Bitcoin: Erholung nach dem Horror-Crash – Wie geht es jetzt weiter?

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Bitcoin: Erholung nach dem Horror-Crash – Wie geht es jetzt weiter?

Was in den letzten zwei Wochen an den Finanzmärkten passiert ist, hat sämtliche Anleger in Angst und Schrecken versetzt, denn die Kurse fast sämtlicher Assets sind gnadenlos in den Keller gerauscht. Nur wenige Werte konnten auch im größten Sturm profitieren, darunter beispielsweise Biotech-Werte, die an einem Impfstoff gegen das Coronavirus arbeiten und damit im Fokus des weltweiten Interesses liegen. Ein Asset, das – mal wieder – mit besonders herben Kursausschlägen auf sich aufmerksam gemacht hat, diesmal aber wieder im negativen Bereich, war die Kryptowährung Bitcoin.

Der Start ins Jahr 2020 lief eigentlich sehr gut für die Kryptowährung, denn nach dem enttäuschenden zweiten Halbjahr 2019 konnte Bitcoin erneut ordentlich aufholen und die Marke von 10.000 Dollar wieder zurückerobern. Zwischenzeitlich stand ein Plus von etwa 30 Prozent zu buche. Während dieser Episode wurde auch das Narrativ gestärkt, dass Bitcoin mehr und mehr die Eigenschaft eines sicheren Hafens und alternativen Wertspeichers annimmt, denn im Zuge der Eskalation zwischen den USA und dem Iran und auch in der ersten Phase des Coronavirus-Ausbruchs in China konnte Bitcoin, parallel zu Gold, eine ordentliche Performance hinlegen.

Anfang März kam jedoch der erste Rückschlag mit dem Verlust der 10.000 Dollar Marke runter auf 9000 Dollar, gefolgt von einer weiteren Bauchlandung bis auf 7.500 Dollar. Als dann an  den Märkten die Hölle ausgebrochen ist und sowohl der Dax, als auch der Eurostoxx und auch die Ton angebenden US-Indizes über mehrere Tage hinweg eine Talfahrt hingelegt haben, hat Bitcoin dies mit einem konzentrierten Kursabsturz auf im Tief 4000 Dollar angeführt. Ein Verlust von über 40 Prozent in einer Nacht. Mittlerweile hat eine Erholung eingesetzt und der Kurs hat sich auf 5500 Dollar zurückgekämpft.

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Die (möglichen) Gründe für den Absturz:

Der PlusToken-Betrug: Der initiale Preissturz von 9000 auf 7500 Dollar in der Anfangsphase der Coronavirus-Panik zu Beginn des Monats wurde vor allem hierauf zurückgeführt.

PlusToken war ein chinesisches Projekt, welches sich als Anbieter einer Krypto-Wallet ausgegeben hatte - mit dem Anreiz von angeblich hohen Renditen, die mit der Nutzung dieses Wallets erzielt werden konnten. Das sich später als Betrug herausgestellte Projekt konnte schätzungsweise über zwei Milliarden Dollar einsammeln. Laut Behördenangaben konnten jedoch 180.000 BTC, 6.400.000 Ethereum (ETH) und 111.000 Tether (USDT) nicht sichergestellt werden und befinden sich noch im Umlauf.

13.000 dieser erbeuteten Bitcoin wurden am Wochenende vor dem allgemeinen Preissturz bewegt und an verschiedene Börsen weitergeleitet. Da die Coins durch sogenannte „Mixer“ geschickt wurden, um die Herkunft, die sonst auf der Blockchain einsehbar wäre, zu verwischen, ist eine exakte Rückverfolgung nicht möglich. Die Vermutung liegt jedoch sehr nahe,  dass diese Coins auf den Markt geworfen wurden und das plötzlich entstehende, starke Überangebot zu dem Preissturz geführt hat. Die Verwerfungen an den traditionellen Märkten könnten sogar der Ablenkung dienlich gewesen sein. Viele Branchenportale hatten zunächst die Coronavirus-Krise für den Preissturz verantwortlich gemacht.

