Siemens Energy will im Windgeschäft 400 Millionen Euro einsparen

- von Tom Käckenhoff und Christoph Steitz
Düsseldorf/Frankfurt (Reuters) - Der Energietechnikkonzern Siemens Energy hat einen Aktionsplan für das kriselnde Windenergiegeschäft vorgelegt.
Die Kosten der komplett übernommenen spanischen Tochter Gamesa sollen bis zum Geschäftsjahr 2026 um 400 Millionen Euro gesenkt werden, wie das Unternehmen am Dienstag bei seinem Capital Market Day mitteilte. "Der Turnaround von Siemens Gamesa hat für uns weiterhin höchste Priorität", betonte Vorstandschef Christian Bruch. Das Management habe einen klaren Weg definiert, um im Geschäftsjahr 2026 den Break-Even für das Windgeschäft zu erreichen und dieses danach in die Gewinnzone zu führen.
Das Produktportfolio solle vereinfacht und die regionale Aufstellung verbessert werden, erklärte der Konzern. Zudem würden die Prozesse und Kontrollen gestärkt. Der Aktienkurs von Siemens Energy gab am Dienstag zeitweise um fast zwölf Prozent nach. Händler führten dies auf vor allem auf Gewinnmitnahmen zurück.
SIEMENS ENERGY WILL RASCH WIEDER DIVIDENDEN ZAHLEN
"Wir tun, was wir tun können", betonte Gamesa-Chef Jochen Eickholt. Im Onshore-Geschäft gebe es klare Kriterien für die Märkte, in denen der Konzern wachsen wolle. Dazu gehöre ein stabiler Rahmen für die Regulierung und ein Kundenstamm, der nicht nur auf einen günstigen Preis achte. In Europa würden diese Kriterien erfüllt, außerhalb Europas werde das überprüft. Dies könne dazu führen, dass die regionale Aufstellung gestrafft werde. Zudem werde insbesondere außerhalb Europas analysiert, wo Produktionskapazitäten verringert werden könnten. Die Produktion bestimmter Komponenten könne an strategische Partner abgegeben werden. Im Offshore-Windgeschäft werde Gamesa hingegen seine Produktionskapazitäten ausbauen, um den großen Auftragsbestand abzubauen.
Siemens Energy wolle so schnell wie möglich wieder Dividenden zahlen, betonte Vorstandschef Bruch. Die Lieferketten im Windgeschäft seien weiter angespannt und die gestiegenen Zinsen verstärkten den Druck. Die Geschäftsbereiche Gas Services, Grid Technologies und Transformation of Industry, die 70 Prozent des Umsatzes von Siemens Energy ausmachten, seien auf dem Weg, ihre mittelfristigen Ziele zu erreichen oder zu übertreffen.
Siemens Energy kämpft seit Jahren mit hohen Verlusten bei Gamesa. Das Windenergie-Geschäft mit Anlagen an Land (Onshore) kämpft mit Qualitätsmängeln. Der Bereich mit Anlagen für den Betrieb auf hoher See (Offshore) hat Anlaufprobleme in vier neuen Werken. Siemens Energy sitzt auf Aufträgen für Windanlagen an Land und auf See von 42 Milliarden Euro, das ist ein Großteil des Auftragsbestands im Konzern von 112 Milliarden.
Gamesa wird nach Angaben des Konzerns erst im Geschäftsjahr 2025/26 eine schwarze Null schreiben - zwei Jahre später als bisher angenommen. Im laufenden Jahr werde Gamesa einen Verlust von zwei Milliarden Euro einfahren und damit den ganzen Konzern operativ in die roten Zahlen drücken.
(Bericht von Tom Käckenhoff, redigiert von Birgit Mittwollen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)