onvista-Börsenfuchs: Widersprüche irritieren die Märkte

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Hallo Leute! Glaubt nur nicht, dass wir schon bald wieder eine klare Peilung kriegen. Die täglichen Zuckungen der Aktienkurse spiegeln die allgemeine Unsicherheit wider, die wiederum eine Folge der widersprüchlichen Nachrichten ist. Oft schon innerhalb von ein paar Stunden.

Neben düsteren News kamen zuletzt durchaus auch ein paar positive Infos zur konjunkturellen Entwicklung von beiden Seiten des Atlantiks. Doch wurden die Märkte auch auf dem falschen Fuß erwischt. Beispiele seit gestern Abend: Russen stoppen Gaslieferung an Polen und Bulgarien, dann breiteten sich Befürchtungen über eine höhere Inflation bei schwächerem Wachstum aus. Die Aktienmärkte notierten zwar bereits im Minus, aber die Terminkontrakte auf Dax und S&P 500 sanken noch weiter. Hinzu kamen enttäuschende Ergebnisse von Tech-Unternehmen und Industriefirmen aus Ami-Land.

Parallel gab es aber auch von verschiedenen Ländern tendenziell Ermunterndes: Die europäische Wirtschaft könnte vom Krieg bisher weniger stark betroffen sein als bisher befürchtet. Wichtige Stimmungsindikatoren aus einigen Ländern sorgten nämlich zuletzt für positive Überraschungen. Man denke nur an den jüngsten Ifo-Indikator des Geschäftsklimas. Der konjunkturelle Gegenwind für die europäischen Aktienmärkte könnte damit abnehmen, sofern eine weitere Eskalation im Russland-Ukraine-Krieg ausbleibt – doch sieht es danach momentan wirklich nicht aus. Dazu ergänzen die Anlagestrategen der Deutschen Bank: Die Märkte werden noch eine Zeit lang im Konsolidierungsmodus verharren, bis etwas mehr Klarheit über die geopolitische Lage, Chinas Covid-Situation sowie den Leitzinspfad der US-Notenbank herrscht.

Kein Wunder, dass über den deutschen Haushalten ein schweres Tiefdruckgebiet herrscht: Die Verbraucherstimmung hat sich im April zum zweiten Mal in Folge deutlich verschlechtert. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartungen als auch die Anschaffungsneigung müssen spürbare Einbußen hinnehmen. Laut GfK stürzt damit das Konsumklima auf einen neuen historischen Tiefststand und unterschreitet das bisherige Rekordtief aus dem Frühjahr 2020 während des ersten Corona-Lockdowns deutlich! Ein spürbarer Anstieg der Sparneigung im April hat diesen Absturz noch beschleunigt.

Das klingt voll mies. Begründung: Der Ukraine-Krieg sowie die hohe Inflation haben der Verbraucherstimmung einen schweren Schlag versetzt. Damit haben sich die Hoffnungen auf eine Erholung als Folge der Lockerungen pandemiebedingter Beschränkungen endgültig zerschlagen, erläutern die Nürnberger Stimmungsforscher. Eine nachhaltige Trendwende beim Konsumklima wird nur dann vermutet, wenn es zu erfolgreichen Friedensverhandlungen kommt. Das Risiko für die deutsche Konjunktur ist aus Sicht der Verbraucher also weiter gestiegen, die Gefahr einer Rezession wird als hoch eingeschätzt. (Viel) zu hoch sind inzwischen auch schon die Preise – nicht nur für Sprit, Gas und Öl.

Vor diesem Kuddelmuddel-Informationshintergrund müsst Ihr Euch börsentäglich selbst die Frage stellen, wie Ihr die Risiken einschätzt – und das dann mit der aktuellen Kursentwicklung vergleichen. Das momentane Kurs-Gewackel ist für sich genommen wenig aussagekräftig, was aus Dow, Dax & Co. in den kommenden Monaten werden kann.

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