Kolumne von Heiko Böhmer

Was jeder Investor über langfristige Durchschnitte wissen muss

Heiko Böhmer · Uhr
Quelle: sasirin pamai

Die Bilanz an den Kapitalmärkten nach fünf Monaten fällt sehr positiv aus. Viele Anlageklassen haben schon um zehn Prozent und mehr zugelegt. Hinzu kommen etliche Rekordmarken – entweder bei Indizes oder auch bei Einzelaktien. Besonders stark waren zuletzt auch Gold und Bitcoin mit neuen Allzeithochs. Wenn dieser Trend anhält, könnten am Ende des Jahres Zuwächse von 20 Prozent und mehr erreicht werden. 

Tatsächlich ist genau das ein Trugschluss. Das lineare Fortschreiben von Performancedaten führt sehr oft in die Irre. Wenn eine Aktie in einem Jahr nach fünf Monaten mit zehn Prozent im Plus steht, ergibt sich ein monatlicher durchschnittlicher Zuwachs von zwei Prozent. Schreibt man das auf das Gesamtjahr fort, so könnte die Aktie am Ende um 24 Prozent steigen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass genau dies nicht eintritt. 

Dazu hilft der Blick auf die historischen Durchschnitte der Wertentwicklung an den Kapitalmärkten. Beispiel Aktien: Hier geht es ganz langfristig gesehen im Jahr durchschnittlich um sieben bis acht Prozent nach oben. Aktuell ist aber der S&P-500-Index schon um etwas mehr als zehn Prozent gestiegen – und das in nur fünf Monaten. Damit wird zunächst einmal vor allem eins klar: Die Dynamik des Anstiegs liegt deutlich über dem historischen Durchschnitt. Sollte man also als Investor jetzt besonders vorsichtig werden, weil dieser Index schon überdurchschnittlich zugelegt hat? Das lässt sich nicht so einfach sagen.

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Beispiel US-Versorgeraktien: Der Branchenindex in den USA ist seit dem Jahresanfang bis Ende Mai um knapp 16 Prozent angestiegen. Allein im Mai stand ein Plus von neun Prozent zu Buche. Diese knapp 16 Prozent sind fast mehr als das Doppelte an Wertentwicklung im Vergleich zum langfristigen Durchschnitt. Der liegt bei den Versorgeraktien nur bei sieben Prozent in den vergangenen 25 Jahren. 

Wo Durchschnittsrenditen wirklich helfen

Oder Gold: Der Preis des Edelmetalls hat in diesem Jahr schon fast 13 Prozent zugelegt. Auch das liegt deutlich über dem historischen Schnitt der vergangenen 20 Jahre von 8,4 Prozent. Und ganz wichtig dabei: Diese Daten beziehen sich nur auf die ersten fünf Monate und nicht auf ein gesamtes Jahr. 

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Alleiniges Entscheidungskriterium an den Kapitalmärkten sollte der Blick auf die durchschnittliche Wertentwicklung der verschiedenen Anlageklassen dabei nie sein. Denn der Investor erfährt so zunächst einmal nur, ob wir eine über- oder unterdurchschnittliche oder doch eher nur eine durchschnittliche Entwicklung sehen. 

Wer aber auf die langfristigen Durchschnitte schaut, erhält ein realistisches Bild von den möglichen Erträgen bei bestimmten Aktien oder Anlageklassen. Dieser Fokus hilft also dabei, wirklich realistische Erwartungen zu entwickeln und eben nicht zu euphorisch zu werden. 

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