Dax fällt weiter – Hugo-Boss-Aktie stürzt nach Gewinnwarnung – Bitcoin erholt sich

Eine mögliche zweite Amtszeit des US-Präsidenten Donald Trump hat am Dienstag an der Frankfurter Börse weiterhin die Anleger verunsichert. Der Dax sank nach gut einer Stunde Xetra-Handel um 0,56 Prozent auf 18.487 Punkte und knüpfte so an seine Vortagsschwäche an.
Von Börsianern erwähnt wird in diesen Tagen der sogenannte Trump-Trade, wonach es bei Anlegern in New York relativ gut ankommt, dass die Chancen für eine Wiederwahl des Ex-Präsidenten Donald Trump nach dem Attentat vom Wochenende als gestiegen gelten. Anderswo wird dies eher negativ eingepreist, denn laut dem Marktbeobachter Thomas Altmann von QC Partners könnten höhere Zölle den Warenaustausch mit Europa und China massiv beeinträchtigen.
Altmann sieht den Dax aber auch im „üblichen Sommerloch“, was sich am Vortag in besonders niedrigen Umsätzen widergespiegelt habe. Durch einen weiteren Rücksetzer wird der zuletzt versuchte Ausbruch über den seit Mitte Mai gültigen Korrekturtrend vorerst zu einem Fehlausbruch. Am Freitag war der Leitindex auf das höchste Niveau seit Anfang Juni gestiegen, weshalb manch ein Börsianer ihn schon auf dem Weg zur Bestmarke von 18.892 Punkten sah.
Gewinnwarnung bei Hugo Boss: Aktie stürzt ans MDax-Ende
Der Modekonzern Hugo Boss hat seine Prognose für das Gesamtjahr 2024 nach einem enttäuschenden zweiten Quartal deutlich gesenkt. Der Umsatz soll nun nur noch um ein bis vier Prozent auf 4,20 bis 4,35 Milliarden Euro steigen, nachdem zuvor drei bis sechs Prozent erwartet worden waren. Auch beim Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) rechnet Hugo Boss mit einem Rückgang von bis zu 15 Prozent, während Analysten von einem Plus von 5 Prozent ausgegangen waren.
Zu den Gründen für die niedrigere Prognose zählen die schwache Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal, die anhaltenden Unsicherheiten im globalen Konsumklima sowie Währungseffekte. Im zweiten Quartal sank der Umsatz in Konzernwährung um 1 Prozent auf 1,015 Milliarden Euro, das EBIT brach um 40 Prozent auf 70 Millionen Euro ein.
Positiv zu erwähnen sind die gestiegene Bruttomarge und der höhere Free Cashflow. Die Bruttomarge verbesserte sich dank günstigerer Einkäufe von 62,3 Prozent im zweiten Quartal 2023 auf 62,9 Prozent. Der Free Cashflow stieg von 60 auf 142 Millionen Euro.
Die Hugo-Boss-Aktie reagierte auf die Gewinnwarnung mit einem Kurssturz. Nach gut einer Stunde Handel liegt sie mit fast zehn Prozent im Minus bei 36,36 Euro. Damit liegt sie am Ende des MDax.
Bitcoin setzt Erholung fort
Am Kryptomarkt hat der Bitcoin am Dienstag seine Erholung gebremst fortgesetzt und ist erstmals seit Ende Juni wieder über 65.000 US-Dollar gestiegen. Zuletzt notierte die älteste Digitalwährung der Welt auf der Handelsplattform Bitstamp aber wieder etwas tiefer bei gut 63.000 Dollar. Die jüngst besonders stark gestiegene und nach Marktwert zweitgrößte Kryptoanlage Ether schwächelte ebenfalls ein wenig.
Kryptowährungen profitieren vor allem von der Hoffnung auf regulatorische Erleichterungen in den USA. Das gilt sowohl mit Blick auf die anstehende Zulassung neuer Analgevehikel als auch hinsichtlich der Frage, wer nach der Präsidentschaftswahl Anfang November künftig im Weißen Haus regiert. Derzeit etwa antizipierten Anleger eine Rückkehr des Republikaners Donald Trumps an die Macht, schrieb Experte Timo Emden von Emden Research. Da sich Trump jüngst als kryptofreundlich positioniert habe, erhoffe sich die Branche insbesondere eine in Zukunft weniger restriktive Regulierung. „Sollten die regulatorischen Daumenschrauben in Zukunft gelockert werden, wäre dies womöglich Wasser auf die Mühlen für Bitcoin und Co“, kommentierte Emden.
