Kurseinbruch bei Autowerten bremst Dax-Rally aus

Frankfurt (Reuters) - Katerstimmung am deutschen Aktienmarkt: Nach seinem jüngsten Rekordlauf hat der Dax zum Wochenschluss den Rückwärtsgang eingelegt.
Vor allem die schwachen Automobilwerte nach der erneuten Prognosesenkung bei Mercedes-Benz sorgten für Ernüchterung. Der Dax verlor in der Spitze 1,1 Prozent auf 18.800 Zähler, der EuroStoxx50 gab ebenfalls 1,1 Prozent nach. "Die erste große Euphorie über die Zinssenkung der Fed ist verflogen", sagte Jürgen Molnar von RoboMarkets. Am Donnerstag hatte die lang ersehnte Zinswende in den USA den Dax auf neue Höchststände getrieben - erstmals durchbrach der Leitindex die Schallmauer von 19.000 Punkten.
Aus Sicht von LBBW-Analyst Frank Klumpp dürfte der Dax nun erst einmal eine Pause auf seinem Weg nach oben einlegen. Eine Fortsetzung der Rekordjagd erscheine angesichts der schwachen Verfassung des bedeutenden deutschen Automobilsektors nur schwer vorstellbar, schreibt er in einem Kommentar. Die negativen Nachrichten aus der Branche rissen einfach nicht ab.
Der Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz rechnet aufgrund der hartnäckigen Flaute auf dem chinesischen Markt für Luxusautos nun mit einem deutlich niedrigeren Gewinn als vor Jahresfrist. Auch der Münchner Konkurrent BMW bekam bereits die schwächere Nachfrage in China zu spüren und senkte unter anderem deswegen zuletzt seinen Ausblick. Die Mercedes-Aktien fielen am Freitag um 8,4 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Tief von 54,05 Euro. Die Titel von Porsche, BMW und Volkswagen notierten zeitweise zwischen 5,9 und 3,5 Prozent schwächer. Der europäische Autoindex gab in der Spitze 3,7 Prozent nach.
HEXENSABBAT SORGT FÜR KURSSCHWANKUNGEN
Zusätzliche Bewegung könnte gegen Mittag auch der sogenannte Hexensabbat in den Markt bringen. An dem dreifachen Verfallstag von Optionen und Futures auf Aktien und Indizes an den Terminbörsen kommt es häufig zu scheinbar unerklärlichen Kursverwerfungen - weshalb Börsianer auf das Bild tanzender Hexen zurückgreifen. Schon im Vorfeld versuchen Profi-Anleger, die Kurse in eine für sie günstige Richtung zu schieben, weil sie mit den Terminkontrakten auf bestimmte Kursstände zu vorher festgelegten Zeiten spekulieren. Auf der Gewinnerseite im Dax war es daher schwer, eindeutige Tendenzen auszumachen. Die Liste der stärksten Werte schwankte stark hin und her.
An der Londoner Börse rückten die Papiere des britischen Schuhherstellers Dr. Martens in den Fokus. Die US-Investmentbank Goldman Sachs verkaufte Aktien des Konzerns im Auftrag eines Konsortiums mit einem Abschlag und sorgte damit für einen Kurseinbruch. Die Papiere des britischen Schuhherstellers rutschten um bis zu 17,6 Prozent ab und waren mit 52,85 Pence so billig wie nie.
GOLDPREIS STEIGT UND STEIGT
Unter den Anlegern am Rohstoffmarkt blieb Gold zum Wochenschluss hoch im Kurs. Die Aussicht auf weiter fallende Zinsen in den USA trieb den Preis für das Edelmetall auf neue Rekordstände. Gold verteuerte sich in der Spitze um ein Prozent auf 2612,60 Dollar je Feinunze. Seit Jahresbeginn hat der Preis bereits um mehr als 26 Prozent zugelegt. Die US-Notenbank Fed hatte am Mittwochabend erstmals seit Anfang des Jahrzehnts ihren Schlüsselsatz gesenkt – und zwar gleich um einen halben Punkt auf eine Spanne von 4,75 bis 5,00 Prozent. Zugleich wurden weitere Schritte nach unten signalisiert.
Die Analysten der Helaba gehen aber nicht davon aus, dass sich das hohe Tempo der Gold-Rally fortsetzen wird. Das zinslose Asset Gold gewinne zwar an Attraktivität, wenn die Geldpolitik die Zinsen senke. "Doch signalisieren sowohl Fed als auch EZB ein behutsames Vorgehen", schreiben die Experten in einem Kommentar. Somit sollte inzwischen bereits sehr viel vom anstehenden Lockerungskurs der US-Notenbank bei Gold eingepreist sein.
(Bericht von: Daniela Pegna; Redigiert von Scot W. Stevenson; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)