Kutzers Zwischenruf: Energiechaos – Informationschaos – Kurschaos

Hermann Kutzer · Uhr
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Die Sprache von Wirtschaft und Börsen ist speziell. Zeitweise kann man als Beobachter den Eindruck gewinnen, dass die Akteure selbst nicht genau wissen, was sie sagen und schreiben. Nein, das ist kein selbstgefälliger Spott, sondern Parteinahme für verunsicherte Bürger (= Privatanleger), die in einer verrückten Welt Orientierungshilfen suchen (und auch brauchen). Aktuell herrscht auf allen Ebenen von Wirtschaft und Politik ziemliches Chaos, so dass noch schwieriger als sonst wird, die Märkte und ihre Sprache zu verstehen.

Da schreiben Aktienanalysten über eine „Erholungsrally“, schränken aber gleich ein, der Aktienmarkt verharrt im „Krisenmodus“. Andere Experten sprechen von „Erleichterungsrally“. Die Konjunktursorgen gelten schon als „eingepreist“. Konjunktursorgen und Gewinneinbußen machen den Aktienmarkt kurzfristig anfällig für Schwankungen, doch gibt es Banken, die ihre „mittelfristigen Prognosen“ zugleich bestätigen – Europa und Deutschland bieten Kurspotenzial bei solch niedrigen Erwartungen, US-Aktien bleiben weiter angespannt.

Ich teile andererseits das Gegenteil: Lieber auf die Wall Street setzen als auf Europa. Gerne werden von allen Beteiligten historische Vergleiche gezogen, um zu erahnen, wie es weitergeht. Interessant die jüngste Anleger-Stimmungsumfrage von Sentix. Die zeigt nämlich frappierende Parallelen zur Finanzkrise 2008: Am europäischen Aktienmarkt ist die Taktung im Sentiment erstaunlich ähnlich. Auch das Kursverhalten von vielen Aktien-indizes (hier Euro Stoxx 50, indexiert auf 100 zum Jahresanfang) ist auffallend ähnlich. Das Überrollen im August und das Ende der Bärenmarktrallye (die diesmal dynamischer ausfiel) sind zeitlich kongruent. Der dynamische Absturz erfolgte damals im Zuge der Lehman-Pleite.

Dieses Mal könnte der Energie-Komplex die entsprechende Horrornachricht liefern. Auch der Gleichlauf der Volatilitätsentwicklung in 2022 zu 2008 am europäischen Aktienmarkt wirkt „gespenstisch“. Ende August war in 2008 Schluss mit der Ruhe. Fazit der Sentix-Analysten: „Bleiben die Parallelen intakt, könnte der Aktienmarkt nur noch wenige Tage Schonfrist haben, bevor er endgültig nach unten dreht.“ Dieses Stimmungsbild sieht nicht gut aus. sentix ist der Pionier und führende Anbieter von Sentiment-Analysen (Behavioral Finance) in Europa. Seit 2001 befragt das Frankfurter Unternehmen wöchentlich rund 5.000 Anleger aus über 20 Ländern (davon über 1.000 institutionelle und fast 4.000 Einzelanleger) zu ihren Erwartungen an die Finanzmärkte sowie zur wirtschaftlichen Entwicklung. Trotzdem, machen Sie sich Ihr eigenes Bild, geschätzte Anleger, und folgen Sie nicht blind einer einzigen Analyse oder Prognose.

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