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onvista-Börsenfuchs: Anleger zwischen Russen, Amis und Chinesen

onvista · Uhr
Quelle: onvista

Hallo Leute! Guckt Euch mal den Dax-Chart an (zum Beispiel für 1 Monat). Mich erinnert das sinnlos aussehende Auf und Ab eher an erste Zeichenübungen eines Kinds im Vorschulalter. Jedenfalls ist das Gekritzel keine Orientierungshilfe für Privatanleger, die keine Ahnung von technischer Analyse haben. Die einfachste Begründung (zusammengefasst): Wir erleben eine Phase extremer Unsicherheit, in der besonders mutige Großanleger durch kurzfristiges Rein und Raus für die richtungslosen Kurszuckungen sorgen.

Nun werden manche von Euch, meine Freunde, als Nur-Zuschauer der Börse unruhige Beine kriegen. Kann ich voll gut verstehen. Man möchte dabei sein. Ich lasse mal das Dauerthema „Sinnvoll mischen“ beiseite, also keine Empfehlungen zu Themen, Branchen, Value oder Growth etc. Aber für den ganz weitsichtigen Anleger ist von Interesse, die Chancen und Risiken der großen Regionen und Länder zu (er)kennen.

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Beim Blick auf den Globus werde auch ich zwar wankelmütig, jedenfalls von Zeit zu Zeit bzw. bei neuen Entwicklungen, die kursrelevant sein können. Bei aller Sympathie für unsere heimischen Märkte verspüre ich keine große Neigung, gerade jetzt in europäische Aktien zu investieren. Vereinfachend: Solange Krieg herrscht, sind andere Länder interessanter, weil nicht direkt betroffen. Ami-Land spielt da aus einer ganzen Reihe von Gründen die Hauptrolle. Im Unterschied zur Eurozone profitieren die USA von ihrer geringen Außenhandelsabhängigkeit, von der Ausgabenfreude der Privathaushalte sowie der regen Investitionstätigkeit der Unternehmen. Von daher werden die USA im zweiten Quartal eine ordentliche Zuwachsrate beim realen Bruttoinlandsprodukt erzielen. Doch auch in den USA mehren sich die Vorzeichen für eine spürbare wirtschaftliche Verlangsamung. Einige Analysten warnen neuerdings vor einer drohenden Stagflation in den USA.

Trotzdem ist das Kapital privater Anleger an der Wall Street sicherer als in London oder Frankfurt. Dazu kommen als politische Komponente die wiederholten Annäherungsversuche der beiden Großmächte. Amis und Chinesen bilden (trotz wiederholter Spannungen) eine Achse, auf der die Europäer nur noch eine Nebenrolle spielen werden. China bleibt auch wachstumsorientiert: Peking will mit der Senkung eines wichtigen Zinssatzes für langfristige Kredite die aktuelle Abschwächung der Konjunktur mildern. Die Fünfjahres-Prime-Rate, eine Referenzgröße für Immobiliendarlehen, wurde von 4,6 auf 4,45 Prozent gesenkt, wie die chinesische Zentralbank heute mitteilte. Volkswirte hatten mit einer Senkung gerechnet, allerdings in geringerem Umfang. Mit der Zinssenkung soll die Nachfrage nach Darlehen angekurbelt werden, da wochenlange Corona-Lockdowns und eine Krise des Immobiliensektors die Stimmung bei Verbrauchern und Unternehmen drückt.

Die geopolitische Lage bleibt ein wichtiges Thema, und die Kapitalmärkte beobachten die Geldpolitik der Federal Reserve genau. Darüber hinaus ist auch die Situation in China für die Anleger nach wie vor von großem Interesse. Ob eine globale Stagflation eintritt, hängt nicht zuletzt vom Konjunkturverlauf in China ab. Kann die chinesische Regierung ihre „dynamische Null-Covid-Politik“ fortsetzen und gleichzeitig die angestrebte Wachstumsrate von rund 5,5% für dieses Jahr erreichen? Das ist die zentrale Frage für die Anleger. Nächste Woche gibt’s neue Daten.

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