Bayer: Angestrebte Einigung im Glyphosatstreit verursacht Milliardenverlust ++ Infineon: Prognose dank starkem Quartal angehoben ++ Teamviewer: Geschäfte laufen glänzend ++ BP: Dividende gesenkt

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Bayer: Angestrebte Einigung im Glyphosatstreit verursacht Milliardenverlust ++ Infineon: Prognose dank starkem Quartal angehoben ++ Teamviewer: Geschäfte laufen glänzend ++ BP: Dividende gesenkt

Nach der Kursrally zum Wochenstart ist der Dax auch heute positiv in den Handel gestartet, mit einem Plus von 0,79 Prozent bei einer Notierung von 12.746 Punkten. Gestützt werden die Märkte durch einige gut ankommende Quartalsberichte. Am Montag war der Leitindex bereits um 2,7 Prozent gestiegen. Er hatte sich damit wieder zurück in Richtung der 13.000er Marke bewegt.

„Erholung steht auf tönernen Füßen“

Die Anleger hatten tags zuvor neuen Mut geschöpft durch Frühindikatoren, die sowohl in China als auch in Europa und den USA „die Hoffnung auf eine Rückkehr in die wirtschaftliche Normalität“ zurückbrachten, wie es Marktbeobachter Jochen Stanzl von CMC Markets formulierte. Dabei herhalten als zentrales Argument muss einmal mehr das viele Geld, für das bei der Suche nach attraktiven Anlagemöglichkeiten eigentlich nur der Aktienmarkt bleibt.

„Trotz der gestrigen Kurssteigerung steht die Erholung an den Börsen auf tönernen Füßen“, warnte jedoch Marktbeobachter Christian Henke von IG Markets mit Blick auf die derzeitigen Infektionszahlen mit dem Coronavirus. Außerdem blicken Anleger gespannt nach Washington, wo Republikaner und Demokraten weiter über neue Maßnahmen in der Viruskrise streiten. Experten sehen es hier als eingepreist an, dass es am Ende einen Kompromiss geben wird.

Am Dienstag ist es nun ein neuer Tag, an dem vor allem Quartalsberichte die Anleger beschäftigen. Auf Unternehmensseite überwogen am Morgen zunächst die positiven Reaktionen auf die jüngsten Quartalsberichte. Konjunkturell dürften die US-Auftragseingänge am Nachmittag ins Blickfeld rücken.

Hohe Rechtskosten sorgen bei Bayer für Milliardenverlust

Die angestrebte Einigung im US-Glyphosatstreit hat Bayer im zweiten Quartal einen Milliardenverlust eingebrockt. Wegen Sonderaufwendungen in Höhe von 12,5 Milliarden Euro insbesondere für eine Glyphosat-Einigung, aber auch andere Rechtsstreitigkeiten fiel unter dem Strich ein Minus von 9,5 Milliarden Euro an, wie der Agrarchemie- und Pharmakonzern am Dienstag in Leverkusen mitteilte. Vor einem Jahr war ein noch ein Plus von rund 400 Millionen Euro erzielt worden.

Im Tagesgeschäft stützte derweil die Agrarsparte rund Saatgut und Pflanzenschutzmittel, während die Corona-Krise Teile des Pharmageschäfts belastete. So wurden viele nicht notwendige Behandlungen verschoben oder Patienten trauten sich nicht in die Krankenhäuser. Im Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten hielten sich die Kunden auch ein wenig zurück. Das lag aber vor allem daran, dass sich der Handel im ersten Quartal wegen der Corona-Pandemie schon reichlich eingedeckt hatte und nun erst einmal die Lagerbestände abbauen muss.

Der Konzernumsatz fiel im zweiten Quartal um 6,2 Prozent auf rund 10 Milliarden Euro. Aus eigener Kraft – also Wechselkurseffekte sowie Zu- und Verkäufe herausgerechnet – war es ein Minus von 2,5 Prozent. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereffekten stieg auch dank Kostensenkungen im Zusammenhang mit der Integration von Monsanto um 5,6 Prozent auf 2,88 Milliarden Euro.

Während der Umsatz hinter den durchschnittlichen Analystenschätzungen zurückblieb, lag das operative Ergebnis leicht darüber. Für das Gesamtjahr wurde Bayer nun etwas vorsichtiger.

