onvista-Börsenfuchs: Entscheiden müsst Ihr Euch schon selbst

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Quelle: onvista

Hallo Leute! Man könnte sich jeden Tag mit den alten und neuen Fragezeichen auseinandersetzen, die für die allgemeine Unsicherheit verantwortlich sind. Mein Nachbar (der mit den zu vielen Einzelaktien) hat sich entgegen seiner Ankündigung auch nicht mehr gemeldet. Er braucht Antworten, bevor er sich entscheiden kann. Ich habe ihm bisher – offenbar vergeblich – klarzumachen versucht, dass er am Ende des Tages selbst über die Zusammensetzung seines Depots entscheiden sollte. Außerdem sage ich (zu seiner Verblüffung) immer wieder: Wenn eine Frage beantwortet ist, entsteht fast automatisch eine neue. „Also leben Sie mit den Fragen!“

Ich werde ihm dazu die passende Aktualität vom heutigen Tag liefern: Die Aussichten für die Wirtschaft in Europa trüben sich wegen des Krieges in der Ukraine ein. Die EU-Kommission musste ihre Vorhersage für Wachstum und Inflation deutlich nachbessern. Die Prognose für Deutschland wurde ebenfalls gesenkt. Auch China droht das von der Regierung ausgegebene Wachstumsziel zu verfehlen. In der Volksrepublik sorgen die strengen Lockdowns in den Millionenstädten, unterbrochene Lieferketten und Betriebsstilllegungen dafür, dass die Industrieproduktion und der Konsum einbrechen. Schon diese komprimierte Zusammenfassung aus dem täglichen Bankenberief sollte ihm einleuchten. Man kann’s aber auch auf eine einzige Info beschränken:

„Die deutsche Industrie hat mit ihrem aktuellen Auftragsbestand einen Rekord erreicht. Ohne einen einzigen neuen Auftrag könnte sie 4,5 Monate produzieren, wie aus der Ifo-Umfrage im April hervorgeht.“ Hey, das ist doch gut News, nix Rezession. „Bei der letzten Umfrage im Januar waren es 4,4 Monate. Im langjährigen Durchschnitt liegt die Auftragsreichweite bei 2,9 Monaten. Der Zuwachs an Reichweite ist jetzt nur noch gering. Das deutet darauf hin, dass sich der Eingang an neuen Aufträgen allmählich abschwächt.“ Hmm, das klingt nicht so gut. „Der Auftragsstau spiegelt nicht nur die hohe Nachfrage nach deutschen Industriewaren in den vergangenen Monaten wider, sondern auch die Schwierigkeiten der Unternehmen, die bestehenden Aufträge aufgrund des Mangels an wichtigen Vorprodukten und Rohstoffen zeitnah abzuarbeiten.“ Aha, aber was bedeutet der Auftragsstau? „Falls sich die Lieferengpässe in den kommenden Monaten auflösen würden, könnte die Produktion in der deutschen Industrie durchstarten. Das würde dann die Wirtschaftsleistung kräftig anschieben.“ Na, also, darüber würde sich auch die Börse freuen. „Allerdings spricht derzeit vieles eher für eine Verschärfung der Lieferengpässe, vor allem als Folge der rigorosen Lockdowns in China, von wo Deutschland zuletzt 15 Prozent seiner importierten Vorprodukte bezog.“ Die Chinesen sind demnach Mitschuld an der Schwierigkeit, über den Tellerrand der Tagessuppe hinwegzublicken – aber die haben selbst momentan genug Probleme.

Für was könnte sich mein Nachbar entscheiden (unter anderem): Stockpicking, nur noch in Fonds investieren, extrem langfristig in Aktien anlegen (Sparplan) – oder eine Zeitlang gar nix machen und zusehen.

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