Decentralized Finance: Etwas Großes steht in den Startlöchern – Darum geht es bei dem neuen Blockchain-Hype

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Decentralized Finance: Etwas Großes steht in den Startlöchern – Darum geht es bei dem neuen Blockchain-Hype

Bitcoin ist mittlerweile bei weitem kein unbekanntes Investment mehr, selbst Mainstream-Medien verfolgen bereits seit langer Zeit die Entwicklung der Kryptowährung. Spätestens seit dem Rekordjahr 2017 und der Mündung in das Allzeithoch bei knapp 20.000 Dollar Anfang 2018 hat Bitcoin weltweite Bekanntheit erlangt.

Bitcoin hat 2020 bereits einen wilden Ritt hinter sich

In diesem Jahr ging es ebenfalls bereits wild her für die Kryptowährung. Ein starkes erstes Quartal wurde jäh unterbrochen durch den massiven Corona-Crash, in dem der Kurs mehr als 60 Prozent einbüßen musste, jedoch war die anschließende Erholung mindestens genauso beeindruckend. Ein weiteres wichtiges Event war das sogenannte Halving im Mai, bei dem die neu erzeugte Menge von Bitcoin halbiert wurde, von vorher 12,5 auf nun nur noch 6,25 BTC pro erzeugtem Transaktionsblock. Dieses Ereignis findet, vom Programmiercode so festgelegt, nur alle vier Jahre statt und wird jedes Mal von einer Menge Preisvolatilität begeleitet.

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Aufgrund der reduzierten Menge an neuerzeugten Bitcoin hat sich daraus ein populär gewordenes Preismodell entwickelt, das Bitcoin-Stock-to-Flow-Modell, welches die Kursentwicklung basierend auf der so entstehenden Seltenheit von Bitcoin berechnet, die immer mehr zum tragen kommt und weswegen Bitcoin ähnliche Eigenschaften wie Gold zugesprochen werden. Bisher folgt der Preis diesem Modell beeindruckend genau und die jüngste Kursrally von Bitcoin, die den Preis wieder nachhaltig über die Marke von 10.000 Dollar gehoben hat, nährt die Hoffnungen, dass die nächste lange bullishe Phase für die Kryptowährung begonnen hat, mit einem erwarteten parabolischen Peak, ähnlich dem zum Jahreswechsel 2017/18. Die Analysten-Prognosen gehen hier weit auseinander, der Tenor liegt jedoch bei einem sechsstelligen Kursziel. Einige gehen sogar soweit, die Millionen Dollar Marke für Bitcoin als Ziel zu setzen, wenn nicht in diesem, dann im nächsten „Halving-Zyklus“.

Unter der Oberfläche steckt ein wesentlich komplexeres, stark wachsendes Ökosystem

Man sollte Bitcoin jedoch nicht isoliert betrachten, um die ganze Tragweite des neu erwachten Hypes um die Blockchain-Technologie zu verstehen, denn es steckt mittlerweile ein immer größer werdendes, komplexes Ökosystem dahinter, welches keinen geringeren Anspruch hat, als die traditionelle Finanzwelt durch ein technologisches Upgrade mit einer dezentralen Variante zu ersetzen.

Ein wesentlicher Kurstreiber von 2017 war die Ethereum-Blockchain und diverse darauf stattfindende Projekte. Während die Bitcoin-Blockchain im Kern recht simpel gestaltet ist und sich der Anspruch rein darauf richtet, ein unabhängiges Zahlungssystem zu errichten und Bitcoin als digitales Gold zu etablieren, ist die Ethereum-Blockchain ein wesentlich komplexeres Konstrukt.

Grob zusammengefasst kann man Ethereum als dezentrales, global funktionierendes Betreibssystem beschreiben, auf dem diverse Applikationen errichtet werden, die man mit gängigen Computerprogrammen oder ganzen Plattformen wie Social Media, E-Commerce oder eben finanziellen Dienstleistungen wie Paypal und Co. vergleichen kann. Der Clue an der Sache ist, dass die Ethereum-Blockchain dezentrale Varianten aller gängigen Konstruke ermöglicht, die derzeit unser Leben prägen. Somit können Dritt-Parteien aller Art ausgeschaltet werden, seien es Banken, Datenanbieter, Bezahl-Plattformen und so weiter. Funktionieren tut dies mit sogenannten „Smart Contracts“, intelligenten, sich selbst ausführenden Verträgen, die über das Ethereum-Netzwerk abgebildet werden. Eine gute Ein-Satz-Zusammenfassung: Ethereum ist programmierbares Geld, frei von menschlicher Korruption und begründet auf mathematischen Algorithmen.

ICOs waren gestern, jetzt gibt es einen neuen Hype

2017 war das Aufkommen sogenannter Initial Coin Offerings (ICOs) für einen wesentlichen Teil des Hypes um den Blockchain-Space verantwortlich. Bei einem ICO werden Tokens, die auf der Ethereum-Blockchain konzipiert wurden, gegen Fiat-Geld oder Kryptowährungen an die Interessenten ausgegeben. Es lässt sich also grob mit einem IPO vergleichen – nur ohne Regulation und in einer viel früheren Unternehmensphase. Die Token symbolisieren in der Regel eine Zugehörigkeit an dem Ökosystem des jeweiligen Unternehmens, bzw in dessen Geschäftsmodell. Die Hypephase der ICOs in 2017 und auch noch 2018 war geprägt durch viele Ideen und Träumereien – die Zeit lässt sich gut mit der Dotcom-Blase vergleichen, in der jede Firma irgendwie mit dem Internet arbeiten oder auch nur in Bezug mit diesem gebracht werden wollte – nun, knapp drei Jahre später ist von einem Großteil der ICOs nicht mehr als Ideen und Träume geblieben, viele Projekte sind komplett in der Versenkung verschwunden.

Jedoch ist das nicht bei allen so – und auch hier kann man wieder Parallelen aus der Dotcom-Phase ziehen, denn auch aus dieser Zeit gibt es einige Unternehmen heute noch und diese sind nun die erfolgreichsten der Welt. Einige Blockchain-Startups haben die in ICOs eingesammelten Gelder genutzt und ihre Visionen in echte Produkte und Dienstleistungs-Angebote umgewandelt. Darum ist in den letzten Monaten ein neuer Hype entstanden, der Bitcoin zwar noch nicht so richtig stark erfasst hat, jedoch bei diversen „Altcoins“, also alternativen Coins und Token zu Bitcoin, für raketenhafte Kursanstiege gesorgt hat.

Decentralized Finance

Das Schlagwort für die neu erschaffenen Finanzsegmente in der Blockchain-Welt ist Decentralized Finance – also dezentral aufgebaute Finanzdienstleistungen und Plattformen abseits der traditionellen Bank- und Finanzwelt. Bei Decentralized Finance geht es vereinfacht gesagt darum, traditionelle Finanzprodukte von Banken – Darlehen, Anleihen, Währungstausch – auf die Kryptowelt zu übertragen. Seit März hat sich das Volumen dieser virtuellen Finanzprodukte auf 7,5 Milliarden Dollar versiebenfacht, wie der Branchendienst DeFi Pulse zeigt. Vor allem das Verleihen von Kryptowährungen boomt. Sowohl Stablecoins, also mit Dollar gedeckte Coins, als auch Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum werden verliehen. Allein auf dieses sogenannte Lending entfallen 3,8 Milliarden Dollar. Nutzer verleihen hier ihre virtuellen Coins – statt sie in eigens dafür vorgesehenen „Wallets“ – digitalen Geldbörsen - aufzubewahren. Für das Verleihen erhält man im Gegenzug genau wie in der klassischen Finanzwelt Zinsen. Der Zinssatz ist im Voraus festgelegt oder wird täglich von Algorithmen via Computer berechnet. Auf speziellen Handels-Plattformen können die so verdienten Coins in echtes Geld umgetauscht werden.

Was sind die Vorteile dieser neuen Defi-Protokolle gegenüber den etablierten Angeboten? Laut Meltem Demirors, Chief Strategy Officer beim Krypto-Investmentunternehmen Coinshares, ist es die dezentrale und digitale Natur. „Die Märkte werden nicht mehr nur von neun bis fünf verfügbar sein, sondern 24/7 an 365 Tagen im Jahr.“ Am wichtigsten sei jedoch, dass Sicherheiten, Kredite und Kunden nicht länger an Plattformen gebunden sind. „Stattdessen werden sie wandelbar und übertragbar sein. Die Plattformen werden über die Qualität konkurrieren, und die Märkte werden den Präferenzen und Bedürfnissen der Nutzer folgen - und nicht umgekehrt“, sagt sie.

Finanzdienstleistungen über die Blockchain – der Technologie hinter Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum – sind ohne eigenes Bankkonto möglich, kostenlos, jederzeit und überall verfügbar und transparent. „Solche Kanäle bieten in der Zukunft womöglich eine Brücke zwischen traditioneller Finanzwelt und offener Blockchain-Welt“, prognostizieren auch die Experten der Krypto-Website Blockchaincenter.com.

Das Interesse wächst stark – getrieben durch Vertrauensverlust in die Banken

Das Interesse von Nutzern sei in den vergangenen Monaten „enorm“ gestiegen, sagt Stani Kulechov, Gründer der größten Lending-Plattform Aave, über die laut DeFi Pulse ein Volumen von 1,6 Milliarden Dollar abgewickelt wird. Das ganze Segment der DeFi-Finanzprodukte sei in der Lage, sich selbst zu regulieren und brauche keine externe Aufsicht, da es rein von Angebot und Nachfrage bestimmt werde und durch die Blockchain transparent sei.

Laut Ethereum-Expertin Camila Russo sind es vor allem zwei Kräfte, die die Kursrallye antreiben: „Die Auswirkungen der Covid-Pandemie haben das Vertrauen in die Finanzinstitutionen noch weiter verschlechtert - das veranlasst immer mehr Menschen, über alternative Währungen und Systeme nachzudenken“, erklärt sie im Gespräch mit dem Branchendienst Finance Forward. Die zweite Kraft sei „das unglaubliche Ausmaß an Innovation und Aktivität im dezentralisierten Finanzwesen. Die Menschen wachen auf und stellen fest, dass ein völlig neues, paralleles Finanzsystem aufgebaut wird, das für jedermann zugänglich ist.“

Die Jagd nach Zins und Rendite

„In einer Welt, in der Kapital im Überfluss vorhanden, aber die Rendite knapp ist, sind Investoren bereit, sich auf der Risikokurve weiter nach außen zu bewegen, um Renditen zu erzielen“, sagt Meltem Demirors. Besonders im B2B-Bereich werde „die Erweiterung nützlicher und intuitiver Produkte ein wichtiger Motor für das Wachstum der Branche sein“.

Die meisten Nutzer von Krypto-Lending sind nach Ansicht von Branchenkennern Zocker. Sie leihen sich etwa die Kryptowährung Ethereum, handeln damit andere Tokens auf verschiedenen Plattformen, zahlen ihre Kredite zurück und sacken erzielte Handelsgewinne ein. In der noch jungen und teils gesplitteten Kryptowelt mit vielen verschiedenden Handelsplätzen auf aller Welt und teils geringen Volumina ist es mittels algorithmischem Traiding zudem möglich, extremes Arbitrage-Trading zu betreiben. Das Kapital wird sich innerhalb eines Transaktionsblocks ausgeliehen, der Trade ausgeführt und im selben Transaktionsblock wieder zurückgegeben.

Die Chancen sind enorm – die Risiken aber auch

„Bislang ist es nur ein Experiment im Finanzbereich“, sagt Anwalt Preston Byrne von der Kanzlei Anderson Kill in New York. „Vielleicht sind nicht alle Transaktionen immer ganz legal, aber das bedeutet nicht, dass das in der Zukunft nicht anders sein wird.“ Verfechter von Kryptowährungen sind davon überzeugt, dass die DeFi-Angebote das Potenzial haben, die klassische Finanzwelt der Banken auf den Kopf zu stellen. Der normale Sparer verdient schon lange kein Geld mehr nur mit Zinsen, zudem verlangen die Banken in der Regel Geld für ihre Dienstleistungen.

Andere Fachleute warnen dagegen vor dem Risiko eines Totalverlusts. Die Kryptowährungsbranche und damit auch die mit ihr verbundenen Finanzdienstleistungen sind unreguliert, immer wieder kommt es zu Hackerangriffen auf die Handels-Plattformen. Auch die ICO-Phase hat viele mit leeren Taschen zurückgelassen. Durch die vor drei Jahren noch viel geringere Regulation gab es bei vielen Angeboten praktisch keine Aufsicht – eine Tatsache die sich auch viele Betrüger zu Nutze gemacht haben. Viele Investoren haben in ICOs investiert, die bahnbrechende neue Geschäftsmodelle versprochen haben, deren Initiatoren nach dem abgeschlossenen ICO jedoch mit den Geldern über einen „Exit-Scam“ von dannen gezogen sind.

Teilweise wird der Markt heute noch von den Auswirkungen heimgesucht. Die Verkäufe der Erlöse von „PlusToken“, einem vermeintlichen Wallet-Anbieter aus China und dem bisher größten bekannten Betrugsfall, finden bis heute immer wieder statt und sind in Vergangenheit bereits als Grund für Preiseinbrüche bei Bitcoin hergenommen worden.

Dass es auch im Defi-Bereich schiefgehen kann, erlebten im März rund 1200 Investoren auf der Lending-Plattform Maker. In wenigen Sekunden verschwanden ihre virtuellen Positionen, weil der Preis der Kryptowährung Ethereum urplötzlich und ohne ersichtlichen Grund eingebrochen war. Aufsichtsbehörden in einigen Ländern haben in den vergangenen Jahren den Handel mit Kryptowährungen zwar schon zum Teil reguliert, aber sie können kaum mithalten mit den immer neu entstehenden Angeboten.

Die Zukunft könnte groß werden

Dennoch zeigt das Wiederaufleben der Branche, dass die Geschichte um Bitcoin und die Blockchain noch lange nicht vorbei ist. Im Gegenteil, obwohl schon so oft tot gesagt, läuft die Adaption der Technologie unaufhaltsam weiter und mit Defi zeigen sich nun erste wirklich bahnbrechende Entwicklungen, die aus den Ideen und Konzepten der ICO-Hypephase vor einigen Jahren hervorgegangen sind und tatsächlich funktionieren. Vergessen darf man zudem nicht, dass es in jeder frühen Phase einer neuen technologischen Ära Hindernisse und Rückschläge gibt, beim Internet war das nicht anders. Dennoch ist es heute aus der Welt nicht mehr weg zu denken. Die massiv angeschlagenen Finanzmärkte und die drängenden Probleme, die seit der Finanzkrise 2008 herrschen und durch die Corona-Krise verstärkt worden sind, könnten es zudem auch dringend notwendig machen, dass eine neue Technologie deren Platz einnimmt und für eine Weiterentwicklung sorgt, so wie es auch in der Vergangenheit immer wieder passiert ist.

Von Alexander Mayer mit Material von Reuters

Titelfoto: 13_Phunkod / Shutterstock.com

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