Der PlusToken-Scam beschäftigt den Kryptosektor bereits, seit er im Sommer letzten Jahres aufgedeckt wurde. Eine Analyse eines auf Kryptowährungen spezialisierten Investmentunternehmens hatte Ende letzten Jahres den schrittweisen Abverkauf der erbeuteten Kryptowährungen aus dem PlusToken-Betrug als tragenden Grund für die Abwärtsdynamik des BTC-Preises verantwortlich gemacht, die seit dem Peak von 13.700 Dollar im Sommer 2019 eingesetzt hatte und sich bis Ende des Jahres hingezogen hatte.

Der Crash an den Finanzmärkten: Was in den letzten Tagen an den Finanzmärkten passiert ist, war außergewöhnlich. Für den Dax war es der schnellste Absturz in seiner Historie und die US-Indizes haben seit dem Crash im Jahr 1987 nicht mehr so schnell so viel verloren.

Der Auslöser war klar: Die Coronavirus-Pandemie bedroht die Weltwirtschaft auf existenzieller Ebene, Lieferketten sind gestört oder drohen gar zusammenzubrechen und das öffentliche Leben ist bereits in vielen Ländern massiv eingeschränkt. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach in ihrer Ansprache von der größten Herausforderung für Deutschland seit dem zweiten Weltkrieg.

Dass die Aktienkurse der Unternehmen sinken, war abzusehen, doch die von Algorithmen getriebenen Automatismen haben die Abwärtsbewegung diesmal massiv verstärkt, und gnadenlos alles, was nicht unantastbar war, aus den Portfolios rausgeschmissen, um die Verluste zu begrenzen.

Unser Kolumnist Stefan Riße hat diesen Sachverhalt  in seiner letzten Kolumne genauer erläutert: Nicht Corona, sondern die Algorithmen sind Schuld am Absturz

In diesem Wirbel der Ereignisse hat also, auf automatisierter Ebene, ein enormes Deleveraging statt gefunden, ein weiteres toxisches Puzzleteil im Gesamtbild. Es bedeutet, dass viele Teilnehmer an den Finanzmärkten, die gehebelt in ihren Positionen gesteckt haben – etwas, das bei allgemein steigenden Märkten wie in den letzten 10 Jahren sehr lukrativ war – dem gefürchteten „Margin Call“ nachkommen mussten. Denn die Gläubiger - meistens Banken - fordern in diesem Marktumfeld Nachschüsse auf das Eigenkapital der Finanzakteure, die gehebelt im Markt sind, um das eigene Risiko zu reduzieren - der sogenannte „Margin Call“. Der dadurch resultierende, zwangsläufige Verkauf der Aktien hat die Abwärtsdynamik an den Märkten, die durch das Coronavirus ausgelöst wurden ist, um ein vielfaches verstärkt. Dabei wurde vieles über Bord geworfen, weil in dieser Situation „Cash is King“ wieder groß geschrieben wird – und in diesem Fall bedeutet Cash natürlich Dollar, denn der Greenback ist immer noch die Währung Nummer eins weltweit.

Diesen Umstand kann man gut an den Kursen ablesen. Der Dollar ist in den Tagen seit der Eskalation massiv aufgewertet, gegenüber dem Euro ist er auf Wochensicht um 2,7 Prozent gestiegen.

Gegenüber dem Britischen Pfund war die Aufwertung noch extremer: Auf Wochensicht sind es über 10 Prozent, eine für Devisen extreme Bewegung.

Der Schrei nach Liquidität und der Abbau der gehebelten Engagements in Aktien erklärt den massiven Absturz der Aktienmärkte, aber eben auch warum Gold ebenfalls stark gefallen ist, wo es doch eigentlich als Krisenwährung Nummer eins und sicherer Hafen gilt. Im Zuge des massiven Schocks mussten die Finanzakteure eben auch Gold über Bord werfen, um dem Bedürfnis nach Dollar nachzukommen. Auf Wochensicht hat Gold fast 10 Prozent verloren.

