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Indizes Teil 1: Das Maß der Dinge

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Eine Einführung in die Welt der Indizes.

Quelle: onvista

„Der Dax fällt weit hinter die 16.000 zurück“, hieß es zuletzt in den Nachrichten. Anleger würden weitere Zinserhöhungen in den USA befürchten, die Stimmung sei gedämpft. Meldungen wie diese hört man immer wieder. Dabei hast du dich vielleicht schonmal gefragt: Wie kann ein Punktestand die Situation an der Börse überhaupt abbilden? Und wenn es um überregionale Märkte geht: Was bedeuten zum Beispiel die Kürzel MSCI World oder Euro Stoxx 50? Wir schauen diese Woche auf die Richtschnur der Börse: Indizes. 

Die Definition

Indizes – der Plural von Index – sind eine Liste von Wertpapieren, die einen bestimmten Markt abbilden. Das können Aktien sein, aber auch Anleihen, Rohstoffe oder andere Anlageklassen. Indizes konzentrieren sich immer auf ein bestimmtes Anlageuniversum und treffen darin eine Titelauswahl. Die Oberthemen sind unterschiedlich, manche Indizes fokussieren sich beispielsweise regional – wie der Dax (Deutscher Aktienindex) auf deutsche Aktien. Andere bilden eine bestimmte Branche ab, zum Beispiel Tech, erneuerbare Energien oder Gesundheit. Meist verrät der Titel, worum es in einem Index geht: So führt der Euro Stoxx 50 die 50 größten europäischen Unternehmen nach Marktkapitalisierung. Das „Stoxx“ steht dabei für den Indexanbieter, am bekanntesten sind hier MSCI, Stoxx, S&P und FTSE. 

Indizes investieren nicht

Gut zu wissen: Indizes zeigen dir zwar eine Wertentwicklung, sie investieren aber nicht in Wertpapiere. Deshalb werden ihre Werte auch nicht in Währungen angegeben, sondern in Indexpunkten. Ein Zeitpunkt X markiert die Startpunktzahl, davon ausgehend betrachtet man die Wertveränderung. Wenn der Dax also aktuell bei 15.900 Punkten steht, heißt das, dass sein Punktestand seit seiner Auflage im Jahr 1987 um fast 1.600 Prozent gestiegen ist. Deshalb sind die Punktestände der Indizes auch nicht miteinander vergleichbar, schließlich haben alle einen anderen Ausgangswert. Lediglich die Wertentwicklung lässt sich gegenüberstellen.

Und auch dabei ist Vorsicht geboten. Denn: Nicht alle Indizes werden gleich berechnet. Am verbreitetsten ist die Gewichtung nach Marktkapitalisierung, das ist der Kurswert multipliziert mit der Aktienanzahl. Nach diesem Prinzip setzen sich beispielsweise der weltweite Aktienindex MSCI World und der US-Index S&P 500 zusammen. Die Wertentwicklung von Unternehmen mit einer besonders hohen Marktkapitalisierung beeinflusst den Indexwert dabei stärker als die der kleineren Unternehmen. Bei der Berechnung der Indexpunkte werden nur die frei handelbaren Aktien berücksichtigt (der sogenannte Streubesitz, engl. Free Float). Alles in der Hand von Großaktionären fließt also nicht in die Berechnung ein.  

Alternativ können Indizes ihre Titel auch nach Preisen gewichten. Die Kurse der Aktien im Index werden dabei aufsummiert und durch die Gesamtanzahl geteilt, um den aktuellen Indexwert zu erhalten. Das ist im Prinzip so, als würde man den Durchschnittspreis der Aktien berechnen. Der US-Leitindex Dow Jones und das japanische Pendant, der Nikkei 225, nutzen eine preisgewichtete Indexberechnung.

Ein Maßstab für die Marktsituation

Wie sich ein Index entwickelt, interpretieren Marktteilnehmer häufig als Kennzeichen für den gesamten Markt. Logisch: Wenn es bei den 50 größten Unternehmen aufwärts geht, stehen meist nicht nur Einzelfaktoren dahinter, sondern generelle Markttrends. Als vergangenes Jahr die Zinsen stiegen, büßte beispielsweise der Tech-lastige Nasdaq Composite Index ein. Tech-Unternehmen sind schließlich häufig Wachstumstitel und auf externe Finanzierung angewiesen – die angesichts der höheren Zinsen teurer werden würde. 

Fondsmanager nutzen bestimmte Indizes als Grundlage für ihre Titelauswahl sowie anschließend als Vergleichsmaßstab, was Gewichtung und Performance ihres Fonds angeht. Die beliebte Anlageklasse ETFs (Exchange Traded Funds) orientiert sich sogar ausschließlich an Indizes. So leitet sich beispielsweise der ETF iShares Core MSCI World aus dem Index MSCI World ab – investiert also im gleichen Verhältnis in die Unternehmen, die im Index am stärksten vertreten sind. Entwickelt sich ein Markt positiv, gewinnt in Folge auch der abgeleitete ETF. 

Gut zu wissen:

  • Fonds müssen angeben, welchen Index sie nachbilden. Die Info findest du im Factsheet. 
  • Es gibt weltweit über 3 Millionen Indizes, schätzt die Index Industry Association. Besonders bekannte und wichtige Indizes werden während Börsenöffnung sekündlich aktualisiert. Ihre Kurse findest du zum Beispiel hier auf Onvista.