Heiko Böhmer: Gold als Krisenschutz: Besser als gedacht

Heiko Böhmer · Uhr
Quelle: whiteMocca/Shutterstock.com

In Krisenzeiten schlägt in der Regel die Stunde des Goldes – doch in der aktuellen Krise bleibt das Edelmetall hinter den Erwartungen zurück. Schaut man jedoch genauer hin, dann gilt das für Europäer nur für die Preisentwicklung in Dollar. Auf Euro-Basis hat sich Gold deutlich besser gehakten und auch langfristig fällt der Vergleich mit Aktien besser als gedacht aus.

Um Gold aber als Investment zu verstehen, ist es wichtig auf die fundamentale Lage am Goldmarkt zu schauen. Also was treibt die Nachfrage und wo kommt das Angebot her? Beim Blick auf die Nachfrage zeigen sich vier Faktoren als besonders stabil. Ziemlich exakt die Hälfte des Goldes weltweit wird zu Schmuck verarbeitet. Gerade in Ländern wie China und Indien hat Goldschmuck eine besondere Bedeutung für die Vermögenssicherung.

Der zweitgrößte Bereich sind die Investitionen. Dazu gehören die physischen Anlagemöglichkeiten mit Barren und Münzen genauso wie die börsennotierten Goldpapiere – die Gold-ETCs. Diese sind in der Regel mit physischem Gold hinterlegt und bieten Investoren einen einfachen Zugang zum Goldmarkt, ohne jedoch vor der Herausforderung der Lagerung zu stehen.

Wie sieht es denn aktuell in der schwierigen Lage an den Kapitalmärkten mit dem Goldmarkt 2022 aus? Dazu hat das World Gold Council kürzlich die aktuellen Daten veröffentlicht. So hat die Investmentnachfrage zum Stichtag 30.09.2022 im Vorjahresvergleich etwas nachgelassen. Die Gold-Experten des WGC erwarten eine Fortsetzung dieses Trends bis zum Jahresende.

Notenbanken kaufen weiter Gold

Gleichzeitig lag die Goldnachfrage der Notenbanken über den Erwartungen. Hier sieht es doch so aus, als ob die Profis das aktuelle Preisniveau beim Gold für den Aufbau von Positionen nutzen. Der wichtige Teil der Schmucknachfrage hat sich 2022 bis jetzt ebenfalls robuster gezeigt als erwartet. Vor allem die so wichtige Nachfrage aus China und Indien hat den Markt hier stabilisiert.

Vor allem die Käufe der Notenbanken könnte weiterhin stützend wirken. So setzen immer mehr Notenbanken weltweit auf größere Goldanteile bei den Währungsreserven. Die weltweiten Notenbankbestände sind seit der globalen Finanzkrise bis heute von rund 30.000 Tonnen auf immerhin mehr als 34.000 Tonnen angestiegen. Und während der Anteil der Industrieländer bei den Goldreserven der Notenbanken kaum zugelegt hat, setzen immer mehr Schwellenländer auf die Stabilität des Goldes bei den nationalen Währungsreserven.

Gold ist stark auf Euro-Basis

In diesem Jahr steht Gold in der Kritik. So heißt es oft: In der aktuellen Krise hat der Goldpreis auch nachgegeben und Gold hat seine wichtige Eigenschaft als Krisenschutz verloren. Das mag in Dollar gerechnet so sein. Doch auf Euro-Basis, und die ist nun einmal maßgeblich für Investoren in Deutschland, sieht es ganz anders aus. Zum Stichtag Ende Oktober hatte der DAX auf Sicht eines Jahres knapp 16 Prozent verloren. Beim Gold hingegen stand hier ein Zuwachs von fast 8 Prozent.

Noch deutlicher schlägt das Pendel in Richtung Gold beim Blick auf die 5-Jahres-Perfomance. Hier hat der Goldpreis in Euro gerechnet um 52 Prozent zugelegt, während der DAX im gleichen Zeitraum unverändert geblieben ist. Betrachtet man beim Gold einen längeren Zeitraum, so wird die stabile Rendite noch deutlicher: Seit 2000 liegt die Jahresrendite beim Gold durchschnittlich bei 9 Prozent. Damit muss sich das Edelmetall nun wirklich nicht verstecken.

Bis zu 10 Prozent Goldanteil sind ideal

Hieran wird deutlich: Goldanleger sollten einen langen Atem mitbringen und dieses Edelmetall als strategische Beimischung im Portfolio betrachten und weniger als taktische Renditechance ansehen. Dabei stellt sich natürlich die Frage: Welcher Goldanteil ist dabei ratsam? Hier hat sich im Laufe der Zeit ein Goldanteil von 10 Prozent als gute Größe herausgestellt.

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