onvista-Börsenfuchs: Der Sommer kann gewittrig werden

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Quelle: onvista

Hallo Leute! Die Welt wir immer komplizierter. Das schafft Erklärnotstand – und neue Begriffe. So wird inzwischen nicht nur vor einer „Rezession“ gewarnt, sondern stattdessen auch vor „Stagnation“ und „Slowflation“. Die Inflation beherrscht die Diskussionen der breiten Bevölkerung. Kein Wunder angesichts des Geldwertschwunds an Tankstellen und in den Supermärkten. Und trotzdem werde ich den Eindruck nicht los, als würden wir uns inzwischen zu schnell an das größte Problem gewöhnen – den Krieg in der Ukraine. Ein schrecklicher (und folgenschwerer) militärischer Konflikt auf europäischem Boden. Gar nicht so weit weg von uns.

Auch die Börse gewöhnt sich an den Krieg und seine schlimmen Konsequenzen weltweit. Dies sei dick unterstrichen, weil Ihr Euch an diese Gewöhnung nicht gewöhnen solltet, meine Freunde! Bleibt wachsam, nicht allein wegen der Inflation und der Energieprobleme. Ich behaupte: Die Börsen-Profis haben mehr Angst vor dem Krieg, seiner Dauer und seinen Folgen als an den Aktienmärkten zum Ausdruck kommt. Die Stimmung ist schlechter – zumindest besorgter – als die Kursentwicklung. Das kann sich ändern. Kann.

Bezeichnend ist in meinen Augen die auffallende Zahl von skeptischen Betrachtungen zum Wochenende. Denn die meisten Veröffentlichungen von Banken, Fonds und anderen Vermögensverwaltern haben ampeltechnisch gesehen eine gelbe bis rote Färbung (hier ein paar Beispiele): USA – Was stoppt die Inflation? Mit Blick auf Deutschland: Inflation, interest rates and war. A devastating cocktail. Die gefährliche Fokussierung auf das Rauschen der Märkte. Hat die EZB den Mut, schon jetzt das Richtige zu tun?

An den Finanzmärkten hat es in diesem Jahr massive Bewegungen gegeben. Die Suche nach der neuen Normalität ist damit freilich längst noch nicht abgeschlossen. Ich teile den vorsichtigen Ausblick der DekaBank: Jede neue Veröffentlichung von Konjunktur- und Inflationsdaten kann die Märkte zwischen Rezessions- oder Inflationssorgen die Seiten wechseln lassen oder sogar die Tristesse eines Stagflationsszenarios aufkommen lassen. Mithin wird nach wie vor nach den angemessenen Bewertungen bei den Vermögenspreisen gesucht. Zweifellos haben die Kursrückgänge an den Aktienbörsen dazu beigetraten, dass sich die Kurs-Gewinn-Verhältnisse spürbar verringert haben. Vor allem aus den Kursen von Technologiewerten – und übrigens auch von Krypto-Anlagen – ist einige Luft entwichen. Die Aktienmärkte sind nunmehr moderat bewertet, und an den Rentenmärkten kann man mit einem positiven Kupon rechnen. Doch bevor sich neue belastbare Trends an den Finanzmärkten ausbilden, ist über den Sommer mit geo- und geldpolitischen Unwägbarkeiten und daher auch mit erheblichen Marktschwankungen zu rechnen.

Deshalb: Lasst Euch nicht überraschen, Leute! Dieser Sommer kann gewittrig werden.

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