Börsenpanik

"Die Nerven sind blank": Das sagen Experten zum Dax-Absturz

dpa-AFX · Uhr (aktualisiert: Uhr)
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Quelle: Shutterstock.com/Kapustin Igor

Der Kurseinbruch des Dax wegen der rabiaten US-Zollpolitik hat sich am Montag fortgesetzt. Seine anfänglichen Einbußen von 10 Prozent konnte der deutsche Leitindex zwar ein klein wenig eindämmen auf zuletzt rund sechs Prozent. Damit droht aber weiterhin ein auch im historischen Vergleich hoher Tagesverlust.

Zudem steht ein satter Verlust von fast 14 Prozent in nur drei Handelstagen zu Buche - also seit Donald Trump das umfassende Zollpaket gegen den Rest der Welt bekannt gegeben hat. Die zuvor deutlichen Kursgewinne des Dax seit Jahresbeginn sind Geschichte. Und bei anderen großen Börsenindizes sieht es noch schlimmer aus. Das sagen Marktbeobachter und Analysten zur Lage.

Andreas Lipkow, Finanzmarktexperte:

"Der Verkaufsdruck hat zum Wochenstart noch einmal massiv zugenommen. Die Nerven liegen blank." (...) "Die konjunkturellen Spätfolgen der neuen US-Strafzollpolitik lassen sich derzeit kaum abschätzen. Den Notenbanken sind zudem durch die potenziellen Inflationserscheinungen die Hände gebunden."

Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege beim Broker RoboMarkets:

"Der Dax verliert innerhalb nur weniger Tage seinen gesamten Jahresgewinn von rund 18 Prozent und rutscht heute Morgen auch unter die aus technischer Sicht wichtige 200-Tage-Linie. (...) Die Stimmung an der Börse ist so negativ wie lange nicht. Keiner will in das fallende Messer greifen und von der nächsten Gegenzoll-Maßnahme eventuell aus Europa erwischt werden. Auf der anderen Seite sortieren sich die großen Fondsmanager und Vermögensverwalter neu und richten ihre Portfolios auf eine drohende, weltweite Rezession aus. (...) Je länger tatsächliche Verhandlungen vor allem zwischen den großen Volkswirtschaften auf sich warten lassen, umso stärker werden die nächsten Konjunkturdaten deutliche Bremsspuren zeigen. Die Unternehmen werden vor diesem Hintergrund ihre Gewinnerwartungen herunterschrauben müssen, nach immer höherem Wachstum drohen nun einige Quartale, wenn nicht gar Jahre mit mageren Zahlen und trüben Aussichten."

Maximilian Wienke, Marktanalyst bei der Investmentplattform eToro:

"Die neuen Zölle von Donald Trump überschatten derzeit alles andere an den Märkten. Die Rezessionssorgen nehmen zu, die Anlegerstimmung ist im Keller. Dennoch stehen neue Impulsgeber bevor: Die US-Inflationsdaten und der Start der US-Berichtssaison."

Ralf Umlauf und Ulrich Wortberg, Ökonomen bei der Landesbank Helaba:

"Weltweit sind die Aktienbörsen im Korrekturmodus, nachdem US-Präsident Trump ein umfassendes Zollpaket vorgestellt hat und es im Falle Chinas zu erheblichen Vergeltungszöllen gekommen ist. (...) Erste Überverkauft-Indikationen gibt es zwar, die Korrektur bereits ad-acta zu legen, erschiene uns jedoch verfrüht."

Andreas Büchler und Franz-Georg Wenner vom Börsen-Dienst Index Radar:

"Die Märkte taumeln, die Nerven liegen blank. Wer am Wochenende auf Deeskalation in Washington gesetzt hatte, wurde enttäuscht. Unserer Erfahrung nach steigen nun aber die Chancen für eine zumindest kurzfristige technische Erholung." (...) "Doch wer nur den Sturz sieht, verpasst womöglich das Potenzial dahinter. Unsere Analysen zeigen: Inmitten technischer Schwäche und politischer Unruhe formiert sich leise eine überverkaufte Lage - mit Chancen, die im Rückspiegel oft klarer erscheinen als im Moment selbst."

Christoph Geyer, technischer Marktanalyst:

"Mit hohen Umsätzen ist der deutsche Aktienmarkt zum Wochenschluss eingebrochen. (...) Selbst wenn zum Wochenauftakt eine weitere Abwärtsbewegung erfolgt, wird eine Gegenbewegung auf die jüngsten Kursverluste unausweichlich sein. Wichtig wäre dann, dass auch die Anstiegsbewegung von hohen Umsätzen begleitet wird, damit es sich nicht nur um ein Strohfeuer handelt, sondern ein Ende der Abwärtsbewegung. In der anstehenden Woche dürften erste Entscheidungen zur weiteren Entwicklung fallen."

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