Kolumne von Heiko Böhmer

Die US-Wahl könnte die saisonalen Börsen-Schwankungen verstärken

Heiko Böhmer · Uhr
Quelle: Muhammad Alimaki/ Shutterstock

Jeder Tag ist anders an der Börse. Es besteht immer die Chance auf Zuwächse oder Verluste − an jedem einzelnen Handelstag. Die Chancen stehen dabei immer bei 50 zu 50. Über längere Zeiträume bilden sich jedoch Muster heraus. Gerade auf ein Jahr bezogen, lohnt es sich, die saisonalen Aspekte genauer unter die Lupe zu nehmen. 

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Zwar reicht der rein saisonale Blick auf die Entwicklung der Kapitalmärkte alleine zur Einschätzung der Entwicklung nicht aus, denn tatsächlich spielen dafür verschiedene Faktoren eine Rolle. Aber zur Einordnung von aktuellen Trends im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt ist der saisonale Blick auf die Märkte durchaus hilfreich. Das gilt speziell in US-Wahljahren – doch dazu später noch mehr. Zu Beginn soll es um maßgebliche Anlageklassen und die aktuelle Marktlage gehen. 

Tatsächlich kam nach dem Absturz Anfang August doch die schnelle Korrektur an den Börsen (siehe Chart oben). Aus saisonaler Sicht spricht aber vieles dafür, dass es in den kommenden Wochen noch einmal ungemütlich werden könnte an den Börsen. Gerade der September ist als schwacher Börsenmonat bekannt. Spannend ist der Blick auf den S&P-500-Index.

Das haben die Marktexperten von sentix in ihrer aktuellen Analyse zur Saisonalität und Zyklen getan. „Der August ist der volatilere Monat, der September bringt aber oft die ernsten Verluste. Die September-Problematik wird vor allem beim Blick auf die US-Aktienmarkt-Saisonalität sichtbar. Von Entwarnung also keine Spur, zumal die Divergenz zwischen Markt und Konjunktur unverändert besteht.“ Damit spielen die Experten auf die immer noch sehr hohen Kurse an den Börsen trotz der zuletzt zahlreichen schwachen Konjunktursignale an. 

US-Wahljahre sind extrem spannend

Nun trifft diese aktuelle Marktlage auf die bevorstehende US-Wahl. Auch dazu existieren viele Statistiken und Analysen in Bezug auf die Börse. Grundsätzlich gilt: US-Wahljahre sind tendenziell gute Börsenjahre. Das gilt speziell für das letzte Jahr einer der ersten Amtszeit. Hier hebt sich vor allem die zweite Jahreshälfte positiv ab mit klaren Zuwächsen. 

Interessant ist dabei der langfristige Blick auf die Kapitalmärkte: Während in der ersten Amtszeit eines US-Präsidenten die Kurse im Durchschnitt, gemessen am Dow-Jones-Index, um rund 43 Prozent zulegen konnten, liegt der Vergleichswert für die zweite und damit letzte Amtszeit nur noch bei 22 Prozent. Diese Daten liefern die US-Wahlexperten von Real Clear Polling und die Datenbasis geht zurück bis ins Jahr 1900. Somit ist das schon ein wirklich aussagekräftiger Zeitraum von knapp 125 Jahren. 

Allerdings befinden wir uns im aktuellen Wahlkampf schon in einer ganz besonderen Situation: Der Amtsinhaber Joe Biden von den Demokraten tritt nicht mehr an und hat erst kurzfristig den Weg für Kamala Harris freigemacht, die im Verlauf dieser Woche nun zur offiziellen Kandidatin der Demokraten aufgestiegen ist. In den direkten Umfragen Harris versus Trump hat Harris zuletzt deutlich zugelegt und liegt bei einigen sogar in Führung. 

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Doch das muss keinesfalls die Trendwende sein zugunsten der Demokraten. Erstens liegt der Vorsprung von Harris noch im Bereich der Fehlertoleranz von drei Prozentpunkten. Zweitens sieht es derzeit nicht nach einer Mehrheit für Harris bei den Wahlmänner-Stimmen aus. Die entscheiden aber letztendlich die Präsidentschaftswahl − und nicht die Anzahl der abgegebenen Stimmen. 

Somit bleibt festzuhalten: Saisonal betrachtet können die kommenden Wochen – und vor allem der September – sehr spannend werden. Die Anfang November stattfindende US-Wahl wirkt dabei möglicherweise wie ein Verstärker. 

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