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Dax oder MDax, wer hat die Nase vorn?

Jessica Schwarzer

Die Börsen sind weltweit auf Rekordjagd und in Deutschland schauen alle auf den Dax. Dabei läuft sein kleiner Bruder, der MDax, viel besser. Auch mit Rekorden tut er sich leichter. Warum eigentlich?

Dax oder MDax, wer hat die Nase vorn?

Ein paar Punkte fehlen noch, dann hat er es endlich geschafft: den neuen Rekord! Der Dax notiert nur noch gut drei Prozent unter seinem Allzeithoch. Oder muss es heißen: immer noch? Denn die großen Indizes an der Wall Street eilen längst von Rekord zu Rekord. Der Dax jedoch hat etwas Anlaufschwierigkeiten. Aber bald sollte er es geschafft haben. Fast zwei Jahre hat es dann gedauert, denn der (noch) aktuelle Rekord stammt aus dem Frühjahr 2018.

Der MDax ist ebenfalls auf Rekordjagd. Es fehlen nur noch etwa 1,5 Prozent, dann markiert der Index für die mittelgroßen Aktien ein neues Hoch. Im Gegensatz zum Dax tut sich der MDax mit Rekorden allerdings leichter: Er hat im Jahr 2018 immer wieder Rekordstände erreicht, bevor es dann wie beim Dax im letzten Quartal massiv abwärts ging. Wie so oft, erholte sich der kleine Bruder des Dax aber etwas schneller wieder.

Überhaupt schneiden die mittelgroßen Werte an der Börse regelmäßig besser ab als die Standardwerte. Seit Jahresbeginn haben sich die beiden Indizes zwar mehr oder weniger gleich gut entwickelt und der MDax hat nur leicht die Nase vorne, aber auf mittel- bis langfristige Sicht ist seine Outperformance wirklich beeindruckend: In den vergangenen drei Jahren legte der MDax etwas mehr als 30 Prozent zu, der Dax weniger als 25 Prozent. Auf Sicht von fünf Jahren aber hängen die Nebenwerte die Dickschiffe sehr deutlich ab: Fast 60 Prozent legten sie zu, die Standardwerte kamen nur auf auf ein Plus von etwa 35 Prozent. Noch beeindruckender ist der Blick auf den Zehn-Jahres-Chart: Der MDax ist um stolze 280 Prozent gestiegen, der Dax „nur“ um etwas mehr als 130 Prozent und damit weniger als halb so stark.

Woran das liegt? Statistisch gesehen liefern Nebenwerte die bessere Rendite, zumindest langfristig. Die Gründe sind vielfältig: Kleinere Unternehmen sind wendiger als Großkonzerne, können sich schneller den äußeren Bedingungen anpassen. Außerdem sind sie qua Definition in einer anderen Phase des Unternehmenszyklus. Sie wachsen einfach stärker, können noch neue Geschäftsfelder und neue Märkte erschließen. Die Phase haben die Standardwerte im Dax in der Regel lange hinter sich. Kurzfristig können Nebenwerte allerdings ganz schön schwanken. Wenn auch bei weitem nicht so stark, wie oft gedacht.

Der eigentliche Repräsentant der deutschen Wirtschaft

Ein weiterer Unterschied: Die Unternehmen im MDax – und erst recht im SDax – sind viel stärker von der heimischen Wirtschaft abhängig. Während die Dax-Werte stark exportorientiert sind, sind die mittelgroßen Unternehmen stärker in der Heimat aktiv. Sie hängen an der deutschen Wirtschaft, die in den vergangenen Jahren die Wachstumslokomotive in Europa waren; auch wenn die Lokomotive seit einiger Zeit mächtig stottert. Immerhin sind die Mittelständler im MDax weniger vom Handelskrieg zwischen den USA und China sowie dessen Folgen für die Weltwirtschaft abhängig.

Überhaupt repräsentiert der MDax unsere heimische Wirtschaft viel besser als der in den Medien allzeit präsente Dax: Im MDax dominieren nämlich die Industrieunternehmen mit  knapp 25 Prozent. Im Dax sind es nur gut 13 Prozent. Ähnlich groß ist der Unterschied bei den Immobilienkonzernen: 13 Prozent im MDax, nur zwei Prozent im Dax. In der ersten Liga sind hingegen Finanz-, IT- und Chemiekonzerne signifikant höher gewichtet als in der zweiten Liga.

Rekordkurs oder nicht: Wer auf die deutsche Wirtschaft setzen möchte, kommt am MDax – und im Grunde auch am SDax – nicht vorbei. Nebenwerte gehören ins Depot. Übrigens international nicht nur regional. Auch wenn sie aktuell höher bewertet sind als die Standardwerte.

Foto: Elnur / Shutterstock.com

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Expertenprofil
Jessica Schwarzer Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer ist eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Die gebürtige Düsseldorferin hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Zuletzt erschien ihr viertes Buch 'Hin und Her macht Taschen leer? Was die Börsenweisheiten von Kostolany, Buffett und Co. heute noch taugen - Teil 2’. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sich sie auch mit Vorträgen und Seminaren, und bei der Initiative finanz-heldinnen stark macht.

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