onvista-Börsenfuchs: Der Preis ist heiß

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Hallo Leute! Analysen und Prognosen versprechen am Wochenende besonders interessant zu sein – und deshalb auch besonders intensiv gelesen zu werden. Nehmt beispielhaft die folgenden Headlines von heute. Die Meldungen dazu flatterten innerhalb von weniger als einer Handvoll Stunden auf den Monitor. Sie sind auch nur ein Auszug aus der gewohnten Info-Welle. Nun stellt Euch vor, diese Meinungen und Empfehlungen sollen dem interessierten Leser für seine aktuelle Börsentaktik dienen. Der Mann (bzw. die Frau) müsste sich einen Tag freinehmen.

Hier die Überschriften: Schrumpfende Fed-Bilanz – sinkende Aktienkurse? Erfreuliche Gewinne stützen die Aktienmärkte – doch wie lange noch? Sinkende Kurse bei robusten Gewinnen. Der Aktienmarkt fürchtet hohe Zinsen mehr als den Ukraine-Krieg. Deutsche Wirtschaft kommt kaum vom Fleck. Gold hält sich – mit Risiken. Herausforderungen für den Technologiesektor. Aktien im Fokus, die weniger abhängig von Lohnkosten sind. Stimmung schlechter als die Lage. Inflation bleibt hoch, Tech bleibt teuer, Währungshüter bleiben glaubwürdig.

Alles klar? Nee, weniger denn je. Das Meinungsbild der Profis ist so uneinheitlich wie die Kursentwicklung am Aktienmarkt. Und es geht bei allen um den Preis (oder die Preise): zuallererst um die Inflation, dann um die Zinsen und das Wachstum der Wirtschaft – und schließlich um die Preise von Aktien und Anleihen, Gold und Bitcoin usw.

Es kann nur Zufall sein, dass die mitunter extremen Stimmungs- und Kursschwankungen mit der Renaissance der RTL-Show „Der Preis ist heiß“ zusammenfallen. Die wurde ursprünglich ab 1989 gesendert (wer erinnert sich noch?). In den acht Jahren Sendezeit der deutschen Fassung wurden insgesamt 1873 Folgen produziert, die RTL montags bis freitags ausstrahlte, stellenweise gab es auch Wochenendausgaben. Moderator war der Niederländer Harry Wijnvoord, der auch ab nächste Woche für Stimmung sorgen will.

Und wie „heiß“ sind mittlerweile die Preise für Produzenten, Händler und Verbraucher geworden? Glaubt nur nicht an eine baldige Normalisierung, meine Freunde. Denn nach der gestern bekanntgegebenen, nochmals höheren Inflationsrate, zeigen heute die Zahlen des Statistischen Bundesamts, dass der Preisauftrieb auch im Außenhandel anhält. Im März stiegen die Preise für nach Deutschland importierte Waren zum Vorjahresmonat um 31,2 Prozent. Das ist der stärkste Zuwachs seit dem Jahr 1974. Analysten hatten im Schnitt mit einer Rate von 28,6 Prozent gerechnet. Im Februar waren die Einfuhrpreise um 26,3 Prozent gestiegen. Außerdem: Die massiv gestiegenen Energiepreise infolge des Ukraine-Kriegs haben die Inflation im Euro-Raum auf ein neues Rekordhoch getrieben – jetzt auf Rekordhoch (+ 7, 5 Prozent).

Börsianer leben in einer gefährlichen Zeit. Denn die Preise sind heiß geworden, was wirtschaftsstatistisch zu hoch oder zu niedrig bedeutet. Ich befürchte, dass eine Rückkehr zu „normalen“ Verhältnissen (was ist das?) erst nach Kriegsende (wann kann das sein?) möglich wird. Deshalb droht 2022 ein in jeder Hinsicht schlimmeres Jahr zu werden, als es die meisten Propheten (heute noch) sehen.

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