Nach Einschätzung des Commerzbank scheinen die Zwangsverkäufe auch auf Wertpapiere durchzugreifen, bei denen physisches Gold hinterlegt wird. Die von der Nachrichtenagentur Bloomberg erfassten Gold-ETFs hatten letzte Woche Freitag, also dem Tag nach dem zweiten der bisher drei großen Corona-Crashtage, mit 17 Tonnen den größten Tagesabfluss seit Dezember 2016 gezeigt. „Ein ähnliches Verhaltensmuster bei Gold gab es während der Finanzkrise 2008“, kommentierte dazu Commerzbank-Experte Briesemann. Auch damals gab es also ähnliche Effekte. In der heutigen Zeit ist das auf Schulden aufgebaute Engagement der Märkte jedoch durch die von den Notenbanken geschaffene Niedrigzinswelt noch begünstigt worden und hatte somit größere Ausmaße als damals.

Und dieses Deleveraging dürfte auch starken Einfluss auf den Bitcoin-Preis genommen haben. Bitcoin hat zwar bei weitem noch nicht den Stellenwert wie Gold als Wertspeicher und Portfolio-Absicherung, doch auch Bitcoin hat im Laufe des letzten Jahres vermehrt seinen Weg in professionelle Fonds gefunden. Die starken Gewinne seit Anfang 2019 wurden dann benutzt, um die herben Verluste an den schwarzen Tagen der letzten zwei Wochen auszugleichen, bzw. um den Margin Call zu bedienen.

Der weitere Ausblick: Für die oben beschriebene These spricht, dass sich der Bitcoin-Preis nun wieder von der Korrelation mit den Aktienmärkten löst, beziehungsweise dass diese im Abwärtsschwung nur scheinbar vorgeherrscht hat. Während die extremen Maßnahmen der Notenbanken die Märkte bisher immer nur kurz stimulieren können und eher gerade so „am leben halten“, konnte der Bitcoin-Preis sich seit dem tiefen Fall wieder stabilisieren und hat erneut den Weg nach oben angetreten.

An den Finanzmärkten zeichnet sich bisher aber noch keine Stabilisierung ab. das liegt daran, dass die Lage in Europa und den USA weiter unsicher ist. In Europa muss man jetzt warten, ob die Maßnahmen der starken Einschränkung der Öffentlichkeit greifen. Das dürfte noch mindestens ein bis zwei Wochen dauern, da die öffentlichen Infektionszahlen den tatsächlichen um einiges hinterher hinken. In den USA ist die Pandemie gerade erst angekommen, daher herrscht dort noch komplette Unklarheit. Die Notenbanken werden die Märkte weiter mit Liquidität voll pumpen, um das Schlimmste zu verhindern, solange die Finanzwelt aber noch keine Anhaltspunkte hat, wie sich die Pandemie weiter entwickeln wird, sind weitere Abstürze an den Aktienmärkten möglich – und damit auch weiterer Druck auf Bitcoin und Gold, sollten weitere Abverkäufe von institutioneller Seite folgen. Zumindest in China scheint sich die Lage mehr und mehr zu stabilisieren, die Infektionszahlen gehen mittlerweile stark zurück.

Sobald einigermaßen Klarheit herrscht, wie lange man noch an den Folgen des Virus zu kämpfen hat, können die Finanzmärkte wieder anfangen zu planen und Prognosen abgeben – und es dürfte sich ein Boden bilden. Dann geht es wieder um die fundamentale Bewertung. Bei den Unternehmen sieht diese nicht gut aus. Es werden massive Konjunkturspritzen notwendig sein und die Wiederbelebung der globalen Wirtschaft wird sich je nach Länge der Pandemie wahrscheinlich Monate hinziehen. Das ist dann die Stunde der „sicheren Häfen“. Somit dürften Gold, aber auch Bitcoin ab diesem Zeitpunkt wieder stark profitieren. Vor allem, die die zügellose Geldschwemme, die gerade von den Notenbanken entfesselt wird, dem Finanzsystem auf lange Sicht weiter keinen Gefallen tun wird.

Ausgehend von diesen Überlegungen bleibe ich bei meinen Empfehlungen für Gold und für Bitcoin, die Sie in den folgenden Links finden:

onvista-Investment-Idee zu Bitcoin   – Vom 6.1.2020   BTC-Preisstand: 7600 Dollar

onvista-Investment-Idee zu Gold   –  Vom 10.3.2020   Gold-Preisstand: 1660 Dollar

Von Alexander Mayer

Offenlegung: Alexander Mayer ist in Bitcoin investiert. Alexander Mayer ist nicht in Gold investiert.

Foto: Andrey Suslov / Shutterstock.com

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