Kutzers Zwischenruf: „Rezepte“ für eine internationale Aktienmischung

Hermann Kutzer · Uhr

Im Dialog mit privaten Anlegern kommt manchmal der Wunsch, ich sollte doch auch aktuelle Rezepte für die Mischung eines erfolgversprechenden Aktiendepots nennen – also konkrete Einzelwerte (man könnte auch von Geheimtipps sprechen). Als journalistischer Beobachter der Märkte kann ich dem nicht folgen, einfach weil das nicht meine Aufgabe ist. Mindestens ebenso wichtig ist der Hinweis, dass es „Rezepte“ im gewünschten Sinn nicht geben kann, obwohl sich der Vergleich zwischen dem Anlageberater und dem Hausarzt durchaus anbietet. Hier stößt man aber auf das Kernproblem: Der Doktor stellt das Rezept für einen Patienten aus, den er vorher untersucht und diagnostiziert hat – er kennt ihn also. Nebenbei: Trotzdem garantiert kein Rezept auch die gewünschte Wirksamkeit der Medizin.

Viel anders verhält es sich auch nicht an der Börse. Einerseits gibt es weltweit ungezählte Anlageinstrumente und Einzelwerte, denen Individuen mit naturgemäß unterschiedlichen Ausgangssituationen, Zielsetzungen und Charakteren gegenüberstehen. Wie kann ein Vermögensverwalter da allgemeingültige „Rezepte“ ausstellen? Ich habe schon vor Jahrzehnten vor solcher Medikamentierung gewarnt und in meinen Vorträgen gezeigt, dass man die Aktie XY zeitgleich zum Kauf und Verkauf empfehlen kann. Ein stark vereinfachtes Beispiel: Anleger A hat zu viel Liquidität angesammelt und möchte einen günstig erscheinenden Börsentrend zum Kauf von XY auf Kursbasis 100 Euro nutzten. Diese Aktie hatte in den letzten Jahren einen tiefen Rückschlag von 200 bis auf 50 Euro hinnehmen müssen und gilt jetzt bei 100 nach einer gelungenen Umstrukturierung/Neuorientierung des Unternehmens wieder als kaufenswert. Anleger B dagegen hatte ein gutes Näschen bewiesen und die XY-Titel in großem Stil zum (oder nahe dem) Tief von 50 Euro gekauft – da lohnt sich jetzt die Realisierung des satten Kursgewinns durch Verkauf zu 100 Euro.

Um im Bild zu bleiben, hier und heute zumindest ein paar „rezeptfreie“ Hinweise: Ich bekräftige meinen Vorschlag, bei einem langfristig angelegten internationalen Aktiendepot defensive Werte (Value) und Wachstumswerte (Growth) zu mischen und das mit den drei Schwerpunkten Europa, USA (Einzelwerte picken) und China / Indien (Fonds). Neben den US-Tech-Giganten (immer noch!) und unseren SAP sympathisiere ich u.a. mit dem globalen Gesundheitsthema (dänische Novo Nordisk) und europäischen konsumnahen Aktien wie Nestlé, Lindt & Sprüngli und LVMH. Dazu meine Empfehlung, das Portfolio durch physisches Gold (kleine Münzen und Barren) als Schutz gegen Katastrophen zu „impfen“ – unabhängig von der Preisentwicklung des edlen Metalls.

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