Varta - Sanierung und Brückenkredit unter Dach und Fach

München (Reuters) - Der Batteriehersteller Varta ist seiner finanziellen Sanierung einen großen Schritt näher gerückt.
Die Verträge mit den Kreditgebern und Schuldscheingläubigern sowie mit den künftigen Aktionären, dem österreichischen Investor Michael Tojner und dem Sportwagenbauer Porsche, seien unterschrieben, teilte das angeschlagene Unternehmen am Montag im schwäbischen Ellwangen mit. Zuletzt hatte es in den seit Juli laufenden Verhandlungen immer noch Unstimmigkeiten über Details gegeben. Tojner und Porsche stellen zusammen 60 Millionen Eigenkapital zur Verfügung. Die übrigen Aktionäre gehen leer aus. Trotzdem lag die Aktie am Montag noch bei 1,42 Euro.
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Die Porsche AG steigt nicht nur mit 50 Prozent bei der Varta AG ein, sondern will auch etwa 70 Prozent an der Tochter V4Drive Battery übernehmen, deren Batterien Porsche für seine Hybrid-Sportwagen braucht. Das geht aus der Anmeldung der Transaktion bei der österreichischen Wettbewerbsaufsicht hervor. Die Höhe der geplanten Mehrheitsbeteiligung an V4Drive war bisher nicht bekannt.
Die Zeit, bis alle Beteiligten dem Sanierungsplan im Zuge des vorinsolvenzlichen StaRUG-Verfahrens zugestimmt haben, überbrückt Varta mit einem bis zu 30 Millionen Euro schweren Brückenkredit, der von einem Teil der kreditgebenden Banken kommt. Der Plan soll noch im Oktober finalisiert werden, danach muss er - voraussichtlich noch in diesem Jahr - vom zuständigen Gericht in Stuttgart abgesegnet werden. Die erforderlichen Mehrheiten der unterschiedlichen Interessengruppen seien gesichert, erklärte der Vorstand.
Varta hatte sich mit gefloppten Investitionen übernommen und war in eine existenzbedrohende Krise gerutscht. Nach dem Sanierungsplan verzichten die Gläubiger nun auf mehr als die Hälfte der Kredite und Schuldscheindarlehen.
Aktionärsvertreter äußern Unmut. Sie kritisieren, dass nur der Großaktionär Tojner neue Aktien erhält, während sie in dem StaRUG-Verfahren leer ausgehen sollen. Varta argumentiert, dass eine öffentliche Kapitalerhöhung schon technisch nicht möglich sei: Für den vorgeschriebenen Börsenprospekt bräuchte das Unternehmen einen testierten Jahresabschluss. Dafür wiederum ist eine positive Fortführungsprognose nötig, die Varta aber nur dann von den Gutachtern bekommt, nachdem frisches Geld geflossen ist. Experten halten das Dilemma für einen Konstruktionsfehler des vor vier Jahren eingeführten Sanierungsverfahrens.
(Bericht von Alexander Hübner. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)