschäft. Institutionelle Publikumsfonds sind zwar seit Jahren ein sich stetig entwickelndes Thema, jedoch gibt es diesbezüglich vergleichsweise wenig Transparenz über Volumina, Ausgestaltung und Einsatz der entsprechenden Produkte. Kommalpha-Vorstand Clemens Schuerhoff über die aktuellen Trends.

Das Kapitalmarktumfeld ist im historischen Vergleich einzigartig herausfordernd. Neben den klassischen Risiken aus dem Zins- und Aktienumfeld sind regulatorische, (geo-)politische und volkswirtschaftliche Risiken mit meistens globaler Vernetzung in drastischer Art und Weise dazugekommen. Dies führt zu einer Komplexität, die für alle Marktteilnehmer unüberschaubar ist. Risiken bedeuten jedoch auch Chancen, aus denen sich Trends fortsetzen, verändern oder neu erwachsen.

Asset-Allokation: Spezialfonds

Spezialfondsgeschäft ist in hohem Maße Master-KVG-Geschäft. Das bedeutet, dass ein Großteil des Spezialfondsvolumens in entweder realen oder virtuellen Masterfonds administriert wird. Das hat zur Folge, dass ein Masterfonds mit nach Asset-Klassen trennscharf segmentierten Subfonds in der Statistik als Mischfonds auftaucht. Aus diesem Grund sind gemischte Wertpapierspezialfonds auch mit rund 55 Prozent die mit Abstand größte Fondskategorie gemäß Mittelanlage in Deutschland. Sie weisen rund 725 Milliarden Euro des gesamten Marktvolumens von über 1,3 Billionen Euro auf. Davon sind 680 Milliarden Euro in Wertpapieren angelegt. Der Rest ist überwiegend Cash sowie übriges Vermögen.

Bei der Analyse des Wertpapieranteils sind langfristige Bonds mit über 60 Prozent dominierend (rund 430 Milliarden Euro), gefolgt von Anteilen in Investmentfonds mit etwas über 20 Prozent (knapp 145 Milliarden Euro) sowie Aktien mit rund 15 Prozent (rund 100 Milliarden Euro). Von den 660 Milliarden Euro Wertpapierinvestments in gemischten Wertpapierspezialfonds denominieren 530 Milliarden Euro in Euro und daher ist mit 130 Milliarden Euro ein nicht unerheblicher Teil an Fremdwährungspapieren festzustellen. Auf Platz zwei nach gemischten Wertpapierspezialfonds folgen Rentenspezialfonds mit 326 Milliarden Euro Volumen, gefolgt von Aktienspezialfonds mit 87 Milliarden Euro. Dachfonds, offene Immobilienfonds und sonstige Fonds schließen sich an. Geldmarkt- und Hedgefonds spielen keine Rolle.

Das Ergebnis dieser Kurzanalyse ist nicht überraschend. Spezialfondsgeschäft ist nach wie vor überwiegend langes Rentengeschäft. Bezüglich der institutionellen Investoren ist das Universum umso konservativer, je regulierter die Kundengruppe ist.1

>>Vergrößern

Institutionelle Publikumsfonds

Bei institutionellen Publikumsfonds ist die Analyse aufgrund der Intransparenz der Daten schwieriger. Das beginnt bei der Definition solcher Fonds, denn es handelt sich um keinen gesetzlich definierten Begriff.

Es lassen sich drei Arten von institutionellen Publikumsfonds festhalten. Zum einen separate Anteilklassen von Publikumsfonds für institutionelle Anleger, die von größeren Mindestanlagesummen und günstigeren Konditionen geprägt sind. Daneben gibt es Publikumsfonds, die sich aufgrund ihrer Ausgestaltung der Anlagesummen, der Konditionen und der Vertriebsorganisation ausschließlich an institutionelle Investoren richten. Abschließend gibt es noch Publikumsfonds, in denen private und institutionelle Investoren in einem Vehikel parallel investiert sind. Es gibt keine Klarheit über das Volumen, das institutionelle Investoren in Publikumsfonds investiert haben.

Expertenschätzungen sehen den Anteil zwischen 15 und 25 Prozent des Volumens des Publikumsfondsmarktes. Den größten Marktanteil weisen Fonds mit institutionellen Anteilklassen auf. Hinsichtlich ihrer Allokation und Konzeption lässt sich feststellen, dass Aktien- und Rentenfonds die dominierenden Produktgruppen sind. Mischfonds spielen in diesem Zusammenhang eine untergeordnete Rolle.

Die wesentlichen Treiber für den Einsatz dieser Produkte sind mit Abstand die Umsetzung von Nischeninvestmentstrategien, einfache Handhabung und im Vergleich zu Spezialfonds geringe Mindestanlagesummen. Bei Aktienprodukten dominieren Emerging Markets und bei festverzinslichen Wertpapieren Unternehmensanleihen Welt ex Europa.2

1Quelle: Kommalpha AG-Spezialfondsanalyse 2015.

2Quelle: Kommalpha AG-Studie "Institutionelle Publikumsfonds 2014.

Trends und Tipps zu Fondsauflagen

Die Größe eines Anbieters von Asset Management-Leistungen ist schon lange kein Qualitätskriterium mehr. Gerade das Master-KVG-Konzept hat in den letzten 15 Jahren dazu geführt, dass eine Vielzahl von Fondsboutiquen und neuen Initiatoren entstanden sind, ohne dass diese sich mit Fondsadministration beschäftigen mussten.

Trotzdem spielt die Größe im institutionellen Geschäft insofern eine Rolle, weil es das "Henne-Ei-Problem" gibt. Fonds benötigen eine gewisse Größe, damit institutionelle Investoren aufgrund gesetzlicher oder interner Anlagegrenzen überhaupt ein sinnvolles und signifikantes Investment tätigen können. Das Seeding von Fonds bleibt für neue und kleine Häuser die Herkulesaufgabe im institutionellen Fondsgeschäft.

Dabei spielt es eine nachgelagerte Rolle, ob als Vehikel ein Publikumsfonds oder Spezialfonds fokussiert wird. Viel entscheidender sind Faktoren wie die Erkennbarkeit von Kernkompetenzen sowie die Qualität und Authentizität der handelnden Personen. Das kann nur bedeuten, dass vergleichsweise kleine und jüngere Anbieter sich auf klare Themen fokussieren müssen. Trennschärfe, Differenzierung und Expertise sind die Erfolgsfaktoren. Kein junger und kleiner Anbieter sollte auf die Idee kommen, ein Standard-Mischfondskonzept in allen wesentlichen Asset-Klassen zu lancieren.

>>Vergrößern

Megatrend Diversifizierung

Erfreulicherweise gibt es eine Vielzahl von Differenzierungs- und Spezialisierungskriterien, die dem Megatrend der Diversifizierung Rechnung tragen. Asset-Klassen, Regionen, Investmentstil, Derivateeinsatz, Investorensegment, Portfoliokonstruktion bis hin zu visionären Themen wie Digitalisierung und Nutzung von Daten- und Informationsmanagement zur Konzeptionierung von Fonds sind nur einige Aspekte. Professionelles Risikomanagement auf Portfolio- und Unternehmensebene sowie die Einhaltung von eigenen und kundenseitigen regulatorischen Anforderungen sind wichtige Hygienefaktoren. Im Zentrum ist und bleibt der Mensch im institutionellen Asset Management. Daher sind die Erfahrung und Kompetenz der handelnden Personen als wesentliche Erfolgskriterien der wichtigste und unveränderte Trend. Vertrauen steht über allem.

Ausblick

Institutionelles Fondsgeschäft wird Wertpapiergeschäft bleiben. Sachwerte wie Immobilien, Infrastruktur oder Private Equity werden sich nicht nur aufgrund der regulatorischen Sicherheit weiter etablieren. Das Geschäft wird sich immer weiterentwickeln. Die Mitte 2015 veränderte Verwaltungspraxis der Bafin ist ein gutes Beispiel dafür, wenn Spezial-AIF unter bestimmten Voraussetzungen eine direkte Kreditvergabe aus Sondervermögen gestattet wird. Kapitalgedeckte Altersvorsorge, demographische Entwicklungen, Digitalisierung, Nachhaltigkeit sowie die globale Verschiebung von West nach Ost sind Megatrends, die unzählige Chancen eröffnen.

Der hier veröffentlichte Beitrag entstammt dem ersten Jahrbuch der HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH. Darin äußern sich Experten zu Themen, welche die Finanzbranche und die Gesellschaft bewegen. In den kommenden Wochen veröffentlichten wir auf DAS INVESTMENT eine Auswahl von Beiträgen aus dieser Publikation. Lesen Sie darin Erkenntnisse und Wissenswertes aus den Bereichen "Branche und Wirtschaft", "Portfolio" und "Öffentlichkeit". An dieser Stelle ein herzliches Danke an die Autoren und die Initiatoren dieses Sammelwerkes.

Dieser Artikel wird bereitgestellt von www.dasinvestment.com

Newsletter-Tipp: DER FONDS - Der Newsletter mit den besten Fonds & ETFs-Tipps >> jetzt kostenlos abonnieren

Immobilienfonds in der Krise alles zum Thema

onvista Premium-Artikel

Diageo, Pernod-Ricard und Co.
Schnaps-Aktien in der Krise: Schnäppchen oder zurecht billig?heute, 14:00 Uhr · onvista
Schnaps-Aktien in der Krise: Schnäppchen oder zurecht billig?
Kolumne von Stefan Riße
Trumps Fed-Attacke könnte verheerende Folgen habengestern, 08:30 Uhr · Acatis
Trumps Fed-Attacke könnte verheerende Folgen haben
Trading-Impuls
Dieser Nasdaq-100-Wert bietet Short-Chancen27. Aug. · onvista
Dieser Nasdaq-100-Wert bietet Short-Chancen