Reflation und steigende Renditen deckeln den Aktienmarkt

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Reflation und steigende Renditen deckeln den Aktienmarkt

In der letzten Woche haben sich diese Tendenzen beschleunigt. 10-jährige Staatspapiere stiegen in Australien um 11 Basispunkte (0,11 Prozentpunkte), in den USA um 10, in Deutschland um 6 und in der Schweiz um 4 Basispunkte. Besonders bei Anleihen mit längeren Laufzeiten sind die Kursverluste erheblich. Das gilt inzwischen sogar für Deutschland. So sprang im Januar die Inflationsrate in Deutschland überraschend stark auf 1,6 %, während die 10-jährige Bundesanleihe bei – 0,3 % rentiert – sich jedoch deutlich von den Tiefs erholt hat. Daraus resultiert ein negativer Realzins von 1,9 %! Der Zinsdruck wird somit immer größer, zumal der eigentliche Basiseffekt in der Inflation Richtung zweites Quartal erst richtig durchschlagen wird.

Gibt es einen neuen Superzyklus bei den Rohstoffen? Haupttreiber dieser inflatorischen Tendenz sind die Rohstoffpreise. Die Weltkonjunktur zieht an und Chinas Volkswirtschaft läuft unter Volllast. Die Ölpreise explodieren. Joe Biden plant, 2 Bio. $ über vier Jahre in einen Green Deal zu pumpen, der die Energiewende in den USA voranbringt. Für neue Stromtrassen, Elektroautos sowie Ladestationen sind große Mengen Stahl und Kupfer nötig – zusätzlich zu der ohnehin hohen Nachfrage aus Industrie und Bauwirtschaft. Bei Silber stiegen die Industrienachfrage und die physische Investmentnachfrage zu Jahresbeginn um 11 % auf ein Acht-Jahres-Hoch. Ähnlich sieht es bei Platin aus. Die Preise für Seltene Erden haben sich seit Oktober fast verdoppelt und China steht hier unmittelbar vor weitreichenden Exportbeschränkungen. Titel wie China Northern Rare Earth, Xiamen Tungsten und Minmetals aus China oder Lynas und Ionic Rare Earths haben bereits einen Lauf.

Gleichzeitig ist das Angebot knapp. Auf der Angebotsseite haben viele Rohstoffproduzenten bei stagnierenden Preisen in den letzten Jahren Überkapazitäten abgebaut und Investitionen zurückgefahren. Dazu kommt ein wachsendes Interesse von Investoren an Rohstoffen als Inflationsabsicherung. Im Ergebnis stehen steigende Rohstoffpreise, die zwar kurzfristig überhitzt sind, mittelfristig jedoch weiterlaufen werden.

Entscheidend ist, wie die Notenbanken auf diese Situation im zweiten Halbjahr reagieren werden. Ufert die Inflation in den USA aus – wir sprechen hier von Raten zwischen 3 bis 5 %, wird die Fed reagieren müssen. Jedes Signal einer geldpolitischen Straffung wird zweifellos zu einer Zäsur am Aktienmarkt führen, die auch schmerzhaft werden kann. Deshalb ist der Blick auf die Inflation so wichtig.

Wenn Blasen platzen, geht es schnell. Im Bereich E-Mobility und Wasserstoff ging es im Verlauf der letzten Woche richtig zur Sache. Auch zuvor stark gelaufene Nebenwerte anderer Sektoren kamen reichlich unter die Räder. Nach den atemberaubenden Kursgewinnen der letzten Monate ist dies schlicht die Rückkehr zur Normalität. Dazu gehört auch, dass die Aufwärtsdynamik der Kurse an Schub verliert, je besser nun die News aus der Wirtschaft werden.

Fazit: Die Dynamik der Hausse seit April 2020 flacht ab. Exzesse und inflatorische Tendenzen müssen verdaut werden. Große Korrekturen (mit Ausnahme einiger Exzesse) sind ohne eine monetäre Trendwende jedoch nicht zu erwarten.

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Oliver Kantimm / Der Aktionärsbrief

Foto: gopixa / Shutterstock.com

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