Thyssenkrupp: Liberty Steel wirft Hut in den Ring – Kritik von Arbeitnehmerseite, den Aktionären gefällt es – Aktie zweistellig im Plus

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Thyssenkrupp: Liberty Steel wirft Hut in den Ring – Kritik von Arbeitnehmerseite, den Aktionären gefällt es – Aktie zweistellig im Plus

Die britische Liberty Steel will die kriselnde Stahl-Sparte von Thyssenkrupp übernehmen. Liberty habe dazu ein erstes, nicht bindendes Angebot abgegeben, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Durch einen möglichen Zusammenschluss beider Stahlkocher könnten diese den Herausforderungen der europäischen Stahlindustrie besser begegnen, warben die Briten.

Zu einem möglichen Preis haben sie sich jedoch noch nicht geäußert. Liberty wolle genauer in die Bücher der Stahlsparte schauen, „um potenziell ein verbindliches Angebot vorlegen zu können“. Die mit Thyssenkrupp geführten Gespräche seien nicht exklusiv, hieß es weiter.

Angst vor massivem Job-Abbau

Die Arbeitnehmer hatten sich bereits ablehnend geäußert. „Liberty will offenbar im Ein-Euro-Laden einkaufen“, sagte der NRW-Bezirkschef Knut Giesler der Nachrichtenagentur Reuters. Bei einem Verkauf des Stahlgeschäfts an Liberty drohe eine Zerschlagung von Thyssenkrupp Steel Europe und der Verlust zahlreicher Arbeitsplätze.

Die Aktionäre sehen das offenbar weniger kritisch. Die arg gebeutelten Thyssenkrupp-Aktien sind im heutigen Handel um knapp 14 Prozent nach oben geschossen.

Nach dem milliardenschweren Verkauf der Aufzugsparte könnte sich der Ruhrgebietskonzern damit auch von seinen Wurzeln trennen. Auch die indische Tata-Gruppe sowie der schwedische SSAB-Konzern gehörten zu den Interessenten, hieß es in einem Spiegel-Bericht. Thyssenkrupp wollte die Informationen am Freitagmorgen nicht kommentieren.

Nach einer grauenvollen Aktienkursentwicklung von Thyssenkrupp, die das Chaos in dem Konzern widerspiegele, berge der Bericht über den Verkauf der Stahlsparte hohes Potenzial, so ein Händler. So haben die Papiere allein im bisherigen Jahresverlauf rund 60 Prozent eingebüßt.

Aufspaltung unausweichlich?

Ein Verkauf würde de facto bedeuten, dass sich Thyssenkrupp aufspalte, da bereits das Aufzuggeschäft veräußert sei und auch andere Bereiche noch zum Verkauf stünden, erklärte der Händler. So hatten die Essener Ende Juli die Aufzugsparte für gut 17 Milliarden Euro an Finanzinvestoren verkauft und sich finanziell damit Luft verschafft.

Thyssenkrupp braucht seit Jahren Geld, um den Konzernumbau zu stemmen und die Schulden zu senken. Die Corona-Krise macht den Essenern bei den ursprünglichen Plänen jedoch einen Strich durch die Rechnung, in diesem Geschäftsjahr erwarten sie einen Milliardenverlust.

Die Zukunft des Stahlgeschäfts trieb Anlegern zuletzt denn auch häufiger Sorgenfalten in die Stirn. Die IG Metall hatte vor einigen Tagen einen Einstieg des Staates in die Stahlsparte des Essener Traditionskonzerns als Rettungsmaßnahme gefordert. Aus der Politik waren aber ablehnende Signale gekommen.

onvista/dpa-AFX/reuters

Titelfoto: Tobias Arhelger / shutterstock.com

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