Auch die mit dem US-Wahlkampf verbundene Unsicherheit dürfte dem Experten zufolge Kryptowerten in die Karten spielen. „Anleger könnten in Bitcoin und Co ein Fluchtvehikel sehen, um kurzfristig Liquidität zu parken“, fuhr Emden fort.
Das zuletzt deutliche aufgehellte charttechnische Bild könnte laut dem Fachmann ebenfalls die jüngste Aufwärtsdynamik beim Bitcoin-Kurs verstärkt haben. Dieser hatte am Montag die viel beachtete 200-Tage-Durchschnittslinie als Maß für die langfristige Entwicklung deutlich übersprungen. Nun notiert der Bitcoin nahe der 50- und 100-Tage-Linien. Sie beschreiben die mittelfristigen Trends.
Allerdings gibt es auch potenzielle Belastungsfaktoren für den Bitcoin-Kurs. So sind Optionen-Händler derzeit relativ vorsichtig. Zudem sieht sich der Bitcoin einem zunehmenden Verkaufsdruck ausgesetzt. Ein Grund dafür sind große Verkäufe in Deutschland.
Vor diesem Hintergrund richten sich die Blicke auch auf die bevorstehende Einführung von solchen börsengehandelten Fonds, die direkt in Ether investieren. Diese sogenannten Spot-Ether-ETFs könnten Experten zufolge noch im Juli an den Start gehen. Das Analysehaus Kaiko vermutet, dass der Ether-Kurs dann weiter den Bitcoin übertrumpfen dürfte.
Laut dem Fachmann Matthew O'Neill von der auf Fintechs spezialisierten Investmentbank Financial Technology Partners würde es die Einführung von Spot-Ether-ETFs institutionellen Anlegern ermöglichen, ihr Krypto-Portfolio weg von reinen Bitcoin-Produkten zu diversifizieren. Die US-Börsenaufsicht SEC hatte im Mai den Weg für dieses Anlagevehikel grundsätzlich freigemacht.
Goldman erhöht Kursziel für Nemetschek auf 103 Euro - Einstufung bleibt „Neutral"
Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat ihr Kursziel für die Nemetschek-Aktie vor den Zahlen zum zweiten Quartal von 98 auf 103 Euro angehoben. Die Einstufung des Papiers wurde allerdings auf „Neutral" gehalten. Damit die Analyse davon aus, dass die Nemetschek-Aktie sich wie der Gesamtmarkt entwickeln wird
Analyst Mohammed Moawalla begründete die Anhebung des Kursziels veröffentlichten Studie mit einer Erhöhung seiner Annahmen für den bereinigten Gewinn je Aktie in den Jahren 2024 bis 2028. Diese Annahmen wurden um 2 bis 7 Prozent angehoben.
Nemetschek ist ein Software-Entwickler für Architektur und Bau. Das Unternehmen bietet eine breite Palette von Lösungen für die gesamte Wertschöpfungskette der Bauindustrie an, von der Planung und dem Design bis hin zur Ausführung und zum Betrieb. Zu den Kunden von Nemetschek gehören Architekten, Ingenieure, Bauunternehmer und Immobilienbesitzer.
Die Nemetschek-Aktie hat sich seit Jahresbeginn gut entwickelt und ist um rund 25 Prozent gestiegen. Dies liegt zum einen an der guten Geschäftsentwicklung des Unternehmens, zum anderen aber auch an der allgemein positiven Stimmung an den Aktienmärkten.
Moawalla zeigte sich in seiner Studie insgesamt optimistisch für die Zukunft von Nemetschek. Er erwartet, dass das Unternehmen weiterhin von der wachsenden Nachfrage nach seinen Softwarelösungen profitieren wird. Allerdings sieht er auch einige Risiken, wie zum Beispiel die konjunkturelle Entwicklung und die zunehmende Konkurrenz durch andere Anbieter.
Redaktion onvista/dpa-AFX