onvista-Börsenfuchs: „Look east“ lenkt Blick auch auf Japan

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Quelle: onvista

Hallo Leute! Ihr kennt ja die strategische Empfehlung, bei der internationalen Streuung des Depots auch nach Osten zu blicken. Look east bezog sich bisher meist auf die asiatischen Schwellenländer mit China an der Spitze. Das hat sich inzwischen geändert. Einerseits haben die Chinesen Corona-Probleme und Maßnahmen angeordnet, die das Wirtschaftswachstum spürbar bremsen. Andererseits haben die großen Investoren Japan als interessanten Markt wiederentdeckt. Japanische Aktien sind also eine Chance auch für private Anleger.

Während alle Augen gebannt auf China und seine geschlossenen Häfen gerichtet sind, bleibt ihnen verborgen, dass auch der asiatische Markt insgesamt interessante Investitionsmöglichkeiten zu bieten hat. Das ist jedenfalls die Einschätzung von SooHai Lim, Asienexperte beim Investmentmanager Barings. Der Fondsmanager äußert sich für asiatische Aktien insgesamt zuversichtlich und erwartet, dass die Renditen von einem ordentlichen Wachstum der Unternehmensgewinne angetrieben werden – wenn auch langsamer als im Jahr 2021, insbesondere nach der Bewertungskorrektur im vergangenen Jahr. In China führen die regulatorischen Maßnahmen seit Ende 2020 sowie die jüngsten Verbote zu weiteren unterstützenden Maßnahmen in diesem Jahr: Insbesondere werden geldpolitische sowie fiskalpolitische Maßnahmen erwartet, um das BIP-Wachstumsziel von rund 5,5 Prozent für 2022 zu erreichen. Deshalb gelten die chinesischen Aktienmärkte derzeit als attraktiv bewertet, vorausgesetzt, es gibt konkrete Katalysatoren für die breitere wirtschaftliche Erholung.

In Korea sind der neu gewählte Präsident Yoon Suk-yeol und seine Regierung für ihre wachstumsfreundliche Haltung bekannt. Barings glaubt, dass seine Wahl zu einer lockereren Regulierung des Immobilien-, Internet- und des Finanzsektors sowie zu einer unternehmensfreundlichen Politik führen könnte. Auch andernorts könnte das Wirtschaftswachstum der Asean-Staaten im Jahr 2022 andere Weltregionen übertreffen – vor allem angesichts der Tatsache, dass sie ihre Grenzen wieder öffnen. Gleichzeitig sind eine Reihe von Asean-Ländern, die von Natur aus über wichtige Rohstoffe verfügen, gut positioniert, um dem jahrzehntelangen Megatrend, dem Übergang zur Kohlenstoffneutralität, zu begegnen. Die voraussichtlich langanhaltende Nachfrage nach Rohstoffen wie Nickel und Kupfer bietet diesen Ländern längerfristig strukturelle Wachstumschancen.

Jetzt sorgt Japan für positive Schlagzeilen. Denn dort ist die Berichtssaison zu Ende. 1.571 Unternehmen des Topix haben Zahlen zum ersten Quartal 2022 vorgelegt. 53 Prozent der Unternehmen übertrafen die Erwartungen, 36 Prozent verfehlten sie. Auf den ersten Blick scheint die Gewinnentwicklung mit minus 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr enttäuschend. Allerdings wird das Ergebnis stark durch die Softbank Group verzerrt, die nach hohen Gewinnen 2021 nun immense Verluste erlitt. Das Gewinnwachstum der restlichen Unternehmen betrug satte 46 Prozent. Besonders die Corona-geplagten Dienstleister erholten sich mit einem Gewinnplus von 320 Prozent stark. Zudem dürfte der schwache Yen die Geschäftslage der Hersteller verbessert haben, schließlich konnten diese ihre Gewinne mit 8 Prozent stärker als erwartet steigern, schreiben die Strategen der Deutschen Bank. Das durchschnittliche Umsatzwachstum betrug 9 Prozent, die Margen blieben robust. Nachdem die im ersten Jahresviertel bekanntgegebenen Aktienrückkäufe nur mittelmäßig ausfielen, ist 2022 mit neu angekündigten Programmen in Höhe von 4 Billionen Yen auf Kurs, das Vor-Pandemie-Niveau zu knacken. Die umfangreichen Rückkäufe könnten das niedrige erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,3 weiter stauchen.

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