Coronavirus: Chinas Wirtschaft ist erschüttert – Unterschätzen die Weltmärkte die Auswirkungen massiv?

onvista

In China wachsen die Sorgen vor den wirtschaftlichen Folgen wegen der Epidemie durch das neuartige Coronavirus.

Coronavirus: Chinas Wirtschaft ist erschüttert – Unterschätzen die Weltmärkte die Auswirkungen massiv?

In der Volksrepublik sind nach Angaben der Gesundheitsbehörden inzwischen mehr als 1000 Menschen an dem Virus gestorben. Unternehmen gaben Stellenstreichungen bekannt, obwohl Chinas Präsident Xi Jinping zugesichert hatte, dass Massenentlassungen vermieden werden sollen. „Der Ausbruch des Coronavirus hat die Dynamik der chinesischen Wirtschaft grundlegend verändert“, urteilten die Analysten der US-Bank JP Morgan und senkten ihre Prognosen für das chinesische Wirtschaftswachstum in diesem Quartal. Ein führender chinesischer Wissenschaftler erklärte, der Höhepunkt der Epidemie könnte diesen Monat erreicht werden. In Genf begann unterdessen ein Expertengipfel mit rund 400 Wissenschaftlern zum Coronavirus unter Leitung der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte zur Eröffnung des Treffens, der Ausbruch des Virus stelle einen Notfall für China dar und sei auch eine „ernsthafte Bedrohung für den Rest der Welt“. Der chinesische Epidemiologe Zhong Nanshan, der für seine Rolle bei der Bekämpfung der Sars-Epidemie 2003 international bekanntwurde, erwartet, dass die Spitze der Epidemie bis Mitte oder Ende Februar erreicht werden dürfte und bis April überschritten sein könnte. In einigen Provinzen verbessere sich die Lage bereits.

Die Zahl der festgestellten Infektionen stieg zuletzt um 2478 auf 42.638. Insidern zufolge warnte Xi bereits in der vergangenen Woche vor den wirtschaftlichen Folgen der Bekämpfung des Virus. Einige der Maßnahmen gegen die Ausbreitung der gefährlichen Lungenkrankheit seien zu weit gegangen, hätten Angst in der Bevölkerung ausgelöst und schadeten der Konjunktur, sagte Xi laut Teilnehmerkreisen bei einem Treffen des ständigen Ausschusses des Politbüros Anfang vergangener Woche. Er drang demnach darauf, von „restriktiveren Maßnahmen“ abzusehen.

Unterschätzen die Weltmärkte die Auswirkungen massiv?

In China wurden mehrere Millionenmetropolen, darunter die Provinzhauptstadt Wuhan, die als Ausgangspunkt des Virus gilt, praktisch von der Außenwelt abgeschottet. Fabriken und Schulen wurden geschlossen, Fluggesellschaften strichen Flüge in das Land. Unternehmen hatten zu Wochenbeginn Mühe, zum Normalbetrieb zurückzukehren, nachdem die Behörden sie aufgefordert hatten, bis zu zehn zusätzliche Tage auf die Neujahrsfeiertage aufzuschlagen, die Ende Januar endeten. Hunderte von chinesischen Firmen erklärten, sie benötigen Kredite, um sich über Wasser zu halten.

Dem Nationalen Institut für Finanzen und Entwicklung zufolge könnte der Ausbruch des Coronavirus das chinesische Wirtschaftswachstum in diesem Jahr um bis zu einen Prozentpunkt dämpfen. „Kurzfristig können die Auswirkungen der Epidemie auf die Wirtschaftstätigkeit nicht ignoriert werden – vor allem, da Dienstleister und kleine Unternehmen mit knappen Kapitalzuflüssen einem größeren Druck ausgesetzt sind“, sagte der stellvertretende Institutschef Zeng Gang.

Die Behörden erklärten, zusätzlich zu den bereits angekündigten Zinssenkungen und fiskalischen Anreizen weitere Maßnahmen zur Stabilisierung der Arbeitsplätze zu planen. Der chinesische Medienkonzern Xinchai Media etwa will rund 500 Stellen streichen – etwas mehr als ein Zehntel seiner Belegschaft – um das eigene „Überleben zu sichern“. Die Restaurantkette Xibei sorgt sich um die Gehälter ihrer etwa 20.000 Mitarbeiter. Wenn sich das Virus weiter ausbreite, werde man „nicht viel länger durchhalten können“. Die Analysten der japanischen Investmentbank Nomura gehen davon aus, dass das Virus „verheerende Auswirkungen“ auf die chinesische Wirtschaft im Januar und Februar hat. „Wir machen uns Sorgen, dass die weltweiten Märkte das Ausmaß der Auswirkungen bislang deutlich unterschätzen.“

Baltic Dry Index geht weiter in die Knie

Der Baltic Dry Index, der die Frachtraten für Seetransporte misst, muss weiterhin Punkte abgeben und ist ein Indikator für den wachsenden Druck auf die Weltwirtschaft, der von dem Virus ausgeht. Seit Jahresbeginn ist er fast jeden Tag gesunken, von anfänglich noch über 1000 Punkten auf nun nur noch 415 Punkte. Im Oktober 2019 notierte er noch bei 2000 Punkten. Ein überragender Teil des Welthandels findet über den Seeweg statt, daher ist dieser Index einer der zuverlässigsten Indikatoren für den Zustand der weltweiten Konjunktur. Vor allem der „Capesize“-Index für sehr große Frachter, die Rohstoffe wie Kupfer transportieren, ist dramatisch eingebrochen.

Die Reedereien bekommen die Folgen der Abschottung Chinas also deutlich zu spüren. Laut Analysen des Datenanbieters Alphaliner ist der Handelsschiffsverkehr in Chinas Häfen in den vergangenen drei Wochen um 20 Prozent zurückgegangen. Laut Daten des Frachtratenportals Freightos ist zudem der Preis für den Transport eines Containers von China nach Europa vergangene Woche um 14 Prozent gesunken.

Aktien der Schifftransportanbieter sind seit Anfang des Jahres stark eingebrochen. Branchenprimus Maersk blickt Year to Date auf ein Minus von 13,5 Prozent, beim chinesischen Unternehmen Pacific Basin Shipping sind es mehr als 21 Prozent Verlust. Der US-Wert Genco Shipping musste sogar ein Minus von 27,5 Prozent verkraften. Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd stemmt sich mit einem Minus von gerade einmal 0,5 Prozent bisher überraschend gut gegen die schwierigen Bedingungen.

Hapag-Lloyd: Konjunkturgefahr durch Coronavirus und kostspielige neue Kraftstoff-Regelung - Aktie trotzt bisher allen Widrigkeiten

Auch der Preis für Kupfer ist in den letzten Wochen regelrecht eingebrochen. Kupfer ist eines der mit Abstand wichtigsten Industriemetalle und daher ebenfalls ein starker Indikator für den Zustand der globalen Konjunktur. Auf Monatssicht ist der Preis um fast 9 Prozent zurückgegangen.

onvista-Redaktion/reuters

Titelfoto:  olympuscat / Shutterstock.com

 – Anzeige –

Vergiss Elektroautos - dieser Markt könnte viel größer werden

Milliardenschwere Forschungsprogramme treiben die Entwicklung beim Wasserstoff jetzt voran. Vor unseren Augen entwickelt sich eine gewaltige Industrie – und es gibt 2 Player, die unserer Analyse nach jetzt bereits davon besonders profitieren könnten! Lies alle Infos jetzt in der kostenlosen Studie „Wasserstoff: Ein schlafender Riese erwacht!“ von The Motley Fool Deutschland. Einfach klicken, um jetzt herauszufinden wie du von diesem Megatrend profitieren könntest! Plus: 2 Aktien die wir für besonders spannend halten – jetzt kostenlose Studie „Wasserstoff: Ein schlafender Riese erwacht!“ anfordern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kurs zu Hang Seng Index

  • 26.318,60 HKD
  • -0,64%
25.02.2020, 20:02, BNP Paribas Indikation
Weitere onvista-News
alle Artikel anzeigen

Derivate-Wissen

Sie glauben, der Kurs des "Hang Seng" bleibt annähernd gleich?

Mit Discount-Zertifikaten können Sie auch bei stagnierenden "Hang Seng" Kursen eine positive Rendite erzielen.

Erfahren Sie mehr zu Discount-Zertifikaten