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Fusion von Deutsche Bank und Coba würde Rating kaum verbessern

Reuters

- von Hans Seidenstuecker und Andreas Framke

Fusion von Deutsche Bank und Coba würde Rating kaum verbessern

Niemand weiß, ob es jemals zu einer Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank kommen wird.

Und niemand weiß, ob der Staat, der noch mit 15,6 Prozent an der Commerzbank beteiligt ist, auch an einem neuen Institut Anteile halten würde. Allerdings ist das wahrscheinlich, denn ein kompletter Ausstieg des Bundes aus der Coba ohne Verlust ist - zumindest beim aktuellen Aktienkurs - kaum vorstellbar.

Sollte Finanzminister Olaf Scholz, der als Freund einer "Banken-Ehe" gilt, dem frischvermählten Paar nach der Trauung die Treue halten und mit einer Fusion auch Aktionär bei der Deutschen Bank werden, würde das die Bonitätsnote und damit die Finanzierungskosten aber wohl kaum verbessern. Zwar gilt die Deutsche Bank für das Finanzsystem und die Wirtschaft als absolut zentral. Für die Ratingagentur Standard & Poor's führt eine Staatsbeteiligung aber nicht automatisch zu einem besseren Zeugnis, wie es in jüngstem S&P-Ratingbericht heißt.

Die Commerzbank jedenfalls hat aktuell keinen Rating-Vorteil durch die Beteiligung des Bundes, kann sich also nicht billiger am Kapitalmarkt refinanzieren, nur weil Finanzminister Scholz größter Aktionär ist. Das Rating ist für die Geldhäuser von Bedeutung, weil es Auswirkungen auf die Finanzierungskosten und zugleich Folgen für die Reputation hat.

S&P hatte die Bonitätsnote für die Deutsche Bank im vergangenen Sommer auf "BBB+" gesenkt, der Ausblick ist - im Ratingjargon - "stabil". Imageseitig ein Desaster - denn damit wird Deutschlands größte Bank schlechter bewertet als viele Konkurrenten. Damit sich das ändert, müsste sich etwas bei der Kapitalisierung, der Strategie oder den Geschäftsrisiken tun. Weniger relevant ist dabei, ob der Staat mit an Bord ist oder nicht. Ein Sprecher von S&P wollte das ebensowenig kommentieren wie ein Sprecher der Deutschen Bank.

STAATSHILFE NICHT GARANTIERT

Bei zweiten großen US-Ratingagentur Moody's spielt nicht einmal eine mögliche Stützung der Deutschen Bank durch den Staat eine große Rolle. Dadurch steige die Einstufung für Einlagen und vorrangige unbesicherte Schulden der Deutschen Bank nur um eine Note, so die Ratingagentur. Die Bonitätsnoten für nachrangige Schulden und Hybridinstrumente profitieren dagegen nicht, da hier Staatsunterstützung unwahrscheinlich ist. Bei Moody's lautet die Einstufung der Deutschen Bank aktuell auf "A3", eine Stufe besser als bei S&P. Der Ausblick ist "negativ." Ein Moody's-Sprecher wollte sich zu den möglichen Auswirkungen einer Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank auf das Rating nicht äußern.

Möglicher staatlicher Beistand für eine Großbank hat sich bis vor wenigen Jahren noch deutlich in deren Rating gezeigt. Nach der Finanzkrise hat Europa allerdings seine Regeln zur Abwicklung von strauchelnden Kreditinstituten geändert und erschwert nun staatliche Rettungsmaßnahmen deutlich. Deshalb berücksichtigt S&P seit 2015 theoretisch mögliche Staatshilfe nicht mehr bei Rating-Entscheidungen: "Wir schließen die Möglichkeit von Unterstützung nicht komplett aus, aber wir sind der Auffassung, dass die Wahrscheinlichkeit eines staatlichen Eingriffs niedriger und weniger vorhersagbar ist als zuvor".

HOHE FINANZIERUNGSKOSTEN

Ratings haben eine hohe Bedeutung für das Ansehen der bewerteten Unternehmen am Markt und für die Kosten, die sie für ihre Finanzierung berappen müssen. Diese sind bei der Deutschen Bank zuletzt kräftig gestiegen - gemessen an Aufschlägen für Risikoprämien, die das Institut bei der Ausgabe von Anleihen zuletzt zahlen musste. Dem Finanzvorstand James von Moltke ist das ein Dorn im Auge. "Für uns ist es jetzt ein zentrales Anliegen, die Finanzierungskosten zu senken und die Kreditratings zu verbessern", sagte er vergangene Woche in einer Telefonkonferenz mit Bondinvestoren.

Zwar liegen die Aufschläge, die die Deutsche Bank zahlen muss, noch deutlich unter denen etwa der italienischen Großbank Unicredit. Institute aus anderen Ländern - ohne Italien-Malus - haben es jedoch deutlich leichter, an Geld zu kommen. Die Spannung steigt, ob die Deutsche Bank nicht noch weiter zurückfällt, sollten die Erträge im wichtigen ersten Quartal nicht wie erhofft anziehen, sondern weiter sinken. Im Laufe des Jahres stehen mehrere wichtige Refinanzierungsrunden an: Nach Angaben des für die Finanzierung der Bank zuständigen Managers Dixit Joshi will das Institut 2019 noch für mindestens 25 Milliarden Euro Anleihen emittieren.

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