onvista Börsenfuchs: Wandel der Wirtschaft = Chance für Anleger

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Hallo Leute! Zum Wochenschluss wieder mal Stimmen der Fondsmanager und Analysten bei ihren Versuchen, die Zukunft auszuloten. Unterm Strich: Es gibt eine Menge (kurz- bis mittelfristige) Skepsis für Wirtschaft und Börsen – manche Profis sind jetzt ins Bärenlager übergewechselt. Andere geben sich dagegen Mühe, in einem weiteren Blick nach vorn vor allem neue Chancen zu erkennen. Die gibt’s auch – zum Beispiel in den asiatischen Schwellenländern China und Indien.

Einzelne Volkswirte machen in aktualisierten Berichten keinen Hehl aus ihrer Skepsis für die Entwicklung der kommenden Monate. Das DZ Bank Research erwartet vor allem unter Hinweis auf die hohen Energiepreise eine Rezession für Deutschland. Folge: Die BIP-Prognose wird stark reduziert.

Mit Blick aufs das kommende Jahr senken die Genossen ihre Vorhersage von 0,8 auf minus 1,9 Prozent! Auch wenn derzeit nicht mit einer Gas-Mangellage gerechnet wird, dürften die Energiepreise vorerst „sehr hoch“ bleiben. Es dürfte deshalb zu Produktionskürzungen kommen und der Inflationsdruck verringert die Kaufkraft der Bevölkerung. Zudem belastet die Zinswende das Wirtschaftswachstum. Und die globalen Lieferketten sind durch Chinas Null-Covid-Politik weiter sehr anfällig.

Aktien sind gegenwärtig mit einem ausgesprochen ungünstigen Mix konfrontiert, formulieren die Strategen der Helaba in ihrer neuen Studie: Die hohe Inflation zwingt die Notenbanken zu Zinserhöhungen, obwohl sich die Konjunktur im Abschwung befindet. Damit bekommen Dividendentitel von der Geldpolitik weiterhin Gegenwind anstatt wie sonst üblich Rückendeckung. Und ein überteuerter Dollar dürfte den Außenhandel belasten.

Allerdings haben Aktien inzwischen bereits viel Negatives eingepreist, glauben die Landesbanker. So hat der Dax mit einem KGV von rund 10 das niedrige Niveau früherer Rezessionen erreicht. Lediglich im Zuge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 und der Euro-Staatsschuldenkrise 2011 war der Dax mit einem KGV von 8 noch niedriger bewertet. Unterstellt man aber, dass der Konjunkturpessimismus nun bald auf seinen Höhepunkt zusteuert, werden Aktien zunehmend attraktiv. In früheren Zyklen konnte der Index binnen 12 Monaten nach Erreichen des Tiefs beim ZEW-Gesamtindex (Mittelwert aus Lage und Erwartungen) im Durchschnitt rund 25 % zulegen.

Die Analysten schreiben: „Auch wenn es selten gelingt, den Tiefpunkt für den Einstieg zu erwischen, ist das Chance-Risiko-Verhältnis derzeit recht attraktiv. Sollte der September seinem Ruf als schlechtester Börsenmonat auch in diesem Jahr gerecht werden, wäre dies aus unserer Sicht eine gute Gelegenheit, Aktienpositionen auf- bzw. auszubauen.“

Eine andere interessante Perspektive skizziert MainFirst Asset Management: Strukturelle Veränderungen sind Chancen für Investoren. Die dynamischen Veränderungen der aktuellen Zeiten bieten Opportunitäten, sofern es Investoren gelingt, die Gewinner von morgen zu identifizieren. Besonders Technologieunternehmen in Asien könnten demnach die Zukunft dominieren. Die Wirtschaft durchläuft eine komplizierte Phase, räumen die Strategen ein. Die Unsicherheit über die zukünftige Wachstumsentwicklung bleibt zunächst bestehen.

Zum Big-Picture gehört aber auch, dass der nachhaltige Umbau der Wirtschaft immer mehr an Fahrt aufnimmt und Investitionen erfordert. Themen wie die Digitalisierung bestimmen immer mehr das Leben und Verhalten der Menschen. Außerdem wird die Mobilität neu gedacht, die fortschreitende Elektromobilität ist ein zentrales Zukunftsthema und ein Beitrag zu mehr Klimaschutz. Mit Erfolg: Der Marktanteil von Elektrofahrzeugen ist gemessen an den gesamten globalen Neuzulassungen auf ein Viertel gestiegen. Weitere strukturelle Megatrends sind Cloud-Computing und wie man vom Wachstum der Datenmengen profitieren kann, heißt es in der Analyse. Gemeinsam haben diese Trends, dass sie losgelöst von volkswirtschaftlichen Entwicklungen ablaufen und langfristiger Natur sind.

Fazit von MainFirst: „Wir sind letztendlich davon überzeugt, dass die Pandemie und der aktuelle Ukraine-Krieg wenn nicht markante Zäsuren, dann doch bedeutende Wegmarken einer ‚neuen Zeit‘ sind, die ihre eigenen Gewinner und Verlierer hervorbringen wird. Unternehmen, die strukturelle Trends antizipieren bzw. ihren Nutzen daraus ziehen können, profitieren. Hier hat der asiatische Kontinent weiter die Nase vorn."

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