Weitere Unternehmensmeldungen:

Infineon: Nach einem besser als erwarteten dritten Geschäftsquartal wird der Chiphersteller Infineon nun bei seinem Ausblick leicht optimistischer. Für das laufende Geschäftsjahr 2019/2020 (Ende September) erwartet der Dax-Konzern jetzt einen Umsatz in Höhe von rund 8,5 Milliarden Euro sowie eine operative Marge (Segmentergebnis-Marge) von etwa 13 Prozent, wie das Unternehmen am Dienstag in Neubiberg bei München mitteilte. Bislang hatte Infineon für das kombinierte Unternehmen mit dem US-Halbleiterspezialisten Cypress Semiconductor mit Erlösen in Höhe von rund 8,4 Milliarden Dollar und einer operativen Marge von zirka 12 Prozent gerechnet – und das bei einer noch etwas für den Konzern günstigeren Prognose für den Eurokurs. Konzernchef Reinhard Ploss verwies darauf, dass sich das Geschäftsmodell als robust erwiesen habe und durch die Cypress-Integration gestärkt werde. Der Chiphersteller habe die schwierige Situation durch die Corona-Krise bislang gut bewältigt, befand er. Ungeachtet dessen habe die Pandemie weiterhin „erhebliche Auswirkungen“ auf Infineons Zielmärkte. Allerdings sieht Ploss im besonders hart von der Krise getroffenen Automarkt konkrete Anzeichen einer Erholung.

BP: Der Ölkonzern BP senkt das erste Mal seit 10 Jahren die Quartalsdividende. BP zahlt seinen Aktionären jetzt für das zweite Quartal nur noch 5,25 US-Cent pro Aktie, im Vorquartal waren das noch 10,5 Cent, wie der Konzern am Dienstag in London mitteilte. Damit liegt die Dividende unter dem Wert, den Analysten erwartet hatten. Unterm Strich hat der Konzern im zweiten Quartal einen Verlust von 6,68 Milliarden Dollar eingefahren, nach einem Gewinn von 2,8 Milliarden ein Jahr zuvor. Analysten hatten allerdings ein noch schlechteres Ergebnis erwartet.

Fraport: Der Einbruch des Flugverkehrs in der Corona-Krise hat den Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport im zweiten Quartal tief in die roten Zahlen gerissen. Unter dem Strich stand ein Verlust von rund 182 Millionen Euro nach 127 Millionen Euro Gewinn ein Jahr zuvor, wie das im MDax gelistete Unternehmen am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Analysten hatten jedoch im Schnitt mit einem noch größeren Minus gerechnet. Vorstandschef Stefan Schulte rechnet für das laufende Jahr am Heimatstandort und an den Auslandsflughäfen mit Verkehrsrückgängen im hohen zweistelligen Prozentbereich. Auch im Gesamtjahr dürfte unter dem Strich ein deutlicher Verlust stehen. Fraport will deshalb wie angekündigt 3000 bis 4000 Jobs in Frankfurt abbauen.

Hugo Boss: Die Auswirkungen der Corona-Krise haben den Modekonzern Hugo Boss im zweiten Quartal tief in die roten Zahlen gedrückt. Das operative Minus (Ebit) belief sich auf 250 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Dienstag in Metzingen mitteilte. Dabei belasteten Abschreibungen über 125 Millionen Euro die Entwicklung. Ein Jahr zuvor hatte Hugo Boss noch ein Ergebnis von plus 80 Millionen Euro erzielt. Unter dem Strich fiel der Verlust dank einer Steuergutschrift mit 186 Millionen Euro niedriger aus, nach einem Gewinn von 52 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Wegen der behördlich verfügten Ladenschließungen brach der Umsatz um 59 Prozent auf 275 Millionen Euro ein. Ein starkes Wachstum verzeichnete hingegen das Onlinegeschäft. Für die zweite Jahreshälfte erwartet der Konzern eine sukzessive Erholung. Im zweiten Quartal etwa habe Hugo Boss monatlich eine stetige Verbesserung im eigenen Einzelhandel verzeichnet, dies habe sich zu Beginn des dritten Quartals fortgesetzt.

Teamviewer: Der Softwareanbieter Teamviewer profitiert weiter von einer hohen Nachfrage in der Corona-Pandemie. Im zweiten Quartal legte der Umsatz um 21 Prozent auf 114,7 Millionen Euro zu, wie das MDax -Unternehmen am Dienstag in Göppingen mitteilte. Teamviewer hatte bereits mitgeteilt, dass die in Rechnung gestellten Umsätze zwischen April und Ende Juni um 45 Prozent auf 105,9 Millionen Euro geklettert waren – darin bezieht das Unternehmen die laufende künftige Umsätze aus abgeschlossenen Verträgen ein, um die Nachfrage besser darstellen zu können. Allerdings war das Neugeschäft im ersten Quartal noch deutlich stärker gewachsen. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg im vergangenen Quartal um 60 Prozent auf 57,3 Millionen Euro, der Gewinn unterm Strich um 58 Prozent auf 30,3 Millionen Euro. Die Jahresprognose bestätigte das Management.

Evonik : Robuste Geschäfte mit Desinfektionsmitteln sowie mit der Pharma- und Lebensmittelbranche haben beim Spezialchemiekonzern Evonik die Folgen der Autokrise ein Stück weit gemildert. So fragten Kunden im zweiten Quartal Zusatzstoffe für Hygiene- und Körperpflegemittel rege nach, und auch das Geschäft mit Tierfuttereiweißen sowie mit Materialien für Windkraftanlagen lief gut. Hinzu kamen Kostensenkungen. Das bereinigte operative Ergebnis fiel im Jahresvergleich zwar um 19 Prozent auf 456 Millionen Euro, wie Evonik am Dienstag in Essen mitteilte. Damit übertraf der MDax-Konzern aber die in den letzten Wochen nach optimistischen Äußerungen des Konzernchefs Christian Kullmann gestiegenen durchschnittlichen Analystenschätzungen. Unter dem Strich blieb im zweiten Quartal mit 114 Millionen Euro halb so viel hängen wir vor einem Jahr. Der Umsatz sank um 14 Prozent auf 2,83 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr sollen weiterhin ein Umsatz von 11,5 bis 13,0 Milliarden Euro und ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 1,7 bis 2,1 Milliarden Euro erreicht werden.

Schaeffler: Die Folgen der Coronavirus-Pandemie haben den Auto- und Industriezulieferer Schaeffler im zweiten Quartal auch operativ tief in die roten Zahlen gerissen. Der um Sondereffekte bereinigte Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) betrug von April bis Ende Juni 150 Millionen Euro, wie das im SDax notierte Unternehmen am Dienstag in Herzogenaurach mitteilte. Das operative Ergebnis fiel damit aber besser aus, als die von Bloomberg befragten Experten erwartet hatten. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch einen operativen Gewinn von 284 Millionen Euro ausgewiesen. Der Umsatz schrumpfte im zweiten Quartal um mehr als ein Drittel auf knapp 2,3 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieb ein Verlust von 168 Millionen Euro nach einem Gewinn von 136 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Für das laufende Jahr rechnen die Franken mit einem währungsbereinigtes Umsatzwachstum, einer Ebit-Marge vor Sondereffekten und freie Barmittel (Free Cashflow) vor Ein- und Auszahlungen für M&A-Aktivitäten unterhalb der jeweiligen Vorjahreswerte. Wegen der Corona-Krise hatte Schaeffler im März seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr ausgesetzt.

Metro: Metro wurden außerbörslich außerdem etwa vier Prozent höher gehandelt. Laut Analyst James Grzinic von Jefferies Research ist der Umsatz am Heimatmarkt weniger deutlich zurückgegangen als befürchtet. Außerdem blickt der Handelskonzern wieder positiv in die Zukunft. Der Umsatz im Juli sei nach schlechten Monaten in der Corona-Krise wieder auf Vorjahresniveau gewesen.

Novartis: Novartis hat seine ersten Ergebnisse aus einer Phase-II-Studie mit Kymriah (Tisagenlecleucel) bei Patienten mit einer bestimmten Form von Lymphkrebs veröffentlicht. In der Zwischenanalyse habe man in der Studie das Ziel einer vollständigen Ansprechrate erreicht, wie Novartis am Dienstag mitteilte. Die Ergebnisse der ELARA-Studie werden laut Novartis auf einer bevorstehenden medizinischen Tagung vorgestellt und in die Zulassungsanträge für die USA und die EU aufgenommen. In der Studie wurden Patienten behandelt, die an dem sogenannten rezidiviertem oder refraktärem (r/r) follikulärem Lymphom (FL) leiden. Bei Kymriah handelt es sich um eine personalisierte Zelltherapie. Novartis hatte als erster Konzern die Zulassung der US-Behörde FDA für seine CAR-T-Zelltherapie erhalten. Es handelt sich um eine einmalige Behandlung, die das Immunsystem der Patienten in die Lage versetzen soll, ihren Krebs zu bekämpfen. Kymriah ist derzeit für die Behandlung der akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL) bei Kindern und jungen Erwachsenen (bis 25 Jahre) und des diffusen grosszelligen B-Zell-Lymphoms (DLBCL)1 bei Erwachsenen zugelassen.

onvista/dpa-AFX

Titelfoto: Lukassek / Shutterstock.com

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