onvista Börsenfuchs: Inflation als Spekulation

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Quelle: onvista

Hallo Leute! Das Irre wird Alltag: Die Inflation in der Eurozone hat im Oktober erneut einen Rekordwert erreicht. Gegenüber dem Vorjahresmonat stiegen die Verbraucherpreise um 10,7 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat heute mitteilte. Volkswirte hatten „nur“ mit einer Rate von 10,3 Prozent gerechnet. Die Oktober-Rate ist die höchste seit Einführung des Euro als Buchgeld 1999.

Getrieben wurde die Teuerung erneut durch den starken Anstieg der Energiepreise, die sich zum Vorjahresmonat um 41,9 Prozent erhöhten. Zudem beschleunigte sich der Höhenflug bei Lebens- und Genussmitteln, die um 13,1 Prozent zum Vorjahr zulegten.

Na und? Kein Aufschrei des Entsetzens war als spontane Reaktion der Fachleute zu hören oder zu lesen. Speziell die Börsenprofis sind (eigentlich unbegreiflich) weiterhin unsicher – das aber, weil sie mehrere Problemthemen verdauen müssen. Dazu gibt es auch vereinzelte Hoffnungsmeldungen, wie zum Beispiel: Die Ölpreise sind am Montag nach schwachen Konjunkturdaten aus China deutlich gefallen. Good News? Nee. Denn Ursache waren enttäuschende Wirtschaftsdaten aus China. Marktbeobachter verwiesen ausdrücklich auf unerwartet schwache Konjunkturindikatoren aus China. Am Morgen war bekannt geworden, dass sich die Stimmung der Einkaufsmanager in der chinesischen Industrie und im Bereich Dienstleistungen im Oktober eingetrübt hat. Die Stimmungsdaten sind schwächer ausgefallen, als am Markt erwartet worden war. Die offiziellen Stimmungsindizes der chinesischen Regierung sind zudem unter die sogenannte Expansionsschwelle von 50 Punkten gefallen. Damit deuten die Daten auf einen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivitäten hin.

Zurück nach Euroland, wo die Spekulation über die Inflation neue Nahrung erhalten hat. Denn die Volkswirte sind sich auch jetzt noch nicht einig, wie es weitergehen könnte. Mehrheitlich glauben heimische und internationale Vordenker, der Gipfel sei noch nicht erreicht. Die einen sehen den Teuerungshöhepunkt gegen Jahresende (Dezember?), andere erst im Verlauf von 2023, weil sich dann auch der Basiseffekt auswirken wird. Die Marke von 12 Prozent hatte man vor einem Jahr noch mit dem Scheinriesen Tur Tur verglichen – heute ist sie keine Märchenfigur.

Inflation ist auf einem unerwartet hohen Level zum (indirekten) Spekulationsobjekt geworden, das im gleichen Atemzug mit der börsentäglichen Diskussion über die nächsten zinspolitischen Schritte der Fed und anderer Notenbanken nach oben behandelt wird. Das ist kein Umfeld für Gelassenheit und schon gar nicht für grenzenlosen Optimismus der Anleger. Unabhängig von der Tagestendenz erscheint es sinnvoll, meine Freunde, nur mit Vorsicht (und nicht mit Übermut) auf den Finanzmärkten aktiv zu werden!

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