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Brexit: Heute startet das Rennen um die Nachfolge von Theresa May – Wie es gewonnen wird und wer am Start steht

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Brexit: Heute startet das Rennen um die Nachfolge von Theresa May – Wie es gewonnen wird und wer am Start steht

Auf der Insel wird eben gerne abgestimmt. So wird der Posten von Theresa May auch nicht an einem Tag oder gar in einem Wahlgang neu besetzt. Es braucht schon ein paar Abstimmung mehr, um den Vorsitz der Tories zu übernehmen. Heute geht es los und um den 22. Juli rum, soll dann feststehen, wer den freien Platz an der Parteispitze einnimmt.

Zehn Bewerber haben in Großbritannien ihren Hut um die Nachfolge von Theresa May in den Ring geworfen. Wer sie als Chefin der Konservativen Partei beerbt, wird automatisch auch Premierminister. Das Auswahlverfahren ist in zwei Phasen geteilt. In der ersten Phase wird das Feld der Bewerber von den Tory-Abgeordneten in mehreren Wahlgängen auf zwei reduziert. Diese beiden müssen sich einer Stichwahl unter den Parteimitgliedern stellen.

Der Zeitplan:

18. Juni: Nach der ersten Abstimmungsrunde am 13. Juni werden in einem zweiten Wahlgang alle Kandidaten ausgesiebt, die nicht mindestens 33 Stimmen aus der Fraktion auf sich vereinen können.

19.-20. Juni: Weitere Wahlgänge unter den Kandidaten finden solange statt, bis nur noch zwei übrig sind. Bei jeder Runde fällt der Letztplatzierte heraus.

22. Juni: Die beiden verbliebenen Kandidaten präsentieren sich in mehreren Regionalkonferenzen den Mitgliedern. Danach findet die Wahl unter den rund 160 000 Parteimitgliedern statt.

Woche vom 22. Juli: Der Gewinner der Stichwahl wird verkündet. Er dürfte kurz darauf auch zum Premierminister gekürt werden.

Die Zehn Kandidatinnen und Kandidaten:

BORIS JOHNSON: Der Brexit-Hardliner Boris Johnson, der auch vor einem ungeregelten EU-Austritt nicht zurückschrecken würde, gilt derzeit als Favorit. Er ist wortgewandt und Liebling der Parteimitglieder, doch in seiner Zeit als Außenminister stapfte er in etliche Fettnäpfchen. Seinen Posten gab er schließlich auf - aus Protest gegen Mays Brexit-Kurs. Viele trauen ihm zu, enttäuschte Brexit-Wähler, die sich von den Konservativen abgewendet haben, wieder zurückzugewinnen. Ärgerlich für den Ex-Bürgermeister von London: Er muss sich wegen angeblich falscher Angaben, wie viel Geld Großbritannien pro Jahr an die EU zahlen muss, vor Gericht verantworten. Das könnte ihn Stimmen kosten.

JEREMY HUNT: Außenminister Jeremy Hunt hat eine Wandlung vom EU-Befürworter zum Brexit-Anhänger durchgemacht. Viele glauben, dass er sich damit schon in Position bringen wollte für die May-Nachfolge. Als Außenminister gelang es ihm, die europäischen Verbündeten mit ähnlich provokativen Stellungnahmen gegen sich aufzubringen wie sein Vorgänger Boris Johnson. Bei einer Parteitagsrede verglich er die EU mit der Sowjetunion. Vor allem aus den osteuropäischen Mitgliedsstaaten handelte er sich damit wütende Reaktionen ein.

MICHAEL GOVE: Umweltminister Michael Gove gilt als bestens vernetzt, nicht nur im britischen Parlament, sondern auch bei den Mächtigen in der Welt der Medien. Als er nach einem gescheiterten Versuch, Premierminister zu werden, kurzzeitig auf den hinteren Bänken im Parlament Platz nehmen musste, verdingte er sich nebenberuflich als Journalist. Gove gilt als Protegé des US-Medien-Moguls und Trump-Verbündeten Rupert Murdoch. Kritiker sehen in ihm einen politischen Wendehals, der seine Ambitionen skrupellos verfolgt.

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RORY STEWART: Er gilt im Rennen um Mays Nachfolge als äußerst kompetent, bleibt nach Einschätzung britischer Medien allerdings ein Außenseiter: Entwicklungshilfeminister Rory Stewart, der ein bisschen Ähnlichkeit mit Rocksänger Mick Jagger in jungen Jahren hat, ist eigentlich ein EU-Anhänger. Er akzeptiert jedoch das Ergebnis des Brexit-Referendums. Einen ungeregelten Austritt aus der EU lehnt Stewart kategorisch ab und will mit Bürgerbeteiligung einen Brexit-Kompromiss ausarbeiten. Sollte er Premierminister werden, möchte er den Klimaschutz verstärken. Stewart ist ein Tausendsassa: Er verfasste mehrere Bücher, unterrichtete privat die Prinzen William und Harry, spricht mehrere Sprachen und arbeitete auch als Diplomat.

SAJID JAVID: Der ehrgeizige Innenminister Sajid Javid wechselte nach dem Referendum auf die Seite der Brexit-Befürworter. Als Sohn eines pakistanischstämmigen Busfahrers verkörpert er den Traum vom sozialen Aufstieg in einer stark durch Klassendenken geprägten Gesellschaft. Erfahrungen in der Finanzwelt sammelte er in der Managementebene der Deutschen Bank. In der Debatte um die Rückkehr einer in Großbritannien aufgewachsenen IS-Frau, die mit ihrem Baby in einem Flüchtlingslager in Syrien festsaß, zeigte er Härte und entzog ihr die Staatsbürgerschaft. Als das Kind starb, hagelte es Kritik.

DOMINIC RAAB: Der ehrgeizige Jurist Dominic Raab gilt als Brexit-Hardliner und hatte schon mehrere Posten in der Regierung. Sein Amt als Brexit-Minister gab er nach nur wenigen Monaten aus Protest gegen den Vertragsentwurf zum EU-Austritt auf. Nicht immer machte er als Brexit-Minister eine glückliche Figur: So handelte er sich mit einer Äußerung zum Handel zwischen Großbritannien und dem Kontinent heftigen Spott ein. Ihm sei das volle Ausmaß der Bedeutung des Ärmelkanals für die Wirtschaft nicht klar gewesen, hatte Raab bei einer Konferenz gesagt. Die Strecke Dover-Calais ist die wichtigste Verbindung zwischen Großbritannien und dem Festland.

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ANDREA LEADSOM: Nach dem Brexit-Referendum und dem Rücktritt von David Cameron 2016 war Andrea Leadsom - neben May - in die engere Auswahl als Parteichefin gekommen. Sie musste sich aber wegen einer unglücklichen Äußerung aus dem Rennen zurückziehen. Später wurde die Brexit-Hardlinerin von Premierministerin May als Ministerin für Parlamentsfragen ins Kabinett geholt. Ende Mai trat Leadsom aus Protest gegen Mays Brexit-Politik von ihrem Posten zurück - und beschleunigte damit womöglich den Abschied ihrer einstigen Rivalin.

MATT HANCOCK: Gesundheitsminister Matt Hancock lehnt einen Brexit ohne Deal ab. Ihm werden im Rennen um die Nachfolge von May allerdings wenig Chancen eingeräumt. Er selbst hebt in Interviews seine Energie und Durchsetzungskraft hervor.

ESTHER MCVEY: Aus Protest gegen Mays Brexit-Kurs legte Arbeitsministerin Esther McVey ihr Amt nieder. Sie besteht darauf, dass Großbritannien am 31. Oktober die EU verlassen muss - und nimmt dafür auch einen ungeregelten Austritt in Kauf.

MARK HARPER: Obwohl er ein EU-Freund ist, akzeptiert Mark Harper das Brexit-Referendum. Er selbst sieht sich im Rennen um Mays Nachfolge als Außenseiter. Harper wäre für eine kurze Verlängerung der Austrittsfrist über den 31. Oktober hinaus. Falls das nicht möglich sei, würde er auch einer Loslösung von der EU ohne Deal zustimmen.

onvista/dpa-AFX

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Foto: Drop of Light / Shutterstock.com

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