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Heiko Böhmer: Rezessionsangst: Kommt jetzt der große Absturz in den USA?

Heiko Böhmer · Uhr
Quelle: Morrowind/Shutterstock.com

Sind die USA schon in der Rezession? Das ist eine der spannendsten Fragen derzeit an den Finanzmärkten. Nach aktuellen Daten ist die US-Wirtschaft sowohl im ersten als auch im zweiten Quartal 2022 geschrumpft. Laut Definition ist das eine technische Rezession. Doch führende Politiker und Notenbanker um Fed-Chef-Jerome Powell sehen die US-Wirtschaft noch nicht in der Rezession - auch weil die Arbeitsmarktdaten noch Stabilität anzeigen.

Tatsächlich ist ein neues Szenario denkbar für die kommenden Monate. Bei der Echtzeit-Einschätzung zur aktuellen Lage der US-Wirtschaft von GDPnow sieht es im laufenden dritten Quartal erst einmal nach einem BIP-Wachstum aus und zwar um 2,5 Prozent im Vorjahresvergleich. Gleichzeitig werden wohl zumindest kurzfristig die Inflationsraten wieder zurückkommen. Der leichte Rückgang in den USA auf nur noch 8,5 Prozent war hier ein erstes Anzeichen.

Zuletzt war die Stagflation das vorherrschende Szenario. Mit diesem Begriff wird eine stagnierende oder zurückgehende Wirtschaftsleistung bei steigender Inflation beschrieben. Das hatten auch die Profis der Fondsbranche noch vor vier Wochen in der Juli-Ausgabe als größtes Risiko angesehen. Nun liegt die August-Ausgabe des wichtigen Fund Manager Surveys der Bank of America vor – und hier hat es neben der Stagflationseinschätzung einige weitere massive Veränderungen gegeben.

Leichter Optimismus bei den Finanz-Profis

Erst einmal bleibt die Stimmungseinschätzung der Experten weiterhin negativ. Allerdings hat es ausgehend von den extrem negativen Niveaus im Juli zuletzt doch eine kleine Verbesserung gegeben. Dieser Veränderung liegt die Hoffnung zu Grunde, dass in den kommenden Monaten der Inflationsdruck nachlässt. Gleichzeitig sehen die Experten das Abwärtspotenzial beispielsweise beim S&P 500 Index in den USA als klar begrenzt an. So wird die Marke um 4.330 Punkten als wichtiger Widerstand angesehen. Hier verläuft aktuell in etwa die langfristig aussagekräftige 200-Tage-Linie. Nach den jüngsten Zuwächsen gerade am US-Markt fehlt nicht mehr viel bis zum Erreichen dieser Marke. Dieses begrenzte Aufwärtspotenzial deckt sich auch mit unserer Analyse – denn viele Momentum-Indikatoren befinden sich im überkauften Territorium, was ein Verkaufssignal darstellt.

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Beim Blick auf die wichtigen Cash-Positionen der Fondsmanager deutet sich immerhin eine leichte Erholung an. So ist das Cash-Niveau mit 5,7 Prozent noch immer deutlich über dem langfristigen Durchschnitt von 4,8 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat ist der Wert jedoch vom 20-Jahres-Hoch bei 6,1 Prozent wieder etwas zurückgekommen.

Bei der aktuellen Risikoeinschätzung sehen die Fondsprofis eine weiterhin hohe Inflation als das größte Risiko an. Tatsächlich gehen hier die Prognosen doch weit auseinander. So hat der Druck von Seiten der Energie – zumindest beim Öl – wieder klar nachgelassen. Somit deutet sich der Güterpreis-Inflation eine Entlastung an. Ganz anders sieht es aus bei der Servicekomponente der Inflation aus. Deutliche Lohnsteigerungen setzen die Unternehmen unter Druck - vor allem bei einer schwächeren Konjunktur. Und wenn dann höhere Kosten (u.a. durch die Löhne) auf eine schwächere Nachfrage treffen, kann das nur sinkende Margen bedeuten. Insofern bleibt das Thema Inflation hier zentral.

Dennoch gilt: Die Vorsicht bleibt hoch

An dieser Einschätzung der Profis ist schon die immer noch große Vorsicht ablesbar. Nach den Zuwächsen in den vergangenen Wochen kann man wirklich sagen: Die Lage an den Börsen nach den jüngsten Zuwächsen ist besser als die reale Lage der Wirtschaft. Eine solche kurze Sommerrallye hatte ich an dieser Stelle erst vor wenigen Wochen für möglich gehalten. Dabei hatte ich auch schon auf das begrenzte Potenzial hingewiesen.

An dieser Einschätzung hat sich nichts verändert. Wir gehen weiter davon aus, dass die Märkte vor einer weiteren größeren Erholung erst einmal noch Luft holen – also noch einmal deutlich nachgeben. Eine solche Entwicklung haben wir in früheren Bärenmärkten immer wieder gesehen. Einer ersten Korrektur folgte eine Bärenmarktrallye und dann eine zweite Korrekturphase, die oft noch viel heftiger ausfiel als die erste Korrektur. Schon Mark Twain wusste aber, dass sich die Geschichte nicht wiederholt, doch viele Ereignisse passen im besten Fall so zusammen, dass sie sich reimen. 

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