Wirecard: China-Expansion läuft ungebremst – Unsicherheiten hängen aber trotzdem auf dem Kurs – Aktie steigt vorsichtig
Wirecard baut sein Geschäft in China weiter kräftig aus. Den Kunden des chinesischen Zahlungsabwicklers Yeepay, der vor allem mit großen Reisebüros und chinesischen Fluglinien seine Geschäfte macht, will der Dax -Konzern künftig Bezahldienste außerhalb Chinas anbieten, wie Wirecard am Donnerstag mitteilte. Yeepay sei der größte Zahlungsabwickler der chinesischen Reisebranche und das potenzielle jährliche Transaktionsvolumen der Partnerschaft betrage mehr als 17 Milliarden Euro, hieß es von dem Unternehmen. Wirecard baut derzeit seine Geschäfte mit chinesischen Partnern deutlich aus und steigt mit einer Übernahme auch selbst in den Markt ein. In der Vorwoche wurde die Übernahme von Allscore Payment bekanntgegeben, ein Schritt, der Wirecard als einem der ersten aus dem Westen stammenden Unternehmen einen Fuß in den chinesischen Payment-Markt setzen lässt. Mitte September hatte das Unternehmen zudem seine Partnerschaft mit Unionpay erweitert, dem führenden chinesischen Kreditkartenkonzern. CEO Markus Braun sieht in Asien einen lukrativen Wachstumsmarkt, schon allein deswegen, weil die Bevölkerungszahl des Kontinents so hoch ist.
Die Expansion geht weiter
Wirecard war bisher vor allem groß im Geschäft mit kleineren Händlern, die Zahlungen online oder elektronisch abwickeln. Ende 2018 waren es von fast 300.000 Händlern nur 16 Kunden, die ein Transaktionsvolumen von über einer Milliarde Euro auf der Wirecard-Plattform abwickelten. In diesem Jahr will Vorstandschef Markus Braun die Zahl der Großkunden mindestens verdoppeln. Wirecard nimmt von abgewickelten Zahlungen im Schnitt rund 1,6 Prozent als Gebühr, bei großen Deals können es wegen des harten Wettbewerbs auch etwas weniger sein. Wirecard kalkuliert laut früheren Aussagen von Braun damit, dass von potenziellem Transaktionsvolumen rund zwei Drittel auch zu Abwicklungen werden.
Das sagen die Verantwortlichen zu der Kooperation
„Wir freuen uns über die neue Partnerschaft mit YeePay, durch die wir fortan vom Status und der Expertise des Unternehmens im chinesischen Airline- und Reisemarkt profitieren“, kommentiert Jörg Möller, EVP Travel & Mobility bei Wirecard. „Wirecard ist bereits einer der größten internationalen Acquirer für Fluggesellschaften außerhalb Chinas und arbeitet mit mehr als 100 Fluggesellschaften weltweit. Die Kooperation mit YeePay und seinen Kunden ermöglicht es uns, unsere Präsenz in diesem ständig wachsenden Marktsegment weiter auszubauen.“ „Als bevorzugter Acquiring-Partner der chinesischen Fluggesellschaften sind wir ständig auf der Suche nach neuen Partnerschaften, die unser Serviceangebot verstärken“, ergänzt Bin Tang, CEO von YeePay. „Mit Wirecard erweitern wirunsere Präsenz auf globaler Ebene und können unseren Kunden so ein modernes und innovatives Zahlungserlebnis bieten, egal an welchem Ort der Welt sie sich befinden.“
Aktie leicht im Plus
Die Papiere von Wirecard konnten heute in den ersten Handelsstunden ein Plus von 0,7 Prozent einfahren, die weitere Expansion in den chinesischen Markt kommt bei den Anlegern also gut an. Die Folgen des letzten Financial-Times-Berichtes hat die Aktie allerdings trotz weiterer Kooperationen und einem guten Quartalsbericht immer noch nicht verdaut. Auf Monatssicht beläuft sich das Minus noch auf fast 15 Prozent, auf Jahressicht steht ein Minus von 23 Prozent zu Buche.
Der Kurs liegt weiterhin unter den Trend-Linien, selbst die 200-Tage-Linie liegt nach dem letzten Einbruch noch weit entfernt. Seit den Q3-Zahlen ist jedoch wieder ein moderater Aufwärtstrend erkennbar. Dennoch bleibt die Aktie spekulativ, auch angesichts der noch ausstehenden Ergebnisse des externen Prüfers für die Bilanzvorwürfe, KPMG.
Auch ein hoher Teil der Analysten ist dem Wert gegenüber verhaltener eingestellt. Die Citigroup äußerte sich zuletzt im März und hatte das Ziel von zuvor 144 auf 100 Euro deutlich gesenkt. Bereits damals waren die Gründe die Vorwürfe der Bilanzfälschung.
Die Bank of America stuft die Wirecard-Aktie aktuell mit „Underperform“ und einem Wert von 120 Euro ein, also ungefähr auf momentanem Wert, und rechnet also mit einer unterdurchschnittlichen Entwicklung. Analystin Adithya Metuku zeigte sich mit Blick auf die zukünftigen Wachstumstreiber skeptisch.
Auch die US-Großbank Goldman Sachs hatte die Einstufung für die Aktie auf „Buy“ belassen, aber das Kursziel deutlich gesenkt. Analyst Mohammed Moawalla argumentierte mit Risiken im Ergebnis der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und bei Untersuchungen in Singapur. Das Kursziel senkte er von 230 auf nur noch 175 Euro.
onvista/dpa-AFX
Titelfoto: Anton Garin / Shutterstock